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Motorradfahrer-Treffen

Und manchmal sogar fromm

Sie sind harte Kerle auf heißen Öfen, klar. Aber sie sind auch sanft, sensibel und manchmal sogar fromm. Das zeigt sich am Wochenende in Essen beim Motorradfahrer-Treffen.

Laden zum LupeLaden zum "Biken und Beten" ein (vorn, v.l.): Essens Superintendent Irmenfried Mundt und die Pfarrer Heiner Mausehund und Rolf Zwick.

Motorradfahrer aus ganz Deutschland treffen sich am 4. und 5. September auf dem Gelände des Welterbes Kokerei Zollverein zum friedlichen „Biken und Beten“- mit Gottesdienst und christlicher Rocknacht, Touren zu Zechen, Halden und Kirchen und einem großen Friedens-Korso mitten durchs Revier. Für den Vorbereitungskreis um die beiden Essener Pfarrer Heiner Mausehund und Rolf Zwick ist das christliche Biker-Festival somit auch eine willkommene Möglichkeit, „das Bild der Biker in der Öffentlichkeit, das vielfach mit Bandenkriminalität und Rowdytum in Verbindung gebracht wird, etwas differenzierter zu zeichnen.“

Wenn die christlichen Motorrad-Gruppen und Motorrad-Stammtische zu ihren regelmäßigen Treffen zusammenkämen, gehe es zwar oft um Technik und neue Maschinen – auch auf Zollverein dürfe natürlich ausgiebig gefachsimpelt werden. Doch genauso häufig stünden Lebensfragen, Glaubensthemen oder gesellschaftliche Probleme im Mittelpunkt der Gespräche. „Kriegst du die Kurve?“ ist die Veranstaltung auf Zollverein denn auch überschrieben: „Die imposante Industriekulisse, die sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch gewandelt hat, ist wie kaum ein anderer Ort geeignet, um über die Wendepunkte im eigenen Leben, Zukunftsängste und existenzielle Grundfragen nachzudenken“, findet Heiner Mausehund.

Große Kraft des Evangeliums spüren

Gleichwohl: Ein „normaler“ Gottesdienst sei nicht zu erwarten. „Wenn Biker Gottesdienst feiern, dann geschieht das ohne Orgelmusik, ohne Kirchenbänke und dogmatische Sätze“, erläutert Rolf Zwick. „Trotzdem sollen die Gottesdienstbesucher die große Kraft des Evangeliums spüren, die uns alle hier im Ruhrgebiet miteinander verbindet – die Generationen wie die verschiedenen Kulturen, die Biker ebenso wie die Autofahrer und Fußgänger.“ Natürlich wird gebetet und einen Segen gibt’s zum Schluss auch: „Ich wünsche dir immer ein Stück Asphalt unter den Reifen“, lautet eine typische Biker-Fürbitte.

Die Idee für das Festival, das Teil des evangelischen Programms zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 ist, hatte die Christliche Motorrad-Gruppe Königssteele – sie veranstaltet in jedem Jahr ein Biker-Treffen mit Gottesdienst, Live-Musik und einem Korso im Essener Stadtteil Steele. Schnell gelang es dem Königssteeler Pfarrer und passionierten Motorrad-Fan Heiner Mausehund, Unterstützer zu gewinnen: Etwa die „Flying Angels“ der baptistischen Gemeinde in Essen-Altendorf, die Motorrad-Clique der Evangelischen Jugend Weigle-Haus e.V. und die „Blue Knights Germany XVI“ der Polizei Essen. Die Schirmherrschaft über das Festival hat die Polizeipräsidentin für Essen und Mülheim a.d.R., Stephania Fischer-Weinsziehr, inne.

Hoffnung auf Sonne

Außerdem sind die Motorradfahrerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland, die „Biker’s Church Westfalen“ und weitere Motorradorganisationen an der Durchführung beteiligt. Der Veranstaltungsetat in Höhe von etwa 30.000 Euro wird nahezu komplett durch Sponsoren aufgebracht; der Kirchenkreis Essen trägt die Kosten für das erweiterte Sicherheitskonzept der Veranstaltung. Bei Sonnenschein – Biker sind bekanntermaßen sehr vom Wetter abhängig – rechnen die Veranstalter mit mehreren tausend Teilnehmern aus ganz Deutschland.

Zum Gottesdienst am Sonntag, 11 Uhr, werden unter anderem der EKD-Ratsvorsitzende und Präses Nikolaus Schneider, Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß und der Superintendent des Kirchenkreises, Irmenfried Mundt, erwartet. Auch das Kulturhauptstadt-Kreuz der Evangelischen Kirchen und Bistümer in Nordrhein-Welstfalen, das derzeit von Stadt zu Stadt durchs Ruhrgebiet zieht, wird nicht fehlen: Es wird stilecht im Beiwagen vor den improvisierten Altar gefahren.

 

 

ekir.de / kirche-essen.de / 01.09.2010



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