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Tischgespräch mit EKD-Präses: Irmgard Schwaetzer auf der Ebernburg. Tischgespräch mit EKD-Präses: Irmgard Schwaetzer auf der Ebernburg.

Rheinland-Pfalz

Bergpredigt als Maßstab für politisches Handeln

Die „fördernde Neutralität“ im Verhältnis des Staates zur Kirche gewürdigt hat die Präses (Vorsitzende) der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, bei den Ebernburger Tischgesprächen. 

Die Väter und Mütter des Grundgesetzes hätten auch hier klug gehandelt. Schwaetzer erklärte weiter, die Kirchen wiederum müssten gegenüber Staat und Gesellschaft selbstbewusst auftreten. Sie dürften nicht zulassen, im öffentlichen Diskurs marginalisiert zu werden.

Die Erkenntnisse der Reformationszeit seien der Nährboden der demokratischen Gesellschaft, sagte Schwaetzer. Erst durch die Reformation hätten sich Toleranz und Bürgerbeteiligung langsam entwickeln können. Der Staat dürfe nicht verkennen, dass all diese Errungenschaften auch auf den Schultern der Kirche ruhten. Staat und Kirche seien aufeinander bezogen, gehörten aber einer je eigenen Sphäre an, erklärte Schwaetzer unter Berufung auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934, in der sich die Bekennende Kirche gegen die Gleichsetzung von Kirche und Staat aussprach.

Auch Pfarrern sei es erlaubt, ein politisches Mandat zu übernehmen, insofern sie ihre weltlichen und ihre geistlichen Aufgaben nicht vermischten. Jede Predigt sei ein Beitrag zum öffentlichen Diskurs. Auch viele Politiker ließen sich gerade in schwierigen Fragen - beispielsweise dem Militäreinsatz im Irak - von ihrem religiösen Gewissen leiten. Sie selbst habe sich in ihrem politischen Handeln stets an der Bergpredigt orientiert, wohl wissend, dass sie diesem hohen Maßstab niemals völlig gerecht werden könne, betonte die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Ministerin.

Im Blick auf die aktuellen Ereignisse im Irak und in Syrien unterstütze sie die aktuelle Stellungnahme der EKD, so Schwaetzer. Demnach sei das militärische Eingreifen gerechtfertigt, um die Bevölkerung vor Terror und Vertreibung zu schützen. Selbstverständlich sei sich die EKD bewusst, dass ein militärischer Einsatz allein die Probleme nicht lösen könne. Er müsse in ein politisches Gesamtkonzept eingebunden sein. Daher setze sich die evangelische Kirche dafür ein, dass in Krisengebieten verlässliche Institutionen und demokratische Strukturen geschaffen würden.

Erklärungen und Engagement

Laut der Synodenpräses erwarten 50 Prozent der Gesellschaft kirchliche Stellungnahmen zu aktuellen Themen. Über Erklärungen hinaus komme das Engagement der Kirche beispielsweise in der Flüchtlingsarbeit. Es sei Aufgabe der Kirche, Politikern immer wieder den Spiegel der neutestamentlichen Ethik vorzuhalten. Dabei betonte die ehemalige Abgeordnete, dass, wie immer man sich in der Politik bei Fragen wie Bundeswehreinsätze oder Präimplantationsdiagnostik entscheide, vor Gott schuldig mache.

Mit dem Vortrag Schwaetzers bei den Ebernburger Tischgesprächen haben die drei evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz - darunter die Evangelische Kirche im Rheinland - und die Landesregierung Rheinland-Pfalz eine Reihe eröffnet, die sich im Rahmen der Reformationsdekade mit der Bedeutung reformatorischer Themen für die heutige Zeit befasst. 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 25. September 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 2. Oktober 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / lk, Foto: Reiner Voß / view / 25.09.2014



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