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Die Bibel konsultieren: Pfarrerin Ulrike Verwold und Küchenchefin Kornelia Kraemer (l.) bringen jede Woche ein neues biblisch inspiriertes Gericht auf die Speisekarte im Bonner Kirchenpavillon. Die Bibel konsultieren: Pfarrerin Ulrike Verwold (l.) und Küchenchefin Kornelia Kraemer bringen jede Woche ein neues biblisch inspiriertes Gericht auf die Speisekarte im Bonner Kirchenpavillon.

Genuss

„Bibel geht durch den Magen“

Himmel un Ääd, Esaus Linsengericht oder Davids Eintopf: Im Bonner Kirchenpavillon präsentieren Pfarrerin Ulrike Verwold und Küchenchefin Kornelia Kraemer ab sofort jede Woche ein anderes an der Bibel orientiertes Gericht. 

Die erste kulinarische Bibelwoche des Evangelischen Kirchenkreises Bonn beginnt, wie es sich gehört, mit dem ersten Satz der Heiligen Schrift: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Was würde in dieser Projektwoche besser passen, als den Besucherinnen und Besuchern des Kirchencafés am Kaiserplatz, gleich vor der Bonner Kreuzkirche, das rheinische Traditionsgericht „Himmel un Ääd“ anzubieten? Also eine ebenso süße wie deftige Reise in den Himmel der rheinischen Kochkunst?  

Der Name des Gerichts versinnbildliche, dass beides - die Äpfel oben an den Bäumen und die Kartoffeln unten im Boden - wie Himmel und Erde fest zusammengehören, erläutert Ulrike Verwold den neugierigen Gästen. Die Pfarrerin betreut den Bonner Kirchenpavillon im Herzen der Stadt und damit auch das neue Angebot.  

Himmel un Ääd: Kornelia Kraemer serviert Röstkartoffeln mit Blutwurst und süßem Apfel. Himmel un Ääd: Kornelia Kraemer serviert Röstkartoffeln mit Blutwurst und süßem Apfel.

„Ein Stück Himmel auf Erden“

Da kommt auch schon der erste Teller dampfend aus der Küche: mit Gemüse dekorierte Röstkartoffeln unter einem gebratenen Stück Blutwurst. Darauf hat Küchenchefin Kornelia Kraemer geschmorte Apfelscheiben und darauf wieder goldgelb gebratene Zwiebelchen drapiert. Passend dazu steht im Informationsblatt, das auf den Tischen ausgelegt ist: „Achten Sie in dieser Woche doch einmal darauf, ob Sie das spüren: ein Stück Himmel auf Erden, in Ihrem Leben, in Ihrem Alltag. Denn Gott ist da, von Anfang an.“ 

Pfarrerin Verwold erklärt den Gästen: „Wir tauchen hier ein in die Welt der Bibel und das, was zu diesem besonderen Essen einfach geistlich gesagt werden sollte.“Zum Essen gehöre, dass man verstehe, was man zu sich nimmt. Der Kirchenpavillon koche modern und nicht wie in Zeiten Jesu Christi, aber orientiere die Zutaten am biblischen Texten, erklärt die Pfarrerin.  

Neben veganen und vegetarischen Gerichten stehen auch welche mit Fleisch auf dem Speiseplan. „Es geht um Nachhaltigkeit. Es geht darum, so zu essen, dass die Schöpfung keinen Schaden nimmt.“ Die Pfarrerin lädt dazu ein, gut biblisch zu essen auf den Spuren einer heiligen Geschichte und mit geistlichem Hintergrund. Nicht nur Liebe, sondern auch „Bibel geht durch den Magen“, lautet das Motto. 

Die Schöpfung soll keinen Schaden nehmen  

Von den Speisen und Zutaten, die in der Bibel vorkommen, hat sich Ulrike Verwold inspirieren lassen und sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 52 verschiedene Mahlzeiten für die  52 Wochen des Jahres zu kreieren. Während die Gäste essen und über die Bibelstelle diskutieren, hat sich die Pfarrerin nun mit Kochexpertin Kornelia Kraemer zum Brainstorming zusammengesetzt. Verwold hat die Bibel mitgebracht, Kraemer blättert in Kochbüchern.  

In der kommenden Woche wollen die beiden Genesis, 1, Vers 29, also das Lob aller Früchte, die Samen bringen, in ein Gericht hineinzaubern. „Genesis-Schmorgemüse auf Pasta“ wird auf der Speisekarte stehen, entscheiden die Frauen. In einer anderen Woche soll es um Samuel 17, Verse 27-19, gehen: um das leckere Mahl Davids aus gerösteten Körnern, Bohnen, Linsen, Honig, Butter und Schafskäse. Die Küchenmeisterin macht sich für „Davids Eintopf“ Notizen.  

Essen und trinken zur Freude des Herrn

Esaus Linsengericht, das starke Männer nach harter Arbeit allein mit Gemüse wieder einsatzfähig macht, wird auf keinen Fall fehlen. „Und auch nicht ein Gericht rund um Nehemia 8, Vers 10“, sagt die Pfarrerin lachend. Genüsslich liest sie aus der Bibel: „Gehet hin und esst fette Speisen und trinkt süße Getränke.“ Und das zur Freude des Herrn, betont sie.  

Alles habe also seine Zeit. Die Bibel rufe nicht zu Freudlosigkeit und zum ewigen Kalorienzählen und Verzicht auf, sondern zu Lebensfreude und Geselligkeit. So in etwa werde sie auch das Mahl kommentieren, plant Verwold.  Und: „Wenn es nach mir ginge, passt da eine richtig schöne Torte mit Kakao dazu.“

Aufforderung zu Toleranz auch beim Essen

Auch die Verse 1 bis 3 aus Römer 14 hat sie für ihr Programm im Blick, die Paulus-Zeilen, die zu Toleranz mit anderen Essgewohnheiten auffordern. „Die Verbissenheit, mit der wir das Essen der anderen betrachten, ist doch fehl am Platz“, findet Ulrike Verwold. Vielleicht könnte man da zwei Gerichte koppeln, eins mit Fleisch und das zweite zum halben Preis vegan, so dass an einem Tisch Respekt vor der Entscheidung des jeweils anderen entstehe, denkt die Pfarrerin vor.  

Die ersten Gäste dieses Mittags gehen. „Himmel un Ääd“ sei total lecker gewesen, rufen sie in die Küche des Kirchenpavillons. „Essen wie bei Muttern – das Motto Ihres Cafés stimmt bei uns genau.“ Die jungen Leute wollen wiederkommen.

Der Bonner Kirchenpavillon an der Kreuzkirche, Kaiserplatz, hat Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das biblische Mahl gibt es ab 11.45 bis 17.15 Uhr, samstags 12 bis 16 Uhr

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ekir.de / Ebba Hagenberg-Miliu, Fotos: Benjamin Westhoff / 09.09.2016



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