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Fort- und Weiterbildungsinstitut der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz

Kapitän wechselt auf Diakonissen-Dampfer

Auf sein neues Amt als Chef des größten diakonischen Unternehmens in der Pfalz freut er sich schon. Reizvoll sei nicht allein die Managementaufgabe, die Diakonissen Speyer-Mannheim mit ihren mehr als 4.200 Mitarbeitenden zu leiten. 

Vielmehr, sagt Pfarrer Dr. Günther Geisthardt, eine besondere Herausforderung sei es, künftig bei schwierigen ethischen Fragestellungen - wie dem Umgang mit Sterben und Tod - konkret zu vermitteln. Zurzeit ist Geisthardt noch Leiter des Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstituts der drei evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz (EFWI) in Landau, darunter die Evangelische Kirche im Rheinland.

Ab 1. August steht der 59-jährige Theologe Geisthardt als Kapitän - korrekt Vorsteher - auf der Brücke des großen Dampfers der Diakonissen. Der traditionsreiche diakonische Träger betreibt Krankenhäuser, Einrichtungen für Senioren, Kinder, Jugendliche und behinderte Menschen, Schulen für soziale Berufe sowie ein Hospiz. Der gebürtige Neustadter Geisthardt wird Nachfolger von Pfarrer Werner Schwartz, der den Diakonissen seit 2001 vorsteht und am 30. August in den Ruhestand geht. Nachfolger Geisthardts am EFWI wird der Direktor des Comenius-Instituts im westfälischen Münster, der 59-jährige evangelische Theologe und Psychologe Volker Elsenbast.

Geisthardt leitete das EFWI seit 2006. Bildung ist das große Thema Geisthardts, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat. Vor seiner Tätigkeit am EFWI leitete er zehn Jahre lang die theologische Ausbildung in der pfälzischen Landeskirche. Mehrere Lehraufträge hatte er in der Lehrerbildung und der Sozialen Arbeit. "Bildung ist ein Auftrag der Kirche", sagt Geisthardt.

Durch den Religionsunterricht könne sie sich in die Entwicklung einer "neuen, menschlichen und inklusiven Schule" einbringen - eine Schule, die auf die unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten der Kinder eingehe. Geisthardt selbst sammelte Erfahrung als Religionslehrer als Gemeindepfarrer in Frankenthal-Pilgerpfad an der dortigen Friedrich-Ebert-Grundschule und am Karolinen-Gymnasium.

Qualifizierungsprogramm zur Schulseelsorge entwickelt

Das EFWI ist eines von drei "pädagogischen Service-Instituten" in Rheinland-Pfalz, das Schulen und Lehrkräfte vieler Schularten durch Fort- und Weiterbildung sowie Beratung unterstützt, wie Geisthardt erläutert. Getragen wird es von der pfälzischen, der hessen-nassauischischen und der rheinischen Landeskirche.

An dem Landauer Institut mit seinen sechs hauptamtlichen Dozenten, das zahlreiche Seminare, Studientage und Beratungsgruppen anbietet, setzte Geisthardt eigene Schwerpunkte: Er widmete sich der politischen Bildung, der Weiterbildung im Fach Evangelische Religion, dem Fächer verbindenden Lernen bei ethischen Fragen sowie der interreligiösen und interkulturellen Bildung. Das EFWI entwickelte unter seiner Leitung ein landesweites Qualifizierungsprogramm zur Schulseelsorge. Lehrer aus dem ganzen Land werden dabei geschult, um bei Konflikten oder Krisen im Schulalltag besser helfen zu können.

Eine zunehmend heterogene Gesellschaft stelle die Arbeit des EFWI vor Langzeitaufgaben, sagt Geisthardt. Neue Lern- und Unterrichtsformen seien für die Schulen nötig, deren Schüler kulturell, religiös und von ihren persönlichen Begabungen her sehr unterschiedlich seien. Für die EFWI-Dozenten bedeute das, "das Ohr an den Lehrern und den Kontakt zur schulischen Praxis zu haben".

Abschied mit Symposium

Günther Geisthardt wird am Freitag, 19. Juni, Beginn 16.30 Uhr, mit einem Symposium zum Thema "Lehrerbildung und Schulentwicklung" im protestantischen Bildungszentrum Butenschoen-Haus in Landau als Direktor des EFWI verabschiedet. Volker Elsenbast tritt sein Amt als neuer Direktor des EFWI am 1. September in Landau an.

1972 gründeten die pfälzische, hessen-nassauische und rheinische Landeskirche das EFWI. Damit nehmen die drei Landeskirchen in Rheinland-Pfalz ihre Verantwortung für die Bildungsarbeit wahr. Gemeinsam mit dem Pädagogischen Landesinstitut in Speyer und dem Institut für Lehrerfortbildung der katholischen Diözesen in Mainz ist das EFWI mitverantwortlich für die Lehrerfort- und -weiterbildung in Rheinland-Pfalz.

Grundlage für das Engagement der Kirchen war in den 70er Jahren die Entscheidung des Landes Rheinland-Pfalz, bei der Trägerschaft der Lehrerfortbildung im Unterschied zu anderen Bundesländern auf ein staatliches Monopol zu verzichten. Das Land bot den katholischen Bistümern und den evangelischen Landeskirchen an, mit staatlicher Unterstützung je ein Institut in katholischer und in evangelischer Trägerschaft zu gründen.

Hundert Fortbildungen im Jahr

Getragen wird das EFWI zu 40 Prozent von der pfälzischen Landeskirche und zu jeweils 30 Prozent von der hessen-nassauischen und der rheinischen Landeskirche. Die Kosten der Institutsarbeit werden zu einem großen Teil staatlich refinanziert.

Am EFWI im protestantischen Bildungszentrum Butenschoen-Haus werden jährlich rund hundert mehrtägige Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen angeboten. Themen sind etwa das professionelle Führen von Elterngesprächen, der Umgang mit Kindern mit Aufmerksamkeitsdefiziten und der Einsatz neuer technischer Hilfsmittel.

Hinzu kommen rund 180 meist halb- oder ganztägige Seminare der drei Landeskirchen. Im Jahr 2013 besuchten insgesamt 2.026 Teilnehmende Veranstaltungen des EFWI, bei Angeboten der Landeskirchen waren es zusätzlich insgesamt 1.845 Personen.

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epd / 15.06.2015



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