Kirchentag

"Wir werden noch in vielen Jahren von Dresden erzählen"

Was war gut in Dresden? Was war schön, was war wichtig? Verschiedene Reaktionen auf den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden 2011.

Am Elbufer: Schlussgottesdienst des Dresdner Kirchentags. Foto: kirchentag.de Am Elbufer: Schlussgottesdienst des Dresdner Kirchentags. Foto: kirchentag.de

Vizepräses Petra Bosse-Huber, Wuppertal
Dresden war eine wunderschöne Stadt für den Kirchentag – dieses Wetter, diese Offenheit, dieses Elbufer, um Gottesdienst zu feiern. Der Abendsegen beim Abend der Begegnung war der schönste – und ich habe ja schon viele erlebt. Bei den Veranstaltungen waren fast alle Räume zu klein, alle waren gestopft voll. Aber die Stimmung hat gehalten. Selbst wenn sie vor verschlossenen Türen standen, sind die meisten Menschen ungenervt damit umgegangen. Insbesondere bei der rheinischen Bühne mitten in der Stadt am Altmarkt gab es immer wieder Zaungäste, also interessierte Dresdner, die stehen blieben und staunten über das „unbekannte Gelände“. Ich fand diese Kontakte eine große Chance, von Glaube und Kirche zu erzählen. Beteiligt war ich auch in der Messe in der Halle der Theologie, die die „Schätze des Glaubens“ gehoben hat. Die Halle war jeweils bis zur letzten Minute bis auf den letzten Platz besetzt. Das zeugt von großem Interesse an Grundsatzthemen. Das fand ich eine große Chance und sehr positiv.

Superintendent Rolf Breitbarth, Velbert
Tief eingeprägt hat sich bei mir Steffensky mit seiner Bibelarbeit. In der Schlosskirche gab es ein Konzert für zwei Stimmen, Orgel und Harfe, das ich zusammen mit meiner Tochter erlebt habe. Trotz der harten Kirchenbänke ein wahrer Genuss. Zwischen den Zeiten hat mich Baltruweit mit seinem offenen Singen gefangen. Singen hat wirklich etwas Therapeutisches.
Die Begegnung mit lieben Menschen hat sich bei mir gesetzt. Überall Gespräche zu dem, was dran ist, haben mich beeindruckt.
Am Himmelfahrtstag hat eine besoffene Horde schwarz gekleideter Jugendlicher in Springerstiefeln sich ihre Männlichkeit aus dem Hals gegrölt. Es war wunderbar zu erleben, wie die Kirchentagsbesucher sie einfach umschlossen und ihren Frieden mit-teilten.
Meine Frau und ich sind mit der Fähre von unserem Quartier in die Messe geschippert. Wir haben bei jeder Fahrt die Silhouette Dresdens genossen.
Andere Anmerkungen: Die Stadtwerke hatten zunehmend logistische Erkenntniszuwächse zu verzeichnen. Die jungen Helfer hatten zuweilen Älteren gegenüber einen Ton, der ganz schön nervig war.
Die Workshops waren in zu kleinen Räumen und oft dicht. Das hat zu Verärgerungen geführt, wenn einer von weit weg kam.
Es waren viele "graue Köpfe" in den Vorträgen, die ich besuchte. Das war in Köln anders.
Kirchentag war summa summarum gut und bereichernd.

Oberkirchenrat Klaus Eberl, Wassenberg 
Es waren die kleinen Veranstaltungen und Geschichten, die ich am schönsten fand. Bei meiner Bibelarbeit in leichter Sprache waren ja viele mit geistiger Behinderung – es war faszinierend, mit welch gespannter Aufmerksamkeit mir die Menschen im rappelvollen Zelt folgten.
Die Bibelarbeit hatte ich ja kurzfristig übernommen, ich habe die Band aus meiner Heimatgemeinde „Kreuzweise“ von jetzt auf gleich mitgenommen. Und diese Menschen wiederum – Leute mit eher distanzierter Kirchlichkeit – haben sich hier in Dresden wirklich begeistern lassen. So ist Dresden: Es spricht solche Menschen an.
Dann habe ich ganz tolle neue geistige Lieder in Jazzform entdeckt, genial gute Musik und richtig gute Texte. Ich bin hin und weg. Keine verschnulzten Lieder, sondern erfrischend neue Melodien und Texte.
Einmal stand ich an einer Straßenbahn-Haltestelle, da hielt links neben mir ein Auto, die Frau kurbelte das Fenster herunter und fragte: Na, wie gefällt Ihnen Dresden? Ich denke, die Menschen in Dresden waren unglaublich stolze Gastgeber.

Superintendent Christoph Pistorius, Trier
Der Kirchentag in Dresden war in meiner Wahrnehmung geprägt von einer wohltuenden Mischung aus Spiritualität einerseits und der ernsthaften Diskussion über die Früchte unseres Glaubens für die Fragen, die unsere Gesellschaft und diese Welt bewegen, andererseits. Gerne denke ich aber auch an die Begegnung mit einer Gruppe junger Männer mit meinen Töchtern am Himmelfahrtstag zurück, in der es -ausgelöst durch eine eingegipste Hand - niederschwellig über die Frage: "Hast Du zu viel gebetet?" zu einem Gespräch über Beten und den Glauben gekommen ist. Diese Begegnung habe ich ganz lebendig mitgenommen.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Düsseldorf
Jugendliche aus der Slowakei haben sich in mein Herz gesungen. Die Evangelische Kirche im Rheinland hatte den Partnerkirchen die Anreise zum Kirchentag finanziert, darunter auch 42 jungen Menschen aus der slowakischen Kirche.
Im Herzen der Neustadt, in der Dreikönigskirche, im Mittel- und Osteuropazentrum, sangen sie uns als Dankeschön einige Lieder aus dem Repertoire ihres Chores.
27.000 evangelische Christinnen und Christen aus Mittel- und Osteuropa waren nach Dresden gekommen, nicht zuletzt, weil es die Stadt in Deutschland ist, die ihnen am nächsten ist. Es war ein wahrhaft europäischer Kirchentag.

Präses Nikolaus Schneider, Düsseldorf
Der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag hat sich intensiv mit politischen Fragen beschäftigt - verständlich, denn es gibt drängende Fragen, über die wir reden müssen: der Ausstieg aus der Atomenergie, Rolle und Aufgabe der Bundeswehr und auch die Probleme, die die Globalisierung mit sich bringt.
Die Diskussionen, die ich erlebt habe, - zum Beispiel mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière - waren dabei geprägt von der Frage: Was fordert Gottes Wort von uns, die wir die Welt als menschenfreundlich Ort gestalten sollen? Auch dieses intensive Nachdenken
über das Wort Gottes hat diesen Kirchentag geprägt. Und ich habe Gottesdienste erlebt, die gezeigt haben, wie mitreißend und einladend wir Christenmenschen Gottes Botschaft verbreiten durch feiern, beten und singen.
Begeistert hat mich, dass der Kirchentag kein Fremdkörper in Dresden war. Weil nur etwa 20 Prozent der Menschen hier einer christlichen Kirche angehören, hatte ich durchaus Bedenken, wie es wird. Aber die Lebendigkeit und Fröhlichkeit der Kirchentagsbesucherinnen und -besucher hat Dresden mitgerissen. Es war mir eine Freude, dies mittendrin zu erleben.

Helga Siemens-Weibring, Essen 
Es war der tollste Abend der Begegnung, den ich je erlebt habe. Wir standen schon eine Stunde vor Beginn von Abendsegen und Lichtermeer auf der Augustusbrücke. Dann kamen die Kerzen die Elbe herunter geschwommen. Das hat mein Herz so berührt. Es war eine Harmonie des ruhigen Flusses, des weichen Lichts der Kerzen und der Ton, den wir alle gesummt haben. Wir waren alle Teil eines Ganzen, wir waren miteinander verbunden.
Intellektuell hat mich die Bibelarbeit von Joachim Gauck begeistert. Er hat sehr differenziert über Armut und Reichtum gesprochen, humorvoll, liebevoll und klar.
Und Dresden ist einfach schön.

Superintendent Frank Weber, Haan
Dresden ist eine Stadt des Gedenkens, Erinnerns und der Lebensfreude, m. a. W. Freiheit eines Christenmenschen. Das habe ich bei diesem Kirchentag deutlich gespürt und als Teilnehmer und Mitwirkender genossen.
Ich glaube, dass dieser Kirchentag vielen jüngeren Menschen Lust und Freude geweckt hat an Kirche und Glauben.
Ich bin sicher, dass viele Kirchentagsteilnehmer noch in vielen Jahren von Dresden erzählen.
Für mich persönlich waren der Eröffnungsgottesdienst auf dem Altmarkt, die Bibelarbeit von Schorlemmer und die Podiumveranstaltung mit Prof. Jörns, unserer Vizepräses Bosse-Huber und Prof. Gerstenberger (Sühnopfertheologie) die ermutigenden Highligts. Ich bin sehr froh, dass der Kirchentag der Vielfalt des Bekenntnisses Raum gibt und keine autoritäre Einheitsmeinung vorgibt, auch wenn manche das erwarten.
Ich habe mit meiner Frau jeden Abend die Musik auf der Rheinischen Bühne genossen, von fromm bis etwas weltlicher.
Die Veranstaltung "Gottesdienst für Kriegskinder und Kriegsenkel", die ich mit einem Team vorbereitet habe, war dicht und intensiv. Leider konnten wir keinen Platz in einer der bedeutsamen "Nagelkreuzkirchen" bekommen, aber auch als Gottesdienstwerkstatt konnten wir ein Modell weiterentwickeln und werden in geeigneter Weise daran arbeiten und dafür werben, dass die Generationen der Kriegskinder (immerhin ein großer Teil unserer Gemeindemitglieder) in Zukunft besser wahrgenommen werden in unserer Seelsorge und Verkündigung.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Samstag, 4. Juni 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 8. Juni 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 04.06.2011



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.