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Ralf Peter Reimann, Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ralf Peter Reimann, Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland

EKD-Synode mit Schwerpunktthema Digitalisierung

"Wir erleben einen tiefgreifenden Wandel"

"Kann man online beten? Ja! Kann man online Gemeinschaft erfahren? Ja! Kann man online Gottesdienst feiern? Ja", sagt der Internetbeauftragte der rheinischen Kirche, Ralf Peter Reimann, im Interview anlässlich der EKD-Synode mit dem Thema Digitalisierung.

Wie digital ist die Gesellschaft?

Wir erleben einen tiefgreifenden Wandel unserer Gesellschaft: MP3-Download statt Schallplatte. Auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmte Online-Werbung statt Prospekten im Briefkasten. Online-Shopping statt Einzelhandel. Navis mit Echtzeitstauanzeige statt Autoatlanten. Unser Leben verändert sich. Für viele Menschen ist das Smartphone nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Es geht bei der Digitalisierung nicht nur um Technologie, sondern auch um einen kulturellen Wandel. Sind wir als Kirche bereit, uns auf diesen Wandel einzulassen und durchzubuchstabieren, was er für unsere Kirche bedeutet? Oder koppeln wir uns von der gesellschaftlichen Entwicklung ab und beharren auf einer vermeintlich guten, analogen Zeit?

Priestertum aller Glaubenden, Internationalität der evangelischen Kirche - ist die Digitalisierung für die Kirche wie gemacht?

Professor Grethlein sagte es in einem Impulsvortrag sehr prägnant: Theologisch sind wir als Protestanten gut aufgestellt, organisatorisch aber leider schlecht. Das Internet ist eben keiner Parochie zuzuordnen. Netzwerkstrukturen passen nicht gut zu einer Institution, die wie eine preußische Verwaltung aus dem letzten Jahrhundert operiert. Wir brauchen die Kirche, auch als Institution, aber die Strukturen bedürfen einer Anpassung.

Inwieweit gelingt digitalisierte Vergemeinschaftung in Sachen Gemeinde, Gottesdienst und Gebet?

Kann man online beten? Ja! Kann man online Gemeinschaft erfahren? Ja! Kann man online Gottesdienst feiern? Ja. Leider gib es nur wenig regelmäßige Online-Andachten oder Twitter-Gottesdienste. Wenn wir aber die Erfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ernst nehmen, so sind solche Gottesdienste ganz wirkliche Gottesdienste für sie, in denen sie echte Gemeinschaft erfahren. Statt Online-Gottesdienste als defizitär abzulehnen, sind sie vollwertige Angebote für Menschen, die sich im Netz bewegen.

Was geht, was geht nicht auf Facebook, Twitter & Co. im Blick auf Verkündigung, Seelsorge, kirchliches Leben?

Technisch geht vieles auf diesen Plattformen. Wenn es öffentliche Verkündigung ist, zielen diese Inhalte auf möglichst weite Verbreitung. Seelsorge soll sich dagegen in einem geschützten Raum vollziehen. Daher stellt sich die die Datenschutzproblematik besonders. Nach unserem kirchlichen Datenschutzrecht - aber auch nach unseren Social Media Guidelines - sagen wir, Seelsorge in den genannten sozialen Netzen geht nicht. Hier stehen wir vor einem Dilemma, denn wir können auch kein datenschutzkonformes Angebot machen. Hier müsste Abhilfe geschaffen werden, dass wir Pfarrerinnen und Pfarrer über Social Media auch für Seelsorge erreichbar machen mithilfe einer technischen Lösung, die dem
Datenschutz entspricht.

Was steht strategisch auf der to-do-Liste der Kirche im Blick auf die Digitalisierung? Wo besteht dringender Handlungsbedarf?

Digitale Inhalte lassen sich leicht verbreiten. Was verbreitet werden kann, bestimmt vielfach nicht mehr die Technik, sondern Lizenzen. Wir brauchen dringend eine Strategie, welche Inhalte wir unter welcher Lizenz verbreiten. Freie Lizenzen - Creative Commons stehen weltweit für das freie Verbreiten von Inhalten - erlauben das Weitergeben von Inhalten. Hier müssen wir weiterarbeiten, welche Inhalte wir unter welcher Lizenz zur Verbreitung freigeben wollen. Dieselben Inhalte mehrfach zu erstellen, nur weil wir mit den Lizenzen uns nicht abgestimmt haben, wäre eine Verschwendung kirchlicher Ressourcen.

Was läuft einfach prima?

Wir können viel darüber reden, was man in de Kirche noch alles tun müsste. Wir vergessen dann schnell dabei wahrzunehmen, was bereits gut läuft. Oft übersehen wir einiges, weil es außerhalb unserer etablierten Netzwerke stattfindet. Die Andacht der Jugenddelegierten war für mich ein gutes Beispiel, wie Digitalisierung in unserer Kirche gelingen kann.

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ekir.de / neu / 11.11.2014



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