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Bonn Ob in Bonn oder anderen Städten des Rheinlandes: Kirchliche Arbeit in der City steht vor besonderen Herausforderungen.

Fachtagung

Citykirchen als Chance im urbanen Raum

Nach den Herausforderungen und Perspektiven für die Citykirchenarbeit von morgen fragte eine Tagung am Samstag in Bonn. Veranstalter war der Arbeitskreis „Kirche in der City“ unter Vorsitz von Pfarrer Stephan Dedring.

Kirchenrat Pfarrer Joachim Müller-Lange hatte die Latte für diese Tagung am Samstag in Bonn hoch gelegt. Citykirchenarbeit entwickle neue Formen missionarischer Arbeit in der Stadt und sei damit ein unverzichtbarer Beitrag im Bemühen der Evangelischen Kirche im Rheinland, „missionarisch Volkskirche sein“ zu wollen. Hier müsse man Antworten im engen Dialog mit Stadtplanung, Diakonie und der Praktischen Theologie finden. Und genau aus diesen Bereichen hatte man sich dann auch Referenten gesucht.

Beispiel Duisburg: Was tun in einer schrumpfenden Stadt?

Arne Lorz vom Stadtplanungsamt Duisburg holte die Tagungsteilnehmer sofort ganz plastisch mitten in die extreme Problemlage einer typischen Ruhrgebietsstadt herein: Der größte Binnenhafen Europas und noch potenteste Stahlproduzent des Kontinents sei gleichzeitig eine an arbeitsfähigen Einwohnern gefährlich schrumpfende Stadt, die zudem gänzlich pleite sei. „Quo vadis“, wohin gehst du also, Duisburg, heiße es da bei der alarmierten Verwaltung seit Jahren.

Seit 2007 arbeite man deshalb in allen Bereichen mit Hochdruck am „Projekt 2027. Wie wollen wir in Zukunft in Duisburg wohnen und arbeiten?“, berichtete Arne Lotz. Und zeigte an reichem Kartenmaterial, wie die unterschiedlichen Akteure in der Stadt seither am runden Tisch die überhaupt möglichen Perspektiven für die Hafenstadt herausgeschält haben.

Eckpunkte seien auf jeden Fall: den Wegzug der bürgerlichen Schicht ins Inland zu stoppen; bezahlbaren Wohnraum für jedermann zu erhalten und zu ergänzen; Wohnangebote für junge Familien weiter zu entwickeln und kommunal getragene soziale und kulturelle Einrichtungen räumlich zu konzentrieren. „Wir führen über alle Punkte eine öffentliche Diskussion“, so Lotz.

Citykirchenarbeit muss in der Nachfolge Jesu hilfreich vor Ort sein

Hier schloss sich Professor Uwe Becker, Vorstand des Vereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, nahtlos an. Becker rief die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer angesichts der drängenden Probleme in den Städten zu einer Konzentration ihrer Kräfte in der Citykirchenarbeit auf.

„Der funktionale Dienst der Citykirche kann nicht für alle sozialen Aufgaben in unseren Städten zuständig sein. Die Kirche muss sich auf das fokussieren, was in der Nachfolge Jesu wirklich hilfreich für die Menschen vor Ort ist“, sagte Becker.

Es gehe also nicht primär um Verkündigung und darum, Menschen vom Eintritt in die Kirche zu überzeugen. „Wir müssen in unseren Städten eine Kirche des bedingungslosen Daseins für andere sein.“ Die Citykirche möge hier kenntnisreich den Lotsendienst für die örtliche Infrastruktur vermitteln. Sie beinhalte aber auch eine Chance, den urbanen Raum alternativ zu erschließen, fügte der Diakonie-Vorstand hinzu.

„Citykirche kann die Spiritualität einer Gegenkultur bieten, sie kann ein Alternativdom, eine Utopienbörse sein“, so Becker. Kirche in der Stadt könne die Welt der Banken und die der Bahnhofsmission im Diskurs zusammenbringen. „Wer, wenn nicht die Citykirche hat so viel Freiheit, an einer Gegenkultur zu arbeiten. Wer, wenn nicht die Citykirche kann die spirituell liturgische mit der politisch öffentlichen Dimension verbinden“, sagte Becker.

Auf dem Weg zur postmodernen Stadtkirche des 21. Jahrhunderts

Zumal sich Kirche in den Städten genauso wie die Lebensweise der Menschen ohnehin stark verändere, referierte Frank Weyen vom Zentrum für Kirchenentwicklung der Universität Zürich.

Weyen, der lange Jahre in Westfalen als Pfarrer arbeitete, zeichnete das Bild der postmodernen Stadtkirche des 21. Jahrhunderts als einer, die den Einzelnen nicht mehr von der Wiege bis zur Bahre betreue, sondern rein zielgruppenspezifisch arbeite. „Kirche in der Stadt kann beispielgebend für kirchliche Handlungsformen der Zukunft sein“, betonte Weyer.

Besonders in Städten Norddeutschlands ginge diese postmoderne Strukturform zielgerichtet auf Personengruppen zu. „In Hamburg arbeiten also nur noch drei Stadtkirchen mit verschiedenen Aufgabengebieten.“ Die Gemeinde bleibe nur eine monetäre, rahmende Verwaltungseinheit, behalte aber so die Chance, die Menschen in der Großstadt auch wirklich noch zu erreichen. „Diese Strukturform ist Vorreiter für die Kirche der Zukunft“, ist sich Frank Weyen sicher.

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ekir.de / Text und Foto: Ebba Hagenberg-Miliu / 03.02.2014



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