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Kirche im Irak Die chaldäisch-katholische Kathedrale Mar Yousif im irakisch-kurdischen Arbil.

Orientexperte Tamcke

Christen werden im Nahen Osten gebraucht

Der evangelische Theologe und Orientexperte Martin Tamcke hat mit Blick auf Syrien und den Irak betont, dass der Nahe Osten nur mit den Christen Zukunftsaussichten habe. "Wenn diese Region eine Zukunft haben soll, dann braucht sie die Christen", so Tamcke in Köln.

Nachdem Juden, Jesiden und Bahai über die Jahrzehnte vertrieben worden seien, drohe nun auch ein Ende des christliche Erbes in Nahost. Damit gehe den Gesellschaften ein wichtiges Element für ihre Entwicklung verloren, erklärte er am Montagabend im Kölner Domforum.

Christen unterschiedlicher Konfessionen hätten eine große Rolle in der Kultur und Politik des Nahen Ostens im 19.und 20. Jahrhundert gespielt. Sie haben Tamcke zufolge Zeitungen, Theater und Universitäten gegründet. Die Baath-Partei, die in Syrien noch regiert und im Irak bis 2003 an der Macht war, habe einst einen Christen als Vordenker gehabt. "Die Christen verstehen sich als Teile dieser Region", beschrieb er die Rolle der syrisch-orthodoxen, armenischen, chaldäischen und anderer Kirchen.

Hoffnung auf Rückkehr in alte Siedlungsgebiete

Der Göttinger Professor für ökumenische Theologie äußerte die Hoffnung, dass viele Christen nach dem Ende der Gewalt in Syrien und Irak wieder in ihre Siedlungsgebiete zurückkehren könnten. Ob eine Rückkehr jemals möglich sein werde, sei jedoch fraglich, räumte Tamcke ein.

In der nordirakischen Metropole Mossul hätten Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates zunächst die Häuser von Christen markiert. Später seien die Bewohner über Lautsprecher aufgefordert worden, entweder zum Islam überzutreten oder die Stadt zu verlassen. Nachdem in Mossul 1.800 Jahre lang Christen gelebt hätten, gebe es nun dort keine mehr. Die sunnitischen Kämpfer des Islamischen Staates zerstörten dem Dozenten zufolge neben Kirchen auch schiitische Moscheen.

In den Kriegen in Syrien und dem Irak hat ein Teil der Christen laut Tamcke ihre ursprüngliche Haltung der Gewaltlosigkeit und Nichteinmischung aufgegeben. Angesichts von Gewalt und Vertreibung durch muslimische Extremisten hätten sie keine andere Möglichkeit für sich gesehen, als zu den Waffen zu greifen. In beiden Ländern kämpfen dem Theologen zufolge nun Christen an der Seite von kurdischen Gruppen. Allerdings sei unklar, wie sich die Kurden auf Dauer gegenüber den Christen verhalten würden.

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ekir.de / epd-west / Foto: wikimedia.org / 10.02.2015



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