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Präses Manfred Rekowski Präses Manfred Rekowski

70 Jahre Darmstädter Wort

Dem Evangelium verpflichtet

Vor 70 Jahren, am 8. August 1947, verabschiedete der Bruderrat der EKD das „Darmstädter Wort“. Es bekennt das Versagen der evangelischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus und formuliert Grundsätze für eine Entwicklung von Kirche und Gesellschaft. Präses Manfred Rekowski über die bleibende Bedeutung dieser Erklärung.

Das "Darmstädter Wort" blickte in die Zukunft, indem es sich zur Mitschuld der Kirche am nationalsozialistischen Terrorregime bekannte. Was bedeutet das Wort heute?

Es schärft den Blick für das eigene Versagen. Ich denke manchmal: Was werden uns unsere Enkel fragen? Unsere und die nachfolgende Generation ist äußerst gut informiert. Aber das Wissen über weltweite Ungerechtigkeit, die Folgen des Klimawandels oder drohender Altersarmut bleibt vielfach folgenlos.

Kirche sei ein einseitiges Bündnis mit den herrschenden Mächten eingegangen, kritisieren die Verfasser des Wortes. Wie steht es um das Verhältnis von Kirche und Politik?

Der Staat ist nicht „von Gottes Gnaden“. Aber er hat „nach göttlicher Anordnung“ eine wichtige Funktion: Er hat „für Recht und Frieden zu sorgen“, wie die Barmer Theologische Erklärung formuliert. Darüber hinaus gilt: Die Kirche ist allein dem Evangelium verpflichtet, sie darf keine Koalition mit politischen Strömungen eingehen. Dies gilt auch und gerade dann, wenn die Politik eine Nähe zum Christentum herzustellen versucht. Hier formuliert das Darmstädter Wort sehr aktuell: „Nicht die Parole: Christentum und abendländische Kultur, sondern Umkehr zu Gott und Hinkehr zum Nächsten in der Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu Christi ist das, was unserem Volk und inmitten unseres Volkes vor allem uns Christen selbst Not tut.“

Das Versagen der Kirchen gegenüber dem Holocaust bekennt das Wort nicht. Was bedeutet diese Leerstelle aus heutiger Sicht?

Die Schuldgeschichte insbesondere gegenüber den Jüdinnen und Juden sowie die Mitverantwortung der christlichen Kirchen für antijudaistische Positionen in der christlichen Theologie wurden spät, viel zu spät benannt und bekannt. Hier gibt es eine bleibende Verantwortung unserer Kirche.

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ekir.de / wb / 07.08.2017



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