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Festakt zum 200. Jahrestag der evangelischen Gemeinde Bonn am Sonntag (05.06.2016) auf dem Bonner Markplatz. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm (re.), hat dabei den Einsatz vieler Menschen innerhalb Festakt zum 200. Jahrestag der evangelischen Gemeinde Bonn auf dem Bonner Markplatz: Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (r.), lobte den Einsatz vieler Menschen innerhalb der Kirche. Foto: epd/Meike Böschemeyer

200 Jahre Bonn evangelisch

All die Energie, die Liebe, das Engagement

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat den Einsatz vieler Menschen innerhalb der Kirche gelobt. "Man muss sich nur einmal einen Moment lang all die Energie, die Liebe, das Engagement vergegenwärtigen, das Haupt- und Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden investieren."

In seiner Predigt im Open-Air-Gottesdienst zum 200. Tag der Gründung der evangelischen Gemeinde Bonn betonte er, dass die Kirche nicht nur auf ihre Mitgliederzahlen starren müsse. Der Festakt zum 200-jährigen Bestehen der evangelischen Gemeinde Bonn zeige, "dass wir nicht kurz vor dem Aussterben stehen und dass alle Verfallsprognosen hinten und vorne nicht stimmen", so Bedford-Strohm. Auf dem Bonner Marktplatz hatten sich rund 2.500 Menschen zum Open-Air-Gottesdienst versammelt.

Eine so kraftvolle evangelische Gemeinde wie die in Bonn sei gerade in katholisch geprägten Teilen des Rheinlands keine Selbstverständlichkeit, sagte Bedford-Strohm im Gespräch mit dem Bonner Kabarettisten Eckart von Hirschhausen. Zukünftige Kirchenmitgliedschaften ließen sich zudem nicht hochrechnen. "Das Reformationsjahr 2017 wird ein großes Christusfest werden", sagte der EKD-Ratsvorsitzende. "Wir sollten es zum Anlass nehmen, die Quelle unseres Glaubens neu für uns zu entdecken."

"Menschen, die Andere in die Kirche einladen, kennen beides: dass die Einladung angenommen wird, aber eben auch, dass sich trotz großer Bemühungen, die Resonanz in Grenzen hält", betonte der Theologe. "Dass wir als Kirche noch viel mehr als bisher eine einladende Kirche werden, das wünsche ich mir 200 Jahre nach der Gründung der evangelischen Gemeinde hier in Bonn."

Gemeinschaft auch spüren

Sicher sei es wichtig, darüber nachzudenken, bestimmte christliche Rituale auch in der evangelischen Kirche wiederzuentdecken, erklärte Bedford-Strohm. "Wenn ich Abendmahl feiere, stehen wir immer im Rund und fassen uns an die Hände, um Gemeinschaft auch zu spüren." Evangelischsein, das heiße nicht nur "knorrig und wortverhaftet" glauben, betonte der EKD-Ratsvorsitzende. Zum Protestantismus gehörten die Kirchenmusik, die Oratorien und die Gospelgesänge. "Davon können wir aber noch mehr vertragen", sagte Bedford-Strohm.

Evangelisch-Sein bedeutet dem EKD-Ratsvorsitzenden zufolge keine Abgrenzung, sondern vielmehr eine "kraftvolle Tradition, die sich immer in Geschwisterschaft mit der Katholischen Kirche sieht". Zum Evangelisch-Sein gehörten die klare geistliche Grundlage, die Gottesdienste und das hohe Engagement der Menschen, sagte Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst (epd). Letzteres reiche gerade in den Bonner Gemeinden vom Einsatz für den Frieden und für Flüchtlinge bis zur öffentlichen Präsenz im Stadtleben.

Präses: Nicht von Stimmungen, Trends und Meinungsumfragen treiben lassen

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat die Kirche davor gewarnt, sich von Stimmungen, Trends und Meinungsumfragen treiben zu lassen. Der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland erklärte am Sonntagabend in der Bonner Schlosskirche beim Festakt zum 200-jährigen Bestehen der evangelischen Kirche in Bonn: "Wir feiern hier also nicht, dass wir uns in Bonn 200 Jahre auf dem Markt der Sinnangebote behauptet haben, sondern dass wir Jesus Christus in Wort und Sakrament weiter handeln lassen." Die Kirche sei nationenübergreifend und dürfe sich nie provinziell oder nationalstaatlich sehen.

Eckart Wüster, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn, betonte: "Wir sind nicht uniform, sondern leben Vielfalt, wenn das auch nicht immer leicht ist." Die evangelische Kirche in Bonn verstehe sich als Teil des weltweiten Christentums. Auch der katholische Stadtdechant Wilfried Schumacher betonte die Bedeutung der ökumenischen Zusammenarbeit: "Wir brauchen einander in einer Zeit, in der der Glauben verdurstet", sagte der Theologe. "Wir sind bei aller Verschiedenheit gemeinsam unterwegs, und zwar auf einem Weg der Freundschaft bis hin zur Einheit." Man sitze zwar nicht im selben Boot, aber rudere nebeneinander her und stütze sich, wenn der andere zu kentern drohe.

Oberbürgermeister: Kirchen sind Segen für die Stadt

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) nannte die Kirchen einen "Segen für die Gemeinschaft unserer Stadt". Die Kirche bringe immer wieder Werte wie Offenheit, Toleranz, Vielfalt und soziale Gerechtigkeit in die öffentliche Debatte ein. "Ohne die Kirchen wäre unsere internationale Stadt um vieles ärmer", betonte der Oberbürgermeister. An dem Festakt nahm neben Bundes- und Landespolitikern auch Metropolit Augoustinos, Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz, teil.

Der Bonner Universitätsprediger Reinhard Schmidt-Rost erinnerte daran, wie sich 1816 einige evangelische Bürger zum Buß- und Bettags-Gottesdienst die meist leerstehende katholische Schlosskirche "unter den Nagel gerissen" hätten. Am 5. Juni desselben Jahres gründeten sie im Bonner Rathaus die erste evangelische Gemeinde. 1817 erhielten sie dafür die offizielle Genehmigung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.

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epd / 06.06.2016



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