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Im Zusammenhang der Digitalisierung gibt es viele hochaktuelle Spannungsfelder, die eine öffentliche Theologie zum Wohl der gesamten Gesellschaft beleuchten müsste. Im Zusammenhang der Digitalisierung gibt es viele hochaktuelle Spannungsfelder, die eine öffentliche Theologie zum Wohl der gesamten Gesellschaft beleuchten müsste.

Barcamp Kirche Online 2017

Spannungsfelder beleuchten

Kirche vernachlässigt die theologische Reflexion der Digitalisierung, findet der Medien-und Kommunikationswissenschaftler Ingo Dachwitz. Und wünscht sich nicht nur mehr Digitales in der Kirche, sondern auch mehr Kirche im Digitalen. Diskussionsstoff auch fürs Barcamp Kirche Online im Oktober in Köln.

Ingo Dachwitz Ingo Dachwitz

Ingo Dachwitz ist Medien- und Kommunikationswissenschaftler. Er ist  Redakteur bei netzpolitik.org, Moderator und Speaker zu Themen wie Big Data, Algorithmen, Datenschutz, digitale Öffentlichkeit, Ethik der Digitalisierung, jugendgerechte Netzpolitik, Digitale Kirche. Er lebt in Berlin.

Warum wünschen Sie sich mehr Digitales in der Kirche?

"Ich wünsche mir mehr Digitales in der Kirche, weil wir die theologische Reflexion der großen gesellschaftlichen Transformation, die die Digitalisierung darstellt, bislang sträflich vernachlässigen.

Cybermobbing und Scham; Selbstoptimierung und Gnade; Überwachung und Freiheit; Hatespeech und Nächstenliebe  – das sind nur einige Beispiele für hochaktuelle Spannungsfelder, die eine öffentliche Theologie zum Wohle der gesamten Gesellschaft beleuchten müsste.

Ich wünsche mir aber nicht nur mehr Digitales in der Kirche, sondern vor allem auch mehr Kirche im Digitalen: Im Zuge einer fortschreitenden Mediatisierung finden immer größere Teile unseres Soziallebens im Netz statt. Das heißt, dass Menschen sich nicht mehr nur am Gartenzaun, auf dem Marktplatz oder im Gemeindehaus begegnen, sondern auch auf den Plattformen des Social Web.

Menschen verhandeln auf Youtube, Facebook, Whatsapp, Instagram oder Snapchat aber nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch, wer sie sind und wie sie die Welt sehen. Evangelische Angebote für Identität, Gemeinschaft und die Deutung der Realität kommen hier jedoch kaum vor.

Dabei sind viele Christinnen und Christen schon heute digital – nur die Kirche ist es noch nicht. Das Beharren auf der christlichen Kommunikation von Angesicht zu Angesicht lässt sich jedoch weder historisch herleiten – schließlich war das Christentum schon immer eine Medienreligion – noch durch Rücksicht auf die vermeintlich nicht-digitale ältere Bevölkerung begründen. Denn niemand fordert eine ausschließlich digitale Kirche.

Stattdessen bietet das Netz auch Ortsgemeinden unzählige Möglichkeiten, im Alltag der Menschen anzuknüpfen und außerhalb der Kirchengebäude in ihrem Leben stattzufinden.

Der positive Nebeneffekt eines digitalen Aufbruchs: Die in diesem Zusammenhang aufgeworfenen Fragen zum Kirchenverständnis – Was ist eine Gemeinde? Wer darf und will mit welcher Autorität auf welche Weise öffentlich von Gott sprechen? Was ist die Hauptaufgabe von Pfarrerinnen und Pfarrer? – können einer Kirche nur guttun, die von oben verordnete Reformprozesse mehr als satt hat."

In diesen Wochen beantworten auf ekir.de Veranstalter und Teilnehmende vom Barcamp Kirche Online Fragen rund um Kirche und Netz. Das vierte Barcamp Kirche Online findet vom 13. bis 15. Oktober 2017 in der Melanchthon-Akademie in Köln statt. Bereits zum vierten Mal sind alle Ehren- und Hauptamtlichen aus Gemeinden, Kirchenkreisen, Landeskirchen und vielen kirchlichen Einrichtungen eingeladen, gemeinsam Fragen zu diskutieren, Neues kennenzulernen und sich über die digitale Arbeit auszutauschen. Angeboten wird das Barcamp Kirche Online von der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Lippischen Landeskirche und der Evangelischen Kirche im Rheinland.

 

 

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ekir.de / Ingo Dachwitz, Fotos: ©momius - fotolia.com (1), privat (1) / 20.09.2017



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