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Presbytertag Wie macht ihr das? Wir machen das so. Beim Presbyterinnen- und Presbytertag in Hilden war der Austausch von Information und Erfahrung gefragt.

Ehrenamt

Kommt, lasst uns reden

Das Geld wird weniger, der gesellschaftliche Einfluss schwindet: Die Aufgabe der Ehrenamtlichen in der Leitung der rheinischen Kirchengemeinden ist nicht einfach. Kraft und Zuspruch gab es beim Presbyterinnen- und Presbytertag in Hilden. „Trotz allem seid ihr Salz und Licht der Welt“, ermutigte Präses Manfred Rekowski.

Andere haben dieselben Probleme, das beruhige, finden die Presbyter Jürgen Meinecke (li.) und Bodo Becker-Dresbach. Andere haben dieselben Probleme, das beruhige, finden die Presbyter Jürgen Meinecke (li.) und Bodo Becker-Dresbach.

„Wir sitzen zwischen den Stühlen“, hat Teilnehmer Jürgen Meinecke beim Presbyterinnen- und Presbytertag der rheinischen Kirche in Hilden erklärt. „Denn meistens beschäftigen wir uns mit schwindenden Finanzmitteln und vernachlässigen dabei die eigentlichen Aufgaben der Kirche wie Verkündigung, Seelsorge und Dienst am Nächsten – für die wiederum aber Geld benötigt wird“, schilderte der Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Berghausen im Kirchenkreis Braunfels in Hessen den Alltag der rheinischen Gemeindeleitungen.

Wie sein Berghausener Mitpresbyter Bodo Becker-Dresbach war er daher froh, sich darüber bei der Veranstaltung im Evangelischen Schulzentrum in Hilden austauschen zu können. „Hier erfahre ich, dass alle Presbyterien sich mit den gleichen Geldsorgen herumschlagen, das beruhigt“, sagte Bodo Becker-Dresbach. Aus den 60 Workshops der Veranstaltung hatte er sich Seminare rund um das Thema „Finanzen“ ausgesucht.

Singen im Samba-Rhythmus

Es war der vierte Rüsttag, den die Evangelische Kirche im Rheinland für Presbyterinnen und Presbyter jeweils ein Jahr nach den Presbyteriumswahlen veranstaltet. Zurzeit gibt es in den 704 rheinischen Kirchengemeinden zwischen Emmerich, Saarbrücken und Wetzlar insgesamt 8000 Ehrenamtliche in den Gemeindeleitungen. Der Einladung nach Hilden unter dem Motto „Ihr seid der Hoffnung Gesicht“ folgten 500 Männer und Frauen. Sie belegten Workshops zu Strategien des Führens und Leitens, zur spirituellen Zurüstung, zu Fundraising, Sozialen Medien oder Zeitmanagement. Gemeinsam haben sie gesungen, gebetet und über neue Konzepte für die Kirchengemeinde der Zukunft nachgedacht.

Gespräche bei Kaffee und Sonnenschein gab es auf dem Schulhof. Gespräche bei Kaffee und Sonnenschein gab es auf dem Schulhof.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten vor allem eins: die Gelegenheit zu Gesprächen und Austausch. „Mir hat beim Sing-Workshop besonders das Lied ,Du bist heilig‘ gefallen, das wir im Samba-Rhythmus gesungen haben“, erzählte beim Mittagessen Helga Drzisga aus der Evangelischen Kirchengemeinde Trinitatis in Duisburg, die dort auch im Gospelchor singt.

„Wir sollten nicht schweigen“

Bei Gemüse-Wraps und Reis mit Paprika berichtete Monika Hintzen von der Evangelischen Kirchengemeinde Rheydt in Mönchengladbach vom Workshop „Die Bibel, Quelle des Lebens“: „Zur Geschichte des blinden Bartimäus haben wir uns den Fragen nach Farben, Stimmung oder Wetter gestellt und waren damit plötzlich mittendrin im Geschehen.“ Und das fanden die vier anderen Presbyterinnen am Stehtisch auf dem Schulhof toll. „Wir müssen auch in unseren Gemeinden die biblischen Geschichten so präsentieren, dass bei den Menschen ein Kopfkino entsteht“, meinte Helga Drzisga.

Die Duisburgerin hatte sich daher als zweiten Workshop das Thema „Vom Glauben reden – aber wie?“ ausgesucht. Das Seminar von Kirchenrat Volker Lehnert, leitender Dezernent für Personalentwicklung im Düsseldorfer Landeskirchenamt, erhielt allgemein großen Zuspruch. „Wenn alle um uns herum ihre radikalisierenden Meinungen kundtun, sollten wir nicht schweigen“, sagte Helga Drzisga.

Der Hoffnung Gesichter sind fröhlich: die Presbyterinnen Monika Hintzen, Helga Drzisga, Uta Klimkeit und Anke Kuhlen-Gerhards (v.li.). Der Hoffnung Gesichter sind fröhlich: die Presbyterinnen Monika Hintzen, Helga Drzisga, Uta Klimkeit und Anke Kuhlen-Gerhards (v.li.).

„Ihr werdet getragen“

„Die Zeiten, in denen Kirche prägenden Einfluss auf Gesellschaft hat, sind vorbei, denn wenn es um Sinnstiftung geht, gibt es eine Menge Konkurrenz“, sagte der rheinische Präses Manfred Rekowski beim Abschlussgottesdienst in Hilden. Die evangelische Kirche unterliege derzeit einem Wandel, betonte er. „Finanzielle Möglichkeiten zwingen zum Rückzug, die Zahl der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher ist überschaubar.“ Für die Gemeindeleitungen gelte es daher, den christlichen Auftrag immer wieder neu und situationsgerecht wahrzunehmen.

„Doch trotz aller ernüchternder Situationsanalysen und problematischen Zukunftsprognosen könnt ihr euch eines gewiss sein: Bei eurem biblischen Auftrag als der Hoffnung Gesicht und Salz und Licht der Welt, werdet ihr von Gottes Kraft getragen“, sprach der Präses den Ehrenamtlichen Mut zu.

„So ein Ehrenamt schweißt zusammen“

„Es nützt ja nichts, irgendjemand muss die Aufgabe doch übernehmen“, meinte in Hilden Anke Kuhlen-Gerhards von der Kirchengemeinde Rheydt. Sie ist seit fast 20 Jahren Presbyterin und hat den Wandel im Amt miterlebt: „Mittlerweile haben wir aus Kostengründen bereits drei Kitas abgeben müssen.“ Die Verantwortung verteile sich jedoch im Presbyterium auf vielen Schultern, das erleichtere das Arbeiten, ergänzte beim Mittagessen die Presbyterin Uta Klimkeit von der Evangelischen Kirchengemeinde Kerpen im Rhein-Erft-Kreis. Und im Team gebe es schließlich immer Fachleute, die ihr Wissen einbrächten.

So wie Monika Hintzen aus Rheydt, die hauptberuflich als Steuerfachangestellte arbeitet: „Wenn einer den Haushaltsplan der Kirchengemeinde versteht, dann ich“. Und vor allem, da war sie sich mit den anderen Presbyterinnen am Stehtisch einig, mache das Amt großen Spaß und die Gemeinschaft in den Presbyterien sei toll.

„Man braucht zwar ein dickes Fell, aber Freude hat man als Presbyter dennoch sehr viel“, erklärte in Hilden auch Bodo Becker-Dresbach aus Berghausen. „Neulich haben wir in Eigenleistung das Gemeindehaus umgebaut, eine Decke eingezogen, Fliesen gelegt und Wände verputzt.“ Und solch ein Ehrenamt, das schweiße doch ungemein zusammen.

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ekir.de / Text und Fotos: Sabine Eisenhauer / 26.03.2017



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