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Gesprächskreis im Café International der Evangelischen Gemeinde zu Düren. Gesprächskreis im Café International der Evangelischen Gemeinde zu Düren.

Herzlich willkommen! Flüchtlingsarbeit in der rheinischen Kirche (5)

Das Café International als bewährte Anlaufstelle

Trotz Kälte steht die Tür offen. Menschen gehen ein und aus. Drinnen erklingen Französisch, Arabisch und andere Sprachen. An den Wänden ein Plakat für das kurdische Neujahrsfest, ein Aufkleber „Kein Mensch ist illegal“ und eine PACE-Fahne der Friedensbewegung.

Willkommen im "Café International" der Evangelischen Gemeinde zu Düren. Hinter der Theke drängen sich junge Frauen und Männer aneinander vorbei, um Kaffee zu kochen. Eine Frau mit ihrem Kind erhält Auskunft über einen Sprachkurs. Telefonate werden geführt. An einem der Tische sitzt eine Gruppe von Männern, die sich unterhalten. Moussa, ein Flüchtling aus dem Mali, zeigt Videos seiner Basketball-Tricks auf seinem Handy. Er ist seit einem Jahr in Deutschland und ein „Stammgast“, wie Pia und Anessa, zwei Schülerpraktikantinnen, sagen.

Moussa berichtet, dass er sein Jura-Studium in seiner Heimat abbrechen musste, als der Krieg anfing. Moussa spricht sehr gutes Deutsch. Er musste es sich selbst beibringen, da auf der Warteliste für den Männer-Sprachkurs 97 weitere Migranten und Flüchtlinge stehen.

Die anderen Männer am Tisch stammen aus Ägypten, Syrien, West Sahara und Marokko. Badr aus El-Fayoum, einer der ärmsten Regionen in Ägypten, lebt hier seit drei Monaten, während Ezzine und Yacine schon mehr als zwei Jahre in Deutschland sind.

Geduldige Helfer

Alle sind glücklich, dass es das Café International in Düren gibt. Denn sie haben nicht viel zu tun, dürfen nicht arbeiten. Yacine sagt in die Runde: „Auch wenn es Probleme mit der Sprache gibt, sind die Helfer hier immer geduldig mit uns.“ Ezzine übersetzt ins Arabische und die anderen nicken.

Pia und Anessa berichten: Hier wird mit Händen und Füßen kommuniziert. Wenn sie nicht hinter der Theke Kaffee kochen, Lebensläufe oder andere Papiere für die Hilfesuchenden fotokopieren, unterhalten sie sich mit den Männern und Frauen, die hier im Dürener Zentrum Anlauf suchen.

Tägliche Sprechstunden

Die Evangelische Gemeinde zu Düren ist seit vielen Jahren in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Für viele Flüchtlinge hat sich ein Café-Projekt zu einer bewährten Anlaufstelle entwickelt. Derzeit sind 20 ehrenamtliche und zwei hauptberuflich Mitarbeitende im Café International tätig und leisten Sozial- und Migrationsberatung. Zu ihren Aufgaben gehören tägliche Sprechstunden.

Neben der Beratung in Fragen zum Asyl-, Aufenthalts- und Sozialhilferecht, Sprachkursen und der Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen liegt ein Schwerpunkt in der Unterstützung bei der Wohnungssuche.Sie sind auch beim Abschluss eines Vertrages behilflich und unterstützen sie bei der Kaution.

Auch die Hilfe beim Umzug und bei der Einrichtung einer Wohnung gehört zum Angebot des Cafés. Die Reparatur und Herrichtung von gespendeten Einrichtungsgegenständen geschieht in einer gemeindeeigenen Schreinerwerkstatt. Hier wie auch in anderen Bereichen können Flüchtlinge selbst aktiv werden.

Möglichst selbstbestimmt leben

Daniel macht sein europäisches Freiwilligenjahr hier im Café International. Auch er war Flüchtling mit seiner Mutter in den frühen Neunzigern. Er ist sichtlich davon beeindruckt, dass die Flüchtlinge sich nicht als Opfer sehen, sondern die Kraft haben, trotz widriger Umstände ein selbstbestimmtes Leben zu leben.

Micheline kam vor zwanzig Jahren nach Deutschland. Sie ist Mitglied der freien Afrikanischen Gemeinde in Düren. „Ich bin hier die Mama für alle“, erzählt sie stolz und berichtet davon, wie schwierig es heute sei, überhaupt nach Europa zu kommen, Asyl und Bleiberecht zu erhalten.

„Jeder Tag ist etwas Besonderes“

Alle sind sich einig, dass das Café International mit seinem vielfältigen Angebot von Frauen- und Wohnungsberatung, Deutschkursen, Themenabenden zu Finanzen und Hausaufgabenbetreuung einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leistet und ein wichtiger Bestandteil der Kirche in Düren ist.

Fabienne ist schon Ehrenamtliche bei der evangelischen Kirche in Düren seit ihrem Konfirmandenunterricht. Nun macht sie hier ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Sie liebt den „offenen Umgang mit Menschen“ und betont: „Jeder Tag ist etwas Besonderes hier.“

„Das Café ist gut"

Für die Männer, die in einer Unterkunft in Wenau nahe Langerwehe wohnen, ist dies der einzige Ort, an dem die sich zu Hause fühlen können. Denn ihre Bleibe hat kein Schloss an der Vordertür, an den Wänden und Decken ist Schimmel. Die drei Männer aus Syrien teilen sich zu viert ein kleines Zimmer.

Moussa erzählt: „Das Café ist gut. Ohne das Café könnte ich viele Sachen nicht machen. Sie haben mir mit meinem Lebenslauf geholfen. Die Ehrenamtlichen sind gut zu uns.“

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ekir.de / Mark Bergfeld, Foto: Café International / 05.01.2015



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