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Dokumentiert

"Kriegsspuren" - 37. Ökumenische Friedensdekade 2016

Im Wortlaut: Brief von Präses Manfred Rekowski an die Superintendentinnen und Superintendenten, Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchengemeinden und Kirchenkreise sowie die Einrichtungen, Gruppen und Engagierte der Friedensarbeit und des Konziliaren Prozesses der Evangelischen Kirche im Rheinland

Den Weg des Friedens kennen sie nicht, auf ihren Spuren gibt es kein Recht. Sie gehen krumme Pfade; keiner, der ihnen folgt, lernt den Frieden kennen. (Jes. 59,9)

Liebe Schwestern und Brüder,

dieses Wort des Propheten Jesaja nimmt die diesjährige Ökumenische Friedensdekade vom 6. bis 16. November auf. Ihr Thema sind KRIEGSSPUREN. Aus Jesajas Perspektive: Spu-ren des Unrechts, krumme Pfade, friedlose Wege.

Wir müssen nicht lange suchen, um Kriegsspuren wahrzunehmen. Sie kommen Tag für Tag in unsere Wohnzimmer, wenn wir Bilder der Zerstörung aus den Kriegsgebieten im Nahen und Mittleren Osten sehen, Bilder von militärischen Angriffen und von Terrorattacken. Und wir erkennen darin mehr als nur Spuren des Krieges. Wir haben Einblicke in Regionen, die Todeszonen geworden sind und in denen Menschen nicht mehr leben können.

Wir müssen nicht lange suchen, um Spuren des Unrechts zu entdecken. Wir finden sie in den Flüchtlingslagern und Aufnahmeeinrichtungen bei den Menschen, deren Leben in den Heimatländern nichts mehr galt und die schutzlos der Gewalt ausgesetzt wurden. Es gibt Jahrgänge von Kindern, denen eine geregelte Schulbildung vorenthalten wird, weil der Krieg den Alltag bestimmt.

Wir müssen nicht lange suchen, um krumme Pfade zu erkennen. Die Ausfuhr von Rüs-tungsgütern, die in Deutschland produziert werden, unterliegt Regeln und Gesetzen. Dass solche Waren in Krisen- und Kriegsgebiete gelangen, trägt zur Eskalation bei. Unser Land, unsere Industrie ist indirekt beteiligt.

Wir müssen nicht lange suchen, um friedlose Wege aufzuspüren, Wege, auf denen man den Frieden nicht kennen lernt. 60 Millionen Menschen sind weltweit vertrieben oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Viele von ihnen haben oder werden erfahren, dass die europäischen Außengrenzen Bollwerke sind, an denen ihre Träume von einem Leben in Freiheit und Würde begraben werden.

Vor Augen haben wir die trostlosen Bilder aus Syrien: ein zerbombtes Land, aus dem Millio-nen Menschen geflohen sind, in dem Binnenflüchtlinge kaum überleben. Friedensgespräche zwischen den Großmächten sind gescheitert, eine Waffenruhe wird zur Vorbereitung neuer Bombardements genutzt. Die Menschen in Syrien brauchen endlich das Schweigen der Waf-fen, verstärkte humanitäre Hilfe und einen Friedensprozess unter der Verantwortung der Vereinten Nationen, in dem sie selbst an zivilen Lösungen mitwirken können.

Der Buß- und Bettag lädt dazu ein, inne zu halten, sich zu erinnern und in die Zukunft zu denken. Kriege und Gewalt, die von Deutschland ausgingen oder an denen unser Land be-teiligt war, liegen offen zutage. Sie erfordern eine einsichtige, entschiedene, aus dem Glauben kommende Antwort.

Einer der großen Glaubenssätze, der Wege zur Vergebung, zur Umkehr und zum Frieden eröffnete, stammt aus der Ökumenischen Bewegung: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“, ein Satz aus der Gründungserklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen bei seiner 1. Vollversammlung 1948. In dieser Tradition stehen seine 348 Mitgliedskirchen. Sie haben bei ihrer 10. Vollversammlung 2013 aufgerufen zu einem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens. Sie haben sich selbst darauf verpflichtet, weil dies Gottes Weg ist.
Das thematisieren auch die zehn Friedenstage im November, zu denen ich herzlich einlade.

Folgendes lege ich Ihnen besonders ans Herz:

Das Material zur Ökumenischen Friedensdekade 2016 ist abzurufen auf www.ekir.de/frieden

Die aktuelle Ausstellung „Frieden geht anders“ können Sie beim Amt für Jugendarbeit entlei-hen.
Kontakt: Ulrich Suppus, Amt für Jugendarbeit, suppus@afj-ekir.de
Informationen zur Ausstellung: www.friedensbildung.de.

Für die friedenspädagogische Arbeit an Schulen stehen Fachkräfte zur Verfügung, die in Kooperation der Pädagogischen Institute der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche von Westfalen ausgebildet wurden.
Informationen: KR Rainer Pauschert (0211-4562-645, Mail: rainer.pauschert@ekir-lka.de).

Mit einem herzlichen Dank für Ihr Engagement und freundlichen Grüßen,

(Präses)

 

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12.10.2016



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