Mission (1)

Viel mehr als ein blasser Gedanke

Gott als Quelle des Lebens bekannt machen, das ist die Missionshoffnung von Ute Brodd-Laengner (50),  Gemeindepfarrerin mit Schwerpunkt Altenheimseelsorge und Synodalbeauftragte für Besuchsdienst. 

Ute Brodd-Laengner ist Pfarrerin im Kirchenkreis Wied. LupeUte Brodd-Laengner ist Pfarrerin im Kirchenkreis Wied.

Was bedeutet der Begriff Mission für Sie?

„Gott“ das ist ja ein Fremdwort in unserem Alltag. Für viele Menschen – oft auch für Christen – ist es nicht viel mehr als ein blasser Gedanke oder Synonym für eine abstrakte moralische Instanz. Mit dem Begriff Mission verbinde ich daher die Aufgabe, Gott als Quelle des Lebens bekannt und zugänglich zu machen. Ich möchte die Sinnsuche der Menschen aufnehmen, auch die Enttäuschungen, die vielleicht im Blick auf die Kirche da sind. Von der Sinnsuche wird das ganze Leben geprägt. Viele Menschen bleiben unerfüllt und sehnen sich nach bedingungsloser Annahme. Sie sehnen sich danach, angesehen zu werden. Um dieses Suchen der Menschen und das Angebot Gottes geht es im Glauben. In den Texten und Geschichten der Bibel finde ich es beschrieben: Gottes bedingungslose Liebe und Zuwendung, seine geradezu „anstößige“ Barmherzigkeit, die Jesus gelebt hat, sind auf den ersten Blick wirklich etwas Fremdes. Auf den zweiten Blick aber sind sie ein unglaubliches Geschenk: Wann immer ich mich diesem Geschenk öffne, und sei es auch nur zaghaft oder zögernd, werde ich verwandelt, weil ich erfahre, dass ich geliebt und kostbar bin, mit meinen Grenzen und Fehlern. Gottes Zuwendung ist ein Schutzraum, in dem ich aufgehoben bin, wo ich mich anschauen und annehmen kann und mich lösen aus den täglichen Anstrengungen und Ängsten. Dadurch werden Kräfte frei, der Blick wird frei für das Leben, für andere Menschen, für Aufgaben und notwendige Schritte der Veränderung. Das ist mir wichtig, das möchte ich gerne vermitteln.

Wie lässt sich das in Ihrem Arbeitsfeld umsetzen?

Mein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Altenheimseelsorge. Ich besuche Menschen, die durch Alter und Pflegebedürftigkeit sehr direkt und leibhaftig an ihre Grenzen kommen, bis ins Sterben hinein. Ich feiere Gottesdienste mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, an denen auch Angehörige und Mitarbeitende teilnehmen. Ich bemühe mich, nicht nur äußerlich zu den Menschen zu gehen, sondern mit innerer Aufmerksamkeit und Einfühlung. Zuhören, Zuspruch, vertraute Psalmen, ein Gebet, ein Lied, das leibhafte Zeichen des Segens und der Salbung, auch das Abendmahl können die Gegenwart Gottes erschließen. Oft bleibt mir „nur“ das Dasein, Mit-Aushalten und die stille Fürbitte. Die Gottesdienste versuche ich anschaulich, sinnlich ansprechend und in einfacher Sprache zu gestalten, um auch Demenzkranken ein Mitfeiern zu ermöglichen. Ganz wichtig ist die Unterstützung durch Ehrenamtliche, die auch Besuche machen, zu den Gottesdiensten einladen, die Bewohner abholen und zurückbringen und mitfeiern.
Diese Arbeit bringt mich selbst immer wieder elementar an den Punkt, wo ich merke: Ich habe nichts in der Hand, mir bleibt nur, dass ich mich öffne für Gottes Gegenwart und für das, was dann geschieht. Ohne die Zuwendung des mitgehenden Gottes könnte ich diese Arbeit nicht tun. Ich werde aber dabei immer wieder beschenkt.

Wie lautet ihre liebste Zukunftsidee für Mission?

Gott lieben, um sich und den anderen zu lieben. Das ist nichts „rein Innerliches“, sondern ein Anstoß zu Barmherzigkeit im Umgang miteinander - in den ganz persönlichen Beziehungen, in Kirche und Gemeinde, wie auch in gesellschaftlicher und politischer Dimension. Werte verkümmern zur bloßen Theorie und Moral, wenn sie nicht ernährt werden aus der Botschaft der Zuwendung Gottes, die immer erneuert, frisch und lebendig gehalten werden will und muss.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 3. September 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 4. September 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 03.09.2012



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