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Bärbel Beuermann (links) und Tania Ectors von der Diakonie Solingen Bärbel Beuermann (links) und Tania Ectors von der Diakonie Solingen nahmen an einem Treffen der Ehrenamtskoordination in der kirchlichen und und diakonischen Flüchtlingshilfe teil.

Flüchtlingshilfe

Bei Koordination der Ehrenamtsarbeit laufen Hotlines warm

Mehr freiwillige Helferinnen und Helfer als Aufgaben – das hat es in der Ehrenamtsarbeit selten gegeben. Die kirchlichen und diakonischen Ehrenamts-Koordinatoren der Flüchtlingsarbeit erleben derzeit vor Ort eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft.

Doch für alle einen geeigneten Einsatzort zu finden, ist gar nicht so einfach. Jetzt haben sich in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) erstmals Koordinatorinnen und Koordinatoren aus Kirche und Diakonie zu einem Erfahrungsaustausch getroffen. Es soll der Startschuss für ein neues Netzwerk sein.

Hunderte von E-Mails, Telefonleitungen, die nicht still stehen, Unmengen an Kartons mit Kleidungstücken, für die es keinen Lagerraum mehr gibt: Koordinatorin oder Koordinator für die Ehrenamtsarbeit in der Flüchtlingshilfe bei Kirche und Diakonie zu sein, ist derzeit ein Stressjob.

„Die Hotlines laufen bei uns warm. Ich habe inzwischen deutlich mehr Anfragen von Ehrenamtlichen als Einsatzorte“, erzählt Fazilet Gündogdu vom Diakonischen Werk Mönchengladbach. Und Karin Heintel von der Grafschafter Diakonie im Kirchenkreis Moers ergänzt: „Jeder freiwillige Helfer möchte am liebsten einen eigenen Flüchtling haben, den er betreut. Und zwar sofort.“

Ungeduldige Freiwillige, gestresste Teilzeitmitarbeitende

Diese Ungeduld ist es, die den hauptamtlichen Koordinatoren das Leben oft schwer macht. Sie möchten jedem interessierten freiwilligen Helfer eine Aufgabe zuteilen, aber das braucht Zeit – zumal der Großteil der 25 Ehrenamtskoordinatoren aus der rheinischen Kirche in Nordrhein-Westfalen, die sich bei der Diakonie RWL am vergangenen Wochenende zu einem Austausch getroffen haben, keineswegs eine Vollzeitstelle hat. Von ein paar wenigen Stunden als Honorarkraft bis zu einem festen halben Job reicht ihr Stellenprofil. „Der Tag hat einfach zu wenig Stunden“, fasst es eine Teilnehmerin zusammen.

Nach Düsseldorf sind die Koordinatoren gekommen, um mit Hilfe der Diakonie RWL und der rheinischen Kirche ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Begleitet werden sie dabei von Pfarrerin Barbara Montag, die unter anderem für die Koordination der Ehrenamtsarbeit in der Flüchtlingshilfe der Diakonie RWL zuständig ist, und Kirchenrat Rafael Nikodemus, beauftragt für Flüchtlingsfragen von der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Koordinatoren wollen wissen, wie andere Kollegen die Situation vor Ort bewältigen, welche Konzepte es für die Fortbildung Ehrenamtlicher gibt, wie sich die Arbeit verstetigen lässt, die jetzt vielfach mit heißer Nadel gestrickt wurde.

Nachhaltigkeit in der Ehrenamtsarbeit schaffen

„Wir müssen wegkommen von einer Politik der kurzfristigen Projektmittel“, betont Szymon Bartoszewicz aus dem Kirchenkreis Köln Rechtsrheinisch, der für Bergisch-Gladbach die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe koordiniert. „Wir leben doch davon, dass Menschen mit unserer Arbeit bestimmte Gesichter verbinden, uns kennen und vertrauen.“

Die Flüchtlingsarbeit werde die deutsche Gesellschaft noch auf Jahre hin beschäftigen, so Bartoszewicz. Insofern sei es sinnvoll, die Koordinatoren auf feste Stellen mit einer längerfristigen Perspektive zu setzen statt sie über Projektmittel zu finanzieren.

Denn Ehrenamtliche brauchen eine gute und nachhaltige Begleitung, darin waren sich alle Teilnehmer des Austauschs einig. Sonst komme es schnell zu einer Überforderung. Während sich die Koordinatoren in kleineren Städten darum bemühen, für jeden Ehrenamtlichen mit Hilfe von Gesprächen und Fragebogen den richtigen Einsatzort zu finden, sieht es in Großstädten wie Düsseldorf schon anders aus.

„Wir haben inzwischen so viele Ehrenamtliche, dass wir dabei sind, Orte zu schaffen, an denen sie sich netzwerkmäßig selbst organisieren“, erzählt Ute Clevers, Ehrenamtskoordinatorin der evangelischen Flüchtlingshilfe der Diakonie Düsseldorf.

Doch auch dafür benötigen die freiwilligen Helfer Schulungen. Die, so erzählt Marcus Franke von der Diakonie Wuppertal, bleiben derzeit manchmal auf der Strecke. Doch das soll nicht so bleiben. Gute Konzepte für Schulungen sollen künftig mit Hilfe des neuen Netzwerks ausgetauscht und Freiwillige auf Fortbildungen in anderen Orten hingewiesen werden.

„Ehrenamtliche dürfen bei uns nicht verheizt werden. Deshalb müssen wir sie gut auf ihre Tätigkeit vorbereiten und begleiten“, sagt Rafael Nikodemus. „Dafür stehen wir als Kirche und Diakonie.“

Andere soziale Gruppen nicht vergessen

Und noch ein weiterer Aspekt ist den Teilnehmenden des Treffens wichtig: Sie wollen andere soziale Gruppen nicht aus dem Blick verlieren. „Immer öfter begegnen mir Menschen, die nur für die Flüchtlingshilfe spenden wollen“, erzählt Birgit Binte-Wingen von der Diakonie im evangelischen Kirchenkreis An Sieg und Rhein. „Ich führe dann intensive Gespräche darüber, dass auch Obdachlose, Langzeitarbeitslose oder kranke und behinderte Menschen dringend unsere Hilfe benötigen.“

Während den Sozialkaufhäusern die Sachspenden fehlen, wird der Lagerraum für die vielen Kleider, Haushaltsgeräte und Spielwaren für Flüchtlinge inzwischen an vielen Orten knapp. Der evangelische Kirchenkreis Bonn hat dafür eine Lösung gefunden.

„Bei uns gehen mittlerweile alle Spenden an die Sozialkaufhäuser und Tafeln. Dort bestimmen dann die Mitarbeiter, was an die Flüchtlinge geht und was an andere soziale Gruppen“, berichtet Elena Link Viedma von der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn.

Es gibt also noch viel zu tun und auf weiteren Veranstaltungen zu besprechen. „Das erste Koordinationstreffen habe ich als dringend notwendig, sympathisch konstruktiv und erforderlich perspektivisch erlebt“, meint Barbara Montag. „Gut, dass wir weitere Absprachen treffen konnten.“

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ekir.de / Text und Foto: Sabine Damaschke / 03.11.2015



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