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Ausschnitt des 'Reformationsaltars' von Lucas Cranach. Ausschnitt des "Reformationsaltars" von Lucas Cranach.

Broschüre zu Antisemitismus und Reformation

Altes Bild, neue Betrachtung

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – ganz besonders in Zeiten, in denen nur wenige Menschen lesen und schreiben können, wie im ausgehenden Mittelalter. Was sagt der Wittenberger „Reformationsaltar“ über das Thema Antisemitismus und Reformation aus? 

Mit dem Gemälde „Reformationsaltar“, begonnen von Lucas Cranach dem Älteren und fertig gestellt von seinem Sohn, befasst sich die Arbeitshilfe „Der Jude als Verräter. Antijüdische Polemik und christliche Kunst“. Erarbeitet haben sie Mitglieder des Ausschusses „Christen und Juden“ der Evangelischen Kirche im Rheinland gemeinsam mit der Dozentin für Kunstgeschichte Dr. Monika Lengelsen, die auch nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung ist.

Auf dem Altarbild sind Jesus und seine Jünger beim Abendmahl zu sehen. Die Gemeinschaft der Versammelten ist die zentrale Botschaft. Doch einer fällt optisch aus der Reihe: Judas. Von allen Jüngern Jesu wird nur er deutlich als Jude gekennzeichnet. Damit setzen die Künstler die Tradition des christlichen Antisemitismus aus früheren Jahrhunderten in der Reformation fort. „Die Abgrenzung vom Judentum und die ihm gegenüber erhobene Beschuldigung des Verrats wurden zum identitätsstiftenden Paradigma für die Kirche selber“, schreibt Oberkirchenrätin Barbara Rudolph im Geleitwort der Broschüre.

Die Publikation möchte dazu anregen, sich kritisch mit der Kunst auseinanderzusetzen und auch selbstkritisch zu fragen, inwieweit jeder selbst in antijüdischen Denkmustern feststeckt. „Es ist eine kleine, kompakte Arbeitshilfe, die sich besonders an Pfarrerinnen und Pfarrer sowie an Religionslehrerinnen und -lehrer wendet und dazu einladen soll, dieses Thema im nächsten Jahr aufzugreifen und festgefahrene Bilder zu erneuern“, erklärt Dr. Volker Haarmann, der Landespfarrer für christlich-jüdischen Dialog und einer der Autoren der Broschüre ist.

Differenzierte Auseinandersetzung mit Kunst

Denn, heißt es in der gemeinsamen Einleitung von Haarmann und Pfarrer Peter Andersen: „Erst die differenzierte Auseinandersetzung mit der Kunst und den dahinterstehenden theologischen Traditionen ermöglicht uns eine Erneuerung des christlich-jüdischen Verhältnisses.“

Anlass für die Publikation, die auch einen Predigtimpuls und Entwürfe für den Konfirmanden- oder Religionsunterricht enthält, ist das Themenjahr „Bild und Bibel“ 2015. Während der Reformationsdekade bis 2017 stellt die Evangelische Kirche in Deutschland verschiedene Themen in den Mittelpunkt. 2015 gibt der 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren den Auslöser, sich mit „Bild und Bibel“ zu beschäftigen. Sein Vater, Lucas Cranach der Ältere, war nicht nur ein herausragender Maler der Renaissance, sondern stand in engem Kontakt zu Martin Luther. Die Cranach-Werkstatt hat reformatorische Theologie ins Bild gesetzt.

Die Broschüre „Der Jude als Verräter. Antijüdische Polemik und christliche Kunst“ wird an die Kirchenkreise und verschiedene Synodalbeauftragte verschickt, sie steht außerdem zum Download bereit. Ein gedrucktes Heft kann kostenlos bestellt werden bei tina.nahnsen@ekir-lka.de.

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ekir.de / Alexandra Stoffel, Foto: wikimedia.org / 26.11.2014



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