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Sonntags gibt es im Dunkelcafé auch Musik: Organist Thomas Pracht und Monika Ringler. Sonntags gibt es im Dunkelcafé auch Musik: Organist Thomas Pracht und Monika Ringler.

Dunkelcafé

Kaffee, Kuchen und Musik im Dunkeln

Die Evangelische Kirchengemeinde und Diakonie eröffnen in Saarbrücken-Brebach ein Dunkelcafé. Die Gäste werden bei völliger Dunkelheit mit Kaffee und Kuchen beköstigt und erfahren so, was es heißt, blind zu sein. 

Inklusion ist in der Evangelischen Kirchengemeinde Brebach schon lange ein Thema. Seit 2015 sind alle Räumlichkeiten des Gemeindezentrums in dem Saarbrücker Stadtteil barrierefrei zugänglich. Für den Gottesdienst wurden Lieder und Texte in Braille-Schrift für Blinde übertragen und Beamer werden eingesetzt, um eine verbesserte Teilhabe von Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen zu ermöglichen.

Bei der „Nacht der Kirchen“ im Jahr 2015 wurden die Jugendräume im Gemeindezentrum in der Jakobstraße in ein Dunkelcafé umgewandelt. Dies soll nun in Kooperation mit der Gemeinwesenarbeit des Diakonischen Werkes an der Saar (DWSAAR) zur Dauereinrichtung werden, also einmal pro Monat Sonntag und Montag öffnen.  

„Der Blinde sieht und der Sehende ist blind“

„Im Dunkelcafé sind die Rollen vertauscht“, sagt Gemeindepfarrer Josef Jirasek. „Der Blinde sieht und der Sehende ist blind.“ Der Anstoß zum Dunkelcafé kam von Thomas Pracht, der seit September 2011 Organist der Kirchengemeinde und ohne Augenlicht geboren ist. Die Räume, die wochentags für die Schülerhilfe und den Jugendclub genutzt werden, bieten ideale Voraussetzungen zur völligen Abdunkelung.  

Die Bedienung übernehmen Blinde oder stark Sehbehinderte, die in absoluter Dunkelheit problemlos agieren können. Die Gäste werden mit Kaffee und Kuchen beköstigt und erfahren so, was es heißt, blind zu sein. „Essen und Trinken gehören zu den schwierigsten Alltagsherausforderungen nicht sehender Menschen – und für deren Lebenswelt sollen die Dunkelcafé-Besucher sensibilisiert werden“, erläutert Thomas Pracht.  

Möglich wurde die Einrichtung des Cafés durch die Zusammenarbeit mit dem BürgerInnenZentrum Brebach, eine Einrichtung der Gemeinwesenarbeit des DWSAAR. „Wir kooperieren seit vielen Jahren auch in anderen Zusammenhängen, etwa um ein Kulturen und Generationen übergreifendes Zusammenleben in Brebach zu verwirklichen“, erläutert Uli Hess vom BürgerInnenzentrum. „Teilhabeförderung und Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist dem DWSAAR ein wichtiges Anliegen, weshalb wir auch die Entwicklung dieses Projektes sehr gerne unterstützen“, betont Wolfgang Schönberger, Abteilungsleiter Offene Soziale Arbeit.  

Auch Kulturversanstaltungen sind geplant

Gemeinsam wurden Finanzierungsmöglichkeiten erschlossen und vor allem der Kontakt zu Daniela Ringler und Günther Sollfrank hergestellt. Sie sind beide sehr stark sehbehindert und bringen aus einem ähnlichen Projekt in Nürnberg jede Menge Erfahrungen mit. Sie werden das Brebacher Dunkelcafé leiten und die Besucherinnen und Besucher begleiten.  

Sonntags sollen im Café auch Kulturveranstaltungen stattfinden. „Lesungen oder Musik in völliger Dunkelheit ermöglichen völlig neue Eindrücke“, sagt Pracht. Der Montag ist für den Besuch von Schulklassen, Auszubildenden, Studenten und Lehrkräften reserviert. Dabei ist besonders an Lernende und Lehrende aus dem pflegerischen, medizinischen und sozialen Bereich gedacht, aber auch allen anderen Schulen steht das Dunkelcafé als inklusiver Erlebnisort zur Verfügung. Deshalb unterstützt auch das Bildungsministerium das Projekt. Bildungsminister Ulrich Commerçon hat die Schirmherrschaft übernommen.  

Das Dunkelcafé Brebach wird am Sonntag, 23. Oktober,  ab 15 Uhr mit einer Festveranstaltung offiziell eröffnet. Neben kulturellen Angeboten im Dunkelcafé gibt es im Gemeindezentrum weitere Informations- und Mitmachangebote für Sehende und Nichtsehende. Informationen und Terminabsprachen: Kirchengemeinde Brebach-Fechingen, Telefon 0681 / 872596 oder BürgerInnenZentrum Brebach, Telefon 0681 / 87764. 

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ekir.de / DWSAAR, Foto: Helmut Paulus/DWSAAR / 20.10.2016



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