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Gemeinden brauchen mehr Kompetenz, um beim Umgang mit Daten bewusste Entscheidungen treffen zu können, sagt Pastor Ralf Peter Reimann, Internetbeauftragter der rheinischen Kirche. Gemeinden brauchen mehr Kompetenz, um beim Umgang mit Daten bewusst entscheiden zu können, sagt Pastor Ralf Peter Reimann, Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Tagung

Souverän mit Daten umgehen

Mail- und Cloud-Dienste, Blogs und Social Media – Kirchengemeinden wirken mit beim digitalen Wandel. Doch beim Umgang mit Daten gibt es viel Unkenntnis, sagt Pastor Ralf Peter Reimann, Internetbeauftragter der rheinischen Kirche. Eine Tagung im April soll helfen.

Wie souverän sind rheinische Kirchengemeinden beim Umgang mit Daten im Internet?  

Souverän heißt, dass ich selbstbestimmt und eigenverantwortlich mit Daten umgehe. Und auch die Kompetenz habe, um bewusste Entscheidungen zu treffen. Da beobachte ich bei vielen rheinischen Gemeinden, dass sich Kompetenz noch angeeignet werden muss. Wie souverän, wie frei sind wir? Für personenbezogene Daten ist das klar, da gilt das EKD-Datenschutzgesetz. Daneben gibt es aber noch jede Menge andere Daten, die wir sammeln. Und da stellt sich die Frage: Was will ich damit machen und wie kann ich das im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen erreichen?   

Was ist beim Umgang mit diesen nicht-personenbezogenen Daten das größte Problem?  

Unsicherheit. Gemeinden fragen sich zum Beispiel, ob sie ihre Gemeindeadressdaten, ihre Ortsdaten, die Öffnungszeiten von Kirchen auf Online-Kartendiensten oder anderen Suchdiensten eintragen dürfen.  

Und, dürfen sie?  

Ja, denn diese Daten unterliegen nicht dem Datenschutz. Und es ist sogar wünschenswert, wenn Gemeinden diese Daten eintragen. Wir wollen ja, dass Menschen unsere Gemeinden aufsuchen, in unsere Gottesdienste kommen und nicht vor verschlossenen Kirchentüren stehen, weil sie die Öffnungszeiten nicht kennen. Aber: Es ist wichtig, nicht nur einen großen Anbieter zu bedienen. Denn wenn dieser Daten nicht teilt, weil es zum Beispiel in seinen Geschäftsinteressen widerspricht, dann kann es sein, dass Gemeinden nur auf einem Portal präsent sind. Es ist also gut, die Daten nicht nur bei Google Maps einzutragen, sondern auch bei Projekten wie Open Street Maps. Dort stehen die Daten unter einer offenen Lizenz und können von Dritten weitergenutzt werden. Das ist nur ein Aspekt, der zeigt, was digitale Souveränität ist. Bewusst entscheiden zu können: Wir wollen, dass unsere Daten der Allgemeinheit zugute kommen und nicht nur einem Anbieter.

Informationen zu teilen ist also etwas Gutes?  

Bei manchen Daten – ja. Energiedaten von Häusern, zum Beispiel. Die können wir für uns behalten und unsere Schlüsse daraus ziehen. Wir können diese aber auch teilen, damit andere Menschen eigene Erkenntnisse gewinnen und für ihr Umfeld umsetzen können. Wenn wir das tun, müssen wir aber auch von den Nutzerinnen und Nutzern unserer Daten verlangen, dass sie ihre Erkenntnisse wiederum unter das Gebot des Teilens stellen. Juristisch gesehen heißt das, dass wir unsere Daten mit bestimmten offenen Lizenzen versehen, um den Gedanken des Teilens weiterzugeben –  der spielt ja bei uns im Christentum eine wichtige Rolle.  

Personenbezogene Daten müssen laut Gesetz geschützt werden. Gibt es dafür denn auch theologische Gründe?  

Mal bildlich gesprochen: Im Schöpfungsbericht nach der Vertreibung aus dem Paradies, machte Gott den Menschen Felle, damit sie nicht nackt waren. So war ihr Intimbereich geschützt und nicht von Dritten einsehbar. Wenn wir das auf unsere Zeit übertragen, heißt das, dass wir von unserem christlichen Menschenbild her sagen: Es gibt bestimmte Daten, auf die niemand anderes einen Blick werfen darf. Das ist aus theologischer Sicht ein Grund, warum wir personenbezogene Daten schützen.    

Viele Kirchengemeinden sind auch in den sozialen Medien unterwegs, was gibt es da für Fallstricke?  

Wenn wir als Kirchengemeinden oder in der Ausübung unseres Dienstes auf Social Media präsent sind, haben wir es oft mit personenbezogenen Daten zu tun. Da müssen wir uns an die Gesetze halten. Und das heißt ganz klar: Seelsorge geht nicht auf den großen, kommerziellen Social-Media-Plattformen. Die Frage ist aber, wie ich damit umgehe, wenn mich zum Beispiel über Facebook eine seelsorgliche Anfrage erreicht. Ich kann schlecht sagen: Ich spreche jetzt nicht mehr mit dir, weil das Seelsorge wäre. Von daher brauche ich Kompetenz, um zu entscheiden, wie und wo ich das Gespräch unter sicheren Bedingungen fortführen kann – und auch mein Gegenüber dafür zu sensibilisieren.   

Was wäre in diesem Fall eine Lösung?  

Sich verabreden oder telefonieren wäre eine Möglichkeit. Im Rahmen unseres neuen IT-Portals, das im Sommer in Betrieb genommen wird, wird es zum Beispiel auch die Möglichkeit eines geschützten Webmeetings geben. Das heißt, ich könnte meinem Gesprächspartner oder meiner Gesprächspartnerin bei Facebook einen Link zuschicken, um darüber dann auf einem geschützten Kanal weiter zu kommunizieren.

Um all diese Themen geht es bei der Tagung „Mehr digitale Souveränität gewinnen“ der  Evangelischen Akademie im Rheinland, die am 6. April in Köln stattfindet. An wen richtet sich die Veranstaltung und was wird die Teilnehmenden erwarten?  

Die Tagung richtet sich zum einen an Menschen, die als Entscheiderinnen und Entscheider für diese Themen zuständig sind, zum anderen an die, die in der Praxis an vorderster Front stehen. Wir werden ganz praktisch sehen, wie ein Live Hack funktioniert und weshalb IT- und Datensicherheit angegangen werden muss. Dazu gibt es Hintergrundinformationen zu Recht, Technik und der theologischen Basis auf der wir handeln. Und es wird genügend Raum  geben, eigene Fragen mit Expertinnen und Experten zu diskutieren. Am Ende sollen alle Teilnehmenden Grundlagen haben, nach denen sie den Umgang mit Daten verändern oder Entscheidungen für ihre Gemeinden treffen können. 

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ekir.de / cs / 11.03.2016



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