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Jetzt haben sie über Fragen von Hunger gesprochen, nachdem sie kürzlich Brot gebacken hatten: Carlos (r.), David (3.v.r.) und Joshua (4.v.r.). Jetzt haben sie über Fragen von Hunger gesprochen, nachdem sie kürzlich Brot gebacken hatten: Carlos (r.), David (3.v.r.) und Joshua (4.v.r.).

"5000 Brote - Konfis backen Brot für die Welt"

Einfach dankbar fürs tägliche Essen

Hunger gibt es nicht nur in fernen Ländern. Hunger gibt es auch hier in Deutschland. Wie häufig, das wird der Konfirmandengruppe der Düsseldorfer Christuskirchengemeinde soeben in einer Unterrichtsstunde klar. 

Joshua (v.l.) und David mit Bäckermeister Terbuyken beim Backtermin. Joshua (v.l.) und David mit Bäckermeister Terbuyken beim Backtermin.

Zusammen mit ihrer Pfarrerin Sabine Reinhold hat sich die Konfigruppe der bundesweiten Aktion „5000 Brote - Konfis backen Brot für die Welt“ engagiert angeschlossen, hat in einer Bäckerei selbst Brot gebacken, zusammen mit dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und setzt sich darüber hinaus seit mehreren Wochen intensiv mit dem Themengebiet Ernährung und Verteilung der Ressourcen in der Welt auseinander.

Da sie das nicht nur in der Theorie mit Folien und Texten machen, sondern auch in der Praxis, haben sie an diesem Tag Brigitte Heinrich zu Besuch. Sie kommt - nein, nicht von "Brot für die Welt", sondern von „Brot für den Tag“. Das Projekt der Caritas in Düsseldorf-Oberbilk organisiert die Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige.

„Gestern und heute sind mehr als 150 Menschen zu uns gekommen, um Lebensmittel für sich und ihre Familien zu holen“, erzählt Brigitte Heinrich. Die meisten seien Asylsuchende und Flüchtlinge, "aber auch alte Menschen mit geringer Rente und Hartz-4-Empfänger sind dabei". Auch eine Studentin komme regelmäßig. Brigitte Heinrich ist Ehrenamtlerin, die hat das Projekt zusammen mit zwei anderen Frauen vor 14 Jahren ins Leben gerufen. „Wir haben einfach gesehen, dass es immer mehr Menschen gab, die hungern mussten.“

Manche bleiben aus Scham weg

Also suchten die Frauen nach Lebensmittel-Spendern. Mittlerweile sind es mehrere Hersteller, Lieferanten, Supermärkte und die Düsseldorfer Tafel, die „Brot für den Tag“ kostenlos Waren überlassen. Etwa 20 freiwillige Helferinnen und Helfer kümmern sich an zwei Tagen die Woche um die Ausgabe der Lebensmittel und um organisatorische Dinge.

Brigitte Heinrich ist Mutter von David, einem der Konfirmanden, der auch schon bei „Brot für den Tag“ mitgeholfen hat. Was ihn dabei am meisten beeindruckt hat? „Diese geballte Armut. Es gibt so viele Menschen, die arm sind“, erzählt der 14-Jährige. Dabei würden manche Bedürftige nicht oder nicht mehr kommen, weiß seine Mutter, „weil sie sich schämen“.

Verbreitete unverschuldete Armut

Konfirmandin Pia versteht das: „Ich würde mich auch schämen. Ich würde denken, ich habe es nicht weit gebracht, wenn ich mir kein Essen leisten könnte.“ „Das stimmt nicht“, wendet Brigitte Heinrich sofort ein. Sie weiß, wie häufig Menschen unverschuldet in Armut geraten, durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit beispielsweise.

„Habt Ihr auch schon Hunger auf der Straße wahrgenommen?“ fragt Pfarrerin Sabine Reinhold die drei anderen Konfirmanden. Carlos bejaht. Ihm sind bettelnde Menschen auf der Straße aufgefallen.

Die Pfarrerin lenkt den Blick auf einen anderen Aspekt: „Wo sind wir im Umgang mit Lebensmitteln achtlos?“ Das ist in den Familien sehr unterschiedlich. Manche schmeißen Essenreste schnell weg, bei anderen wird immer aufgegessen. Manche essen den Lieblingsjoghurt noch, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, andere auf keinen Fall.

Verhallt Konsumkritik?

Joshua: „Wenn man in der Schule mal nichts zu essen dabei hat und ein Freund gibt einem etwas ab, dann isst man gleich viel langsamer und schätzt das Essen viel mehr.“ Das lässt Pia an lange Wanderungen denken, bei denen der Proviant ausgegangen ist, so dass das erste Essen danach ein viel größerer Genuss war.

Ist es realistisch, von Jugendlichen zu erwarten, dass sie ihr Konsumverhalten ändern? „Wenn man bei uns in der Schule sagen würde, alle sollten mehr auf ihren Konsum achten und Überflüssiges spenden, dann würden die meisten lachen“, vermutet Pia.

Erschreckend hoher Fleischkonsum

Doch zum Lachen finden die Konfirmanden das Thema gar nicht. Dafür haben sie in den vergangenen Wochen viel zu viel gelernt über Hunger und Ernährung. In der Woche vorher haben sie zusammen mit ihrer Pfarrerin das TrebeCafe der Diakonie besucht, eine Anlaufstelle für obdachlose Mädchen und Frauen in Düsseldorf-Oberbilk. Im Januar wird es noch eine gemeinsame Kochaktion geben mit einem Koch, den Pfarrerin Sabine Reinhold vor kurzem getauft hat.

Und wie sieht zurzeit das Zwischenfazit der Konfis aus? Joshua sagt: „Mir war nicht klar, dass es auch bei uns so viel Hunger gibt.“ Die 14-jährige Pia erinnert sich an eine Folie zum Lebensmittelverbrauch: „Ich fand erschreckend, wieviel Fleisch und Wurst insgesamt gegessen wird“, sagt sie, und wie aufwändig deren Produktion sei.

Betroffener in den eigenen Reihen

Carlos kommt kein spezieller Inhalt in den Sinn, aber Sabine Reinhold hatte ein besonderes Erlebnis mit Carlos: Als sie den kolumbianisch-stämmigen Jungen kürzlich zu Hause bei seinen deutschen Adoptiveltern besucht hat, hat sie ein Foto von Carlos als Kleinkind gesehen. Erst dachte sie, er wäre ganz schön speckig gewesen. Doch dann wurde klar: Das Foto zeigte ein Kind mit geblähtem Hungerbauch. Das ist ihr nahe gegangen: „Wir beschäftigen uns mit dem Thema und haben hier jemanden sitzen, der Mangelernährung selber erlebt hat.“

Das Schlusswort von David, der ja selbst schon bei der Lebensmittel-Ausgabe mitgearbeitet hat: „Ich habe nicht viel Neues gelernt. Aber ich bin einfach dankbar dafür, dass ich jeden Tag ein warmes Essen bekomme.“ 

Mehr als sechzig Konfigruppen zwischen Emmerich und Saarbrücken haben offiziell bei der Aktion "5000 Brote - Konfis backen Brot für die Welt" mitgemacht. Begonnen hatte die Aktion an Erntedank, sie geht nun am 1. Advent zu Ende. Brot backen, verkaufen und den Erlös in "Brot für die Welt"-Projekte stecken, gehörte genauso zu der Aktion wie die inhaltliche Beschäftigung mit Fragen von Hunger und Ernährung.

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ekir.de / Alexandra Stoffel; ekir.de-Archivfotos Michel Schier / 28.11.2014



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