KiHo Wuppertal

Zwei Doktoren ehrenhalber

Zwei Männer sind in Glaube und Kirche verwurzelt. Das verbindet Wilhelm Köhler und Nikolaus Schneider. Nun verbindet sie auch die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel.

Erhielten jeweils den Dr. h.c.: Präses Nikolaus Schneider und Wilhelm Köhler (l.). Erhielten jeweils den Dr. h.c.: Präses Nikolaus Schneider und Wilhelm Köhler (l.).

Im überfüllten Audimax der traditionsreichen Hochschule in Wuppertal verlieh Rektor Professor Dr. Henning Wrogemann am Mittwochabend dem früheren Dozenten für Geschichte des Altertums und des Mittelalters und Lektor für Griechisch und Latein, Wilhelm Köhler (76), und dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Nikolaus Schneider (64), den Titel eines „Doktors der Theologie ehrenhalber“.

In ihren Festreden unterstrichen Professor Dr. Hellmut Zschoch und Professor Dr. Johannes von Lüpke die je unterschiedlichen Facetten, wie die beiden Geehrten in ihren Lebens- und Arbeitsbereichen als „Lehrer der Theologie“ wirken bzw. gewirkt haben. „Wilhelm Köhler ist ein solcher Lehrer geworden – nicht durch das Schreiben von Büchern oder die Übernahme höchster Leitungsämter, sondern durch die von ihm in besonders bemerkenswerter Weise gelebte evangelische Einheit von beruflichem und ehrenamtlichem Einsatz in der Leitung der Kirche und in der Sprachbildung des Glaubens“, so Zschoch.

Die wissenschaftliche Theologie brauche das "herausfordernde Gegenüber der Kirche, so wie umgekehrt die Kirche und insbesondere auch die Kirchenleitung das kritische Gegenüber der Theologie brauche“, unterstrich von Lüpke in seiner Laudatio für Nikolaus Schneider. „Präses Nikolaus Schneider hat seine Autorität als theologischer Lehrer wohl gerade dadurch gewonnen, dass er dieses Gegenüber als produktives Spannungsverhältnis wahrgenommen und gefördert hat. Dazu gehört das Aufeinanderhören, das sich Belehrenlassen.“

Im Geist der Theologischen Erklärung von Barmen

In der Ehrendoktor-Urkunde für Nikolaus Schneider heißt es, er erhalte den Titel „in Würdigung seiner Verdienste um eine evangelische Theologie, die im Geist der Theologischen Erklärung von Barmen Zuspruch und Anspruch des Evangeliums bezeugt, Verantwortung in der Leitung der Kirche wahrnimmt und für soziale Gerechtigkeit eintritt. Nikolaus Schneider war zunächst Pfarrer, dann Superintendent des Kirchenkreises Moers, bevor er Oberkirchenrat und Vizepräses und im Jahr 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland wurde. Er ist seit 2010 als Ratsvorsitzender der EKD zugleich der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland“.

Nikolaus Schneider erinnerte an seine Zeit an der Kirchlichen Hochschule: „Seit ich hier in der zweiten Reihe saß und Hebräisch gelernt habe´, fühle ich mich geborgen in dem Wort, das am Anfang war, wie es hier an der Wand geschrieben steht, nicht nur als Lernender, sondern auch später als Lehrender und Leitender. Geborgen aber auch in den dunklen und hellen Zeiten meines Lebens. Diesem Wort nachzuspüren ist unsere Aufgabe, in der Theologie, aber auch im ,Geheimnis der Welthaftigkeit’ dieses Wortes in unserem alltäglichen Tun.“

Er erinnerte an den „glücklichen Zustand“ seiner zwei Semester an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, die sein Leben bestimmten; im ganzheitlichen Erleben der Gemeinschaft von Lernenden wie in der Begegnung mit seinen Lehrern der Theologie. Beglückend aber auch, weil er seine Frau Anne in dieser Zeit kennen und lieben lernte. „Diese zwei Jahre haben den Geschmack vom tiefen Glück theologischer Existenz bekommen“, sagte der Präses sichtlich bewegt.

Theologische Urteilskraft und evangelisches Selbstbewusstsein

In der Ehrendoktor-Urkunde für Wilhelm Köhler heißt es, er erhalte den Titel „in Würdigung seines von theologischer Urteilskraft und evangelischem Selbstbewusstsein getragenen Einsatzes in der presbyterial-synodalen Leitung und Gestaltung der Kirche und in Anerkennung seines unermüdlichen Beitrags zur philologischen und historischen Bildung von Generationen von Theologinnen und Theologen. Wilhelm Köhler, der von 1973 bis 2000 an der Kirchlichen Hochschule als Dozent für Griechisch, Latein und die Geschichte des Altertums und des Mittelalters lehrte, war bis zu seinem 75. Lebensjahr in vielen Gremien und Synoden mit philologischer Akribie an Prozessen der Ordnung und Neugestaltung der Evangelischen Kirche im Rheinland tätig“.

Wilhelm Köhler begann seine Dankesrede mit einem Lebensmotto: „Durch Lehren lernen wir!“. Eine Erfahrung, die er schon als Erstklässler machte, als er alle Erkenntnis des Schulwesens an seine jüngere Schwester weitergab. Die Erinnerung an den in Wuppertal legendären Satz „100 Jahre sind genug“, der dem Vereinigungsprozess der beiden Kirchenkreise Barmen und Elberfeld vorausging, nahm Köhler auf und wagte im Blick auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 die Postulierung: „500 Jahre sind genug!“

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 20. Oktober 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 25. Oktober 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / jpi, wj; Foto: Andreas Fischer / 20.10.2011



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