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Lucas Cranach der Ältere, Christus und die Ehebrecherin, 1532, Malerei auf Lindenholz, 82,5 × 121 cm, Szépművészeti Múzeum / Museum of Fine Arts Budapest, 2016/ Foto: Dénes Józsa Lucas Cranach der Ältere: Christus und die Ehebrecherin, 1532, Malerei auf Lindenholz, 82,5 × 121 cm, Szépművészeti Múzeum / Museum of Fine Arts Budapest, 2016/ Foto: Dénes Józsa

Kunst

Der Medienstratege der Reformation

Er war einer der großen Maler der Renaissance und als enger Freund Martin Luthers ein entscheidender Motor bei der Verbreitung  reformatorischer Ideen: Lucas Cranach der Ältere. Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf widmet dem Künstler jetzt eine umfassende Schau mit rund 200 Werken aus Museen und Sammlungen in aller Welt.

„Meister – Marke – Moderne“ lautet der Titel der Ausstellung, die noch bis 30. Juli in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt zu sehen sein wird. „Es ist eine Werkschau“, erklärt Daniel Görres, einer der drei Kuratoren. „Sie deckt also das gesamte Schaffen Cranachs von der Frühzeit bis seinem Tod 1553 ab und geht darüber hinaus, denn auch seine Söhne Hans und Lucas Cranach der Jüngere sind ein Thema.“

Deutlich wird die enorme Produktivität Cranachs, der 1505 dem Ruf des sächsischen Kurfürsten Friedrich III. nach Wittenberg gefolgt war und dort Hofmaler wurde. Der Kurfürst ließ die Kleinstadt damals zu einem Zentrum für Kunst und Wissenschaft ausbauen, hatte 1502 auch eine Universität dort gründen lassen. So war der Bedarf an Bildwerken für Schlösser und Kirchen enorm. Cranach erfüllte seine Aufgabe als Hofmaler über fünf Jahrzehnte mit großem Erfolg und baute eine der größten und produktivsten Künstlerwerkstätten seiner Zeit auf.

Werkstatt war professionell organisiert

Die Ausstellung gibt Einblick in die professionelle Organisation dieser Werkstatt, in der zahlreiche Mitarbeiter so ausgebildet und eingesetzt wurden, dass am Ende Tausende Werke mit gleichbleibender Qualität und im typischen Cranach-Stil entstanden. Durch moderne Technik sichtbar gemacht können Besucherinnen und Besucher an Beispielen die Unterzeichnungen unter der oberen Malschicht von Bildern erkennen.

Cranach war also zweifelsohne ein Meister, und er hat es verstanden, eine Marke zu schaffen. Sein Signet war eine geflügelte Schlange, und diese durften sogar einige wenige Mitarbeiter unter die Werke setzen. Drittes Schlagwort des Ausstellungstitels ist die Moderne. Denn die Schau im Kunstpalast zeigt auch, welchen Einfluss Cranachs Bildsprache auf spätere Künstler wie Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Otto Dix oder Andy Warhol gehabt hat.

Cranach prägte auch unser Luther-Bild

Ein Schwerpunkt der Schau ist selbstverständlich die Reformation. „Ohne Cranach wäre die Reformation nicht so erfolgreich gewesen“, ist sich Professor Dr. Gunnar Heydenreich, ebenfalls Kurator, sicher. „Eine Werkstatt war nötig, um das Gedankengut (Luthers) massenhaft zu verbreiten.“ 1517 wurde Luthers deutsche Übersetzung des Neuen Testaments in Cranachs Werkstatt gedruckt.

Kurator Görres erklärt: „Cranach kann man als Medienstrategen Luthers und der Reformation bezeichnen. Mit seinem Bildnis Luthers prägte er das Bild des Reformators nicht nur für seine Zeitgenossen, sondern bis zum heutigen Tag.“ Etliche Beispiele für die damals neuen Bildthemen der Reformation sind im Museum Kunstpalast zu sehen: Szenen, die Gott und Jesus als sanfte Retter statt als strafende Instanzen zeigen.

Leihgabe aus Breslau:„Madonna mit Kind“

Besonders erfreut zeigen sich die Ausstellungsmacher über die Große Menge an Leihgaben aus 15 anderen Ländern darunter andere europäische Länder, Russland, Mexiko und die USA. Denn es erscheint ihnen als tröstliches Zeichen, dass trotz aktuell wieder aufkommender Strömungen von Nationalismus die Zusammenarbeit auf kultureller Ebene gut gelingen kann. Als leuchtendes Beispiel hebt Kurator  Heydenreich in diesem Zusammenhang eine Leihgabe aus Polen hervor: die „Madonna mit Kind“, eine Malerei auf Holz die um 1510 entstanden ist.

Denn diese Bildtafel, die im vergangenen Jahrhundert im Dom von Breslau hing, wurde 1947 auf Initiative eines dortigen Geistlichen durch eine Kopie ersetzt, während das Original in Deutschland untertauchte und erst nach jahrzehntelanger Odyssee im Jahr 2012 zunächst der Schweizer römisch-katholischen Kirche übergeben wurde und von dort den Rückweg zur Erzdiözese Breslau antrat. Nach nur fünf Jahren Comeback in Polen durfte das Werk nun wieder nach Deutschland auf Reisen gehen und ist in Düsseldorf zu sehen.

„Cranach Digital Archive“

Warum nun eine große Schau über den Verbreiter der Reformation ausgerechnet mitten im katholischen Rheinland? Diese Frage scheint die Ausstellungsmacher sehr zu bewegen, zumindest gingen die Kuratoren – der dritte im Bunde ist Beat Wismer, der aktuell noch Generaldirektor des Museum Kunstpalast ist – bei der Einführung in die Ausstellung mehrfach darauf ein.

Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass 2009 in Düsseldorf das „Cranach Digital Archive“ gegründet worden ist, das seitdem in akribischer Feinarbeit daran arbeitet, dass die riesige Menge an Cranach-Werken – mehr als 5000 waren es bei seinem Tod 1553 – abgebildet und verzeichnet wird. Dieses Archiv ist kostenlos für jeden Interessenten im Internet zugänglich. Auf den Aufbau des Archivs, in dem auch Heydenreich und Görres arbeiten, folgte als nächster Schritt die Vorbereitung der jetzigen Schau.

 

Die Ausstellung „Cranach. Meister – Marke – Moderne“ ist noch bis 30. Juli im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen. Besucher können einen kostenlosen Audioguide nutzen, an einer Führung teilnehmen, einen Katalog erwerben oder an einem vielfältigen Begleitprogramm von Preacher Slam über Workshops bis zum Konzert teilnehmen.

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ekir.de / Alexandra Stoffel / 10.04.2017



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