Jugend

Wenn Versprechen zu Versprechern werden

Um das naheliegende Wortspiel zu bemühen: Der Abend war kein Dilemma, drehte sich aber darum: „So ein Dilemma!“ NRW-Ministerin Sylvia Löhrmann und Oberkirchenrat Klaus Eberl sprachen mit Jugendlichen.

Jugendliche aus Wesel setzen u.a. die Konkurrenz zwischen Schule und Jugendarbeit im Theater-Anspiel um. LupeJugendliche aus Wesel setzen u.a. die Konkurrenz zwischen Schule und Jugendarbeit im Theater-Anspiel um.

Lauter Theater: Jugendliche aus der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel spielten eine Börsen-Szene, in der Geld verplempert wird, kontrastierten das mit fehlendem Geld für Jugendzentren. Auch so eine Erfahrung von Widersprüchen. Das „Hackhauser Kamingespräch“ zum Thema Dilemmata wurde strukturiert von drei Theater-Anspielen zu den Themen Finanzen, Versprechen und Bildung. Dilemmata kennen sie, räumten die beiden Gäste ein. Wenn er ein Versprechen nicht halten könne, leide er wie ein Hund, gab Oberkirchenrat Eberl zu, Leiter der Bildungsabteilung des Landeskirchenamts. Hinter diese Aussage können sie "ein Häkchen machen", so die Ministerin für Schule und Bildung, Löhrmann.

Ministerin Löhrmann und Oberkirchenrat Eberl im von Pfarrer Hesse (M.) moderierten LupeMinisterin Löhrmann und Oberkirchenrat Eberl im von Pfarrer Hesse (M.) moderierten "Kamingespräch" im Hackhauser Hof.

Dilemmata, ja sogar Not bei den Jugendlichen seien spürbar geworden bei der Frage, wie sie ihr Ehrenamt in der evangelischen Jugendarbeit und schulischen Leistungsdruck überein bringen können, berichtet die Co-Leiterin des Hackhauser Hofs, Anja Franke. Außerdem wurde in dem Kamingespräch deutlich, dass die beiden „Systeme“ Ganztagsschule und Jugendarbeit noch nicht gut zusammen gehen. Dass sich Schule mehr öffnen könnte. Auch die Ministerin habe bestätigt, dass die Verzahnung in der Realität noch nicht richtig funktioniere. Und sie hoffe auf einen Ausweg aus diesem Dilemma. Betreuung nicht allein auf dem Schulgelände, sondern auch draußen im Quartier wäre ein denkbarer Ausweg.

Augenhöhe war dann ein Wort, das weiter half. Es wurde auch als Dilemma empfunden, dass Begegnung auf Augenhöhe fehlt, wenn ein System von der Pflicht lebt (Schule), das andere von der Freiwilligkeit (Jugendarbeit). „Ein garstiger Graben“, wie der andere Co-Leiter des Hackhauser Hofs, Landespfarrer Karl Hesse, so schön formuliert.

Mehr Transparenz, mehr Beteiligung

Durchbuchstabieren von Dilemmata: Klar wurde auch, sagt Hesse im Rückblick, dass es einen grundsätzlichen Gap gibt in der Politik. Einerseits brauchen Veränderungen richtig viel Zeit, eher sieben bis zehn Jahre. Doch die Wahlzyklen sehen nur fünf Jahre vor. Da beißen sich „langer Atem und kurzlebiges politisches Geschäft“. Und: „Dann wird das Versprechen zum Versprecher.“

Fazit des Kamingesprächs? Nur Dilemmata, keine Lösungen? Nein, nur „keine schnellen Lösungen“, wie Anja Franke sagt, keine einfachen Rezepte, wie Hesse sagt. In Blick auf Ideen heraus aus den Dilemmata sei deutlich geworden, dass Auswege über die Nähe zu Menschen möglich werden. Dass Distanz verkürzt werden muss, dass Augenhöhe zu suchen ist. Jugendliche wünschen sich, dass Entscheidungsprozesse transparent sind. Dazu taugten auch das kirchliche presbyteriale Prinzip und in der Politik die Bürgerbeteiligung. Hesse: „Um Umgang mit Dilemmata helfen diese Prinzipien.“

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 19. Oktober 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 19. Oktober 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 19.10.2011



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