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Der Bonner Superintendent Eckart Wüster vor dem Alten Rathaus. Der Bonner Superintendent Eckart Wüster vor dem Alten Rathaus, wo vor 200 Jahren die erste evangelische Gemeinde in Bonn gegründet wurde.

Jubiläum

200 Jahre „Blauköpp“ in Bonn

Am 5. Juni 1816 gründeten 208 Bonner ihre erste evangelische Gemeinde. Genau 200 Jahre später wird das Ereignis vor dem historischen Gründungsort – dem Alten Rathaus – mit einem großen Open-Air-Gottesdienst unter dem Motto "Das wird ein Fest!" gefeiert.

Bonn rüstet sich zum 200-jährigen Bestehen seiner ersten evangelischen Gemeinde. Am Jubiläumssonntag gibt es ab 11 Uhr einen großen Open-Air-Gottesdienst auf dem Marktplatz – vor der Kulisse des Alten Rathauses, in dem am 5. Juni 1816 genau 208 mutige evangelische Bürger beschlossen, sich in der Diaspora des katholischen Rheinlands zur Gemeinde zusammenzutun.

Einer dieser Protestanten der ersten Stunde war der Dichter Ernst Moritz Arndt, der sich gerade in der Universitätsstadt niedergelassen hatte. Am Buß- und Bettag nutzten Arndt und die anderen dann auch keck die als Lagerraum verkommene Schlosskirche für ihren Gottesdienst. Und sie hatten Glück: 1817 genehmigte ihnen das der preußische König Friedrich Wilhelm III. auch offiziell.  

Von Gottfried Kinkel bis Peer Steinbrück  

Vor allem die linksrheinischen Protestanten hatten zuvor seit Martin Luther ihren Glauben nur im Verborgenen leben können. Nun waren die nach den preußisch-blauen Uniformen verächtlich „Blauköpp“ gerufenen Protestanten also auch in der Rheinstadt anerkannt.

Und konnten neben dem nicht unumstrittenen Arndt bis heute noch viele andere selbstbewusste und unorthodoxe Köpfe in ihren Reihen begrüßen: etwa den republikanischen Revolutionär Gottfried Kinkel, der 1848 auf Bonns Rathaustreppe die schwarzrot-goldene Fahne der Freiheit und Demokratie schwenkte.

Oder den Theologieprofessor Karl Barth, der im Sinne der Bekennenden Kirche den Widerstand gegen die Nazis probte, und den Theologen Hans-Joachim Iwand, der nach 1945 mit Barth das „Darmstädter Wort“, ein radikales Schuldgeständnis auch der Kirche angesichts der NS-Gräuel, verfasste.  

Bonn weist auch heute Prominente auf, die ihre Konfession durchaus öffentlich machen: den ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (SPD), der gerne von der Kanzel aus mit seiner Partei und der Selbstzufriedenheit seiner Mitbürger ins Gericht geht, oder die frühere ÖTV-Gewerkschaftsvorsitzende Monika Wulf-Mathies, die evangelisches Profil in ihrem Engagement für die Bonner Hospizarbeit zeigt, und „Wunderheiler“ Eckart von Hirschhausen, der auch lokal bei Benefizveranstaltungen im Einsatz ist.  

Bonn kann seit 1883 eine Tradition evangelischer Schulen aufweisen, angefangen mit Diakoniepfarrer Julius Axenfeld, der auch hier als Pionier mit einer Handvoll Eleven begonnen hatte, bis zum heutigen landeskirchlichen Amos-Comenius-Gymnasium. „Wir leben, arbeiten und feiern in aller Freiheit, die sich in der Nähe zu Gott ereignet“, heißt es hier bis heute im Schulprogramm.  

In manchen Gemeinden mehr Taufen als Beerdigungen  

Alles das ist der Evangelischen Kirche in Bonn die große Jubiläumsfeier wert. Heute sei fast jeder vierte Bonner, jede vierte Bonnerin evangelisch, kann Superintendent Eckart Wüster vermelden. Die Zahlen seien gegen den Bundes- und Landestrend erstaunlich stabil. Es gebe Gemeinden, die hätten immer noch mehr Taufen als Beerdigungen.

„Uns in Bonn geht es also noch vergleichsweise gut“, sagt Wüster. Und wie wird es mit der Bonner Evangelischen Kirche in 200 Jahren beschaffen sein? Wüster lacht. „Ich wünsche mir, dass wir die Stadt weiter mitprägen, ökumenischer sind, deutlicher noch in dem, was wir diakonisch tun, denn die Aufgaben werden gewaltig zunehmen.“  

Der Open-Air-Gottesdienst unter dem Motto „Das wird ein Fest!“ beginnt  am 5. Juni 2016 um 11 Uhr auf dem Marktplatz. Die Predigt hält der höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland, der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm. Auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski feiert mit sowie der Bischof Abednego Keshomshahara von der Bonner Partnerkirche in Tansania. Anschließend gibt es Suppenküche, Musik und diverse Aktionen auf dem Platz.

Am Abend schließt der Festtag mit einem Festakt in der Schlosskirche, der ersten evangelischen Gemeindekirche in Bonn, sowie im Rathaus, also dort, wo 1816 alles begann. (Hinweis: Aufgrund der begrenzten Platzzahl ist die Teilnahme in der Schlosskirche und im Rathaus nur mit Einladungskarte möglich.)   

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ekir.de / Ebba Hagenberg-Miliu, Foto: Joachim Gerhardt / 31.05.2016



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