Nine Eleven (2)

Suche nach Wegen ohne Rache und Krieg

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Die Friedensfachberaterin Dr. Anthea Bethge war am 11. September 2001 auf dem Weg zu einer Tagung, Bilder der Anschläge sah sie erst zwei Tage später zum ersten Mal.

Auf Versöhnung setzen: Dr. Anthea Bethge. LupeAuf Versöhnung setzen: Dr. Anthea Bethge.

Sie ist promovierte Physikerin und Schalomdiakonin, ausgebildet beim Ökumenischen Dienst (OeD) in Wethen. Dr. Anthea Bethge ist nach einem sechsjährigen Einsatz mit der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) in Tansania, Ruanda und Kongo heute Finanzreferentin und stellvertretende Geschäftsführerin des internationalen christlichen Friedensdienstes Eirene in Neuwied. Vor zehn Jahren saß sie im Zug nach Berlin, wo sie für eine Tagung mitverantwortlich war, da klingelte das Handy ihres Kollegen. „Da ist ein ganz schlimmer terroristischer Anschlag in New York passiert - ein Attentat mit vielen Toten“, erfuhr sie. „Ich hatte Worte, aber keine Bilder, sehr lange nicht“, erinnert sie sich.

Ein strammes Tagungsprogramm, kein Fernseher im Hotelzimmer. Anthea Bethge sah die Bilder vom Zusammensturz der Türme erst zwei Tage später, nach Tagungsende. Den anfänglichen Mangel an „dramatischen Bildern“ empfindet sie im Rückblick nicht als Manko, sondern eher als Hilfe zur Nüchternheit. „Das war die Zeit, in der die Angaben zu den Opferzahlen ständig nach unten revidiert wurden“, erinnert sie sich. Anfangs waren 20.000 Opfer befürchtet worden, längst weiß man, rund 3000 Menschen verloren am 11. September 2001 ihr Leben.

Suche nach Ansatzpunkten für einen anderen Fortgang

Sehr schnell habe sie damals auf dem Hintergrund ihrer Ausbildung als Friedensfachberaterin gefragt: „Wo sind Ansatzpunkte dafür, dass es gut weitergeht?“ Die Reaktion der US-Regierung, die den weltweiten „Krieg gegen den Terror“ ausrief, war für sie ein Schritt in die falsche Richtung. „Der Begriff sagt doch schon, dass das nicht geht.“ Ein hoffnungsvolles Zeichen ist für sie dagegen die Initiative der Eltern von Umgekommenen, die damals erklärten: „Dieser Krieg wird nicht im Namen unserer Kinder geführt." Dass Trauernde fähig zur Versöhnung waren und auf militante Rache verzichten wollten, „das hat mich sehr bewegt, als ich davon gehört habe“.

Auch heute, zehn Jahre nach dem Attentat und im zehnten Jahr der kriegerischen Intervention in Afghanistan hält Anthea Bethge daran fest, dass Krieg kein Mittel gegen die fundamentalistischen Taliban, die Drogenbosse und das Terrornetzwerk ist. Dass sie für ihre pazifistische Grundhaltung als „weltfremd“ belächelt wird, nimmt sie in Kauf.

Dialog und Respekt

„Zu welchem Ziel führt die Gewalt?“, argumentiert sie auch im Blick auf den jüngsten Nato-Waffengang in Libyen, „Ist das wirklich ein Erfolg? Haben wir wirklich schon die Opfer gezählt? Wird nicht einmal mehr vermittelt, dass siegt, wer die stärkeren Waffen hat, die größere Gewalt anwendet?“

Ob es sie mutlos macht, dass ihre friedensethische Position so wenig Beachtung findet? „Meine Position wird durchaus durch neue Ereignisse infrage gestellt, aber ich denke immer wieder auch theologisch darüber nach. Auch angesichts des 11. September und der kriegerischen Folgen bin ich immer wieder eine echte Pazifistin.“ Was lässt sich für Frieden tun? Anthea Bethge setzt auf Dialog und Respekt, auf - möglichst auch von den Religionen initiierte - Gespräche, die mit großer Sensibilität  geführt werden müssen. "Mit unseren Feinden zu reden, steht uns Christen gut an." 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 8. September 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 9. September 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / kv / 08.09.2011