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Bei uns wird keiner gefragt, warum er ausgetreten ist: Nina Gutmann, Leiterin der Ladenkirche in Mülheim an der Ruhr.  Foto: epd / Stefan Arend Bei uns wird keiner gefragt, warum er ausgetreten ist: Nina Gutmann, Leiterin der Ladenkirche in Mülheim an der Ruhr.

Warum Menschen wieder in die Kirche eintreten

"Ich wollte wieder dazu gehören"

Raus aus der Kirche, Steuern sparen: Dieser Trend bescherte den Kirchen zuletzt eine Austrittswelle. Weit weniger Wirbel machen diejenigen, die wieder eintreten - gegen den Trend und aus unterschiedlichen Motiven. 

"Weder mein Austritt vor gut zehn Jahren noch mein Wiedereintritt hatten finanzielle Gründe", sagt etwa Sonja Rohrmoser. Von ihrem Kircheneintritt hat sich die 50-jährige Personalreferentin einer großen Firma im Ruhrgebiet auch durch gutgemeinte Ratschläge nicht abbringen lassen. "Du kannst doch auch so an Gott glauben, ohne in der Kirche zu sein", sagten Bekannte. Aber das reichte ihr nicht.

"Glauben kann man schlecht allein, man braucht andere", lautet die Erfahrung Rohrmosers, die 2002 wegen der Heiligsprechung des umstrittenen Opus-Dei-Gründers Escrivá aus der katholischen Kirche austrat. Was blieb, war zunächst eine gewisse Leere und Verunsicherung. "Die evangelische Kirche hatte ich gar nicht auf dem Schirm", räumt Rohrmoser ein.

Aber nach einem Todesfall in der Familie fühlte sie sich dort "seelsorglich gut aufgefangen". Eine erste Annäherung, der Ende 2012 ein Besuch in der Evangelischen Ladenkirche in Mülheim an der Ruhr folgte, die zugleich Kircheneintrittsstelle ist.

Austritt oft aus finanziellen Gründen, beim Eintritt spielen sie keine Rolle

"Bei uns wird keiner gefragt, warum er ausgetreten ist", betont Nina Gutmann, Leiterin der 2004 eröffneten Ladenkirche mitten in der City, in der alle Formalitäten unkompliziert erledigt werden. Es gibt weder Glaubensprüfung noch Rechtfertigungsdruck, wohl aber die Möglichkeit zu Gesprächen.

Jeder Eintritt hat nach Gutmanns Erfahrung eine lange Vorgeschichte. "Oft sind es familiäre Gründe", erläutert sie. "Die Hochzeit, man will die Kinder taufen lassen oder ein Todesfall. Man hat sich verändert, sucht nach Werten und möchte wieder dazugehören." Das spiegelt sich auch in der Altersstruktur wieder: Die meisten Wiedereingetretenen sind 30 bis 50 Jahre alt, nur wenige sind im Rentenalter. "Für den Austritt sind oft finanzielle Gründe wichtig", erklärt Gutmann. "Beim Eintritt spielen sie keine Rolle."

"Ich habe nicht aufgehört zu glauben"

Knapp 52.000 Eintritte verzeichnete die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 2012 bundesweit: mehr als 20.000 Wiederaufnahmen, gut 13.000 Wechsel aus anderen christlichen Kirchen und fast 19.000 Erwachsenentaufen. Dem standen rund 138.000 Austritte gegenüber. In den vergangenen Monaten ließ eine winzige Änderung im Steuerrecht die Zahl der Kirchenaustritte in die Höhe schnellen, obwohl niemand mehr Kirchensteuer zahlen muss als bisher.

"Ganz klar finanzielle Gründe" hatte 2003 auch der Austritt der Marketingfachfrau Angelika Gonda. Nach einer Trennung musste sie damals jeden Euro zweimal umdrehen. "Aber ich habe ja nicht aufgehört zu glauben, die Zugehörigkeit hat mir gefehlt", sagt sie rückblickend.

 

 

"Jetzt fühlt sich alles wieder richtig an"

Mittlerweile ist die 40-Jährige Mutter und will demnächst kirchlich heiraten. Im Juni, kurz bevor ihre kleine Tochter getauft wurde, trat sie in Essen wieder in die evangelische Kirche ein. "Meine Tochter war der Auslöser", sagt sie. "Jetzt fühlt sich alles wieder richtig an."

Auch bei Gesamtschullehrer Sascha Bredal aus Düsseldorf war die kleine Tochter kürzlich Anlass zum Neuanfang. "Drei Minuten bevor sie getauft wurde, bin ich eingetreten", erzählt der frühere Katholik, der sich seiner Kirche entfremdet hatte. "Jetzt gehe ich regelmäßig mit meiner Tochter zum Friedensgebet in der Gemeinde. Irgendwas hat mir vorher gefehlt."

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ekir.de / Bettina von Clausewitz (epd), Foto: epd / Stefan Arend / 15.09.2014



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