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Christopher Street Day Mönchengladbach

Ehrenpreis für den Trauungs-Beschluss

Ausgezeichnet: Die Evangelische Kirche im Rheinland hat den "Ehrenpreis "Regenbogen-Bleistift" des Christopher Street Days (CSD) Mönchengladbach bekommen. Den Preis nahm beim CSD in der niederrheinischen Stadt stellvertretend der Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss, Dietrich Denker, entgegen.

Ausgezeichnet wird die rheinische Kirche für ihren Beschluss zur Trauung auch gleichgeschlechtlicher Paare. Dies sei ein Meilenstein und noch lange nicht selbstverständlich, so der Vorsitzende des CSD Mönchengladbach, Markus Schnorrenberg.

Die Neuregelung gilt seit Mitte März. Für den rheinischen Vizepräsidenten Dr. Johann Weusmann liegt auf der Hand, warum im staatlichen Recht das weltliche Geschäft der Lebenspartnerschaft mittlerweile gleichberechtigt neben das weltliche Geschäft der Ehe gestellt wurde: "Dies war erforderlich, weil die Diskriminierung homosexueller Paare gegenüber Eheleuten einen schweren Grundrechtseingriff darstellt, der durch keinen sachlichen Grund zu rechtfertigen ist", so der leitende Jurist der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Weusmann weiter: "Sowohl bei der heterosexuellen Ehe als auch bei der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft handelt es sich jeweils um eine auf Dauer angelegte, von Liebe geprägte Lebensgemeinschaft mit nahezu identischen Einstands- und Fürsorgepflichten."

Was die kirchlichen Institute angeht, sei die frühere Unterscheidung zwischen Amtshandlung und Gottesdienstlicher Begleitung rechtlich nicht zwingend: So oder so wird "um Gottes Geleit für den gemeinsamen Lebensweg gebeten". Und so gibt es im Rheinland nur noch eins: die Trauung. "Eine undramatische Entscheidung", wie der Vizepräsident sagt.

Auslegungsbedürftige Texte

Theologisch hat die rheinische Landessynode mit ihrer mit sehr großer Mehrheit gefassten Entscheidung zu Beginn diesen Jahres entschieden: Gottes Wort besteht "nicht aus biblischen Diktaten", sondern aus "auslegungsbedürftigen Texten". Diese Weichenstellung erlaubt, trotz sieben Bibelstellen, die die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte negativ bewerten, "die Bibel nicht durch die Brille der damaligen Zeit zu lesen", wie die Leitende Dezernentin für Theologie, Dr. Dagmar Herbrecht, sagt.

Sie verweist auf die Überlegungen des Theologischen Ausschusses zur Landessynode 2016: Vom Gebot der Heiligung her ist alle menschliche Gemeinschaft dem Willen Gottes unterstellt. "Im Blick auf den Umgang in Beziehungen heißt das: Der / die Andere ist in seiner Individualität, in seinem Persongeheimnis, theologisch: als Ebenbild Gottes zu achten, vor und in aller geschlechtlichen Differenzierung, die sich keineswegs immer dem Dual ,Mann-Frau' fügt."

Nicht selbstverständlich

So ausgelegt, gilt der Segen Gottes allen Menschen, die sich Gottes Wort in Gebot und Verheißung, Zuspruch und Anspruch gesagt sein lassen. Das biblische Zeugnis schließt heutige lesbische und schwule  Partnerschaften, die von Liebe, Treue und Verantwortung getragen sind, ein.

Auf dem langen Weg, den die Evangelische Kirche im Rheinland bis zur Beschlussfassung zurücklegen musste, haben Lesben und Schwule die kritische Solidarität mit ihrer Kirche nicht aufgegeben. Auch das drückt der CSD Mönchengladbach mit seinem Ehrenpreis aus. "Darüber freue ich mich sehr, denn das ist auch nicht selbstverständlich", so die Theologin.

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ekir.de / neu / 21.07.2016



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