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Zum Beispiel Männerarbeit, zum Beispiel Haus der Stille: Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, mit der Kirchenleitung ins Gespräch zu kommen, intensiv. Zum Beispiel Männerarbeit, zum Beispiel Haus der Stille: Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, mit der Kirchenleitung ins Gespräch zu kommen, intensiv.

„KL im Gespräch“ über die Haushaltskonsolidierung

„Wir müssen weit springen“

Stühle über Stühle wurden in den Saal im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn nachgeschoben, weil so viele Menschen hereinströmten, um an der Infoveranstaltung „KL im Gespräch“ teilzunehmen. Fast 300 Teilnehmende waren gekommen.

„Die Vorschläge sind nicht alternativlos“, erklärte Präses Manfred Rekowski beim Auftakt der Gesprächsreihe über die landeskirchliche Haushaltskonsolidierung. Die Kirchenleitung wolle ihre Vorschläge nicht auf Biegen und Brechen durchbringen, sondern gute Lösungen. Rekowski: „Wir machen es uns so schwer wie nötig.“ Anregungen und Argumente würden protokolliert und aufgenommen, auch wenn die Kirchenleitung ihre Gesamtverantwortung wahrzunehmen habe; die Entscheidung liegt bei der Landessynode.

Bevor die Vorschläge der Kirchenleitung zur Haushaltskonsolidierung vorgestellt und diskutiert wurden, machte der Präses auch deutlich: Die zu beratenden Sparvorschläge basieren keineswegs auf finanziellen „Momentaufnahmen“, sondern auf einer Gesamtbetrachtung. Zurzeit entwickelten sich die Einnahmen gut. Doch zugleich zeigten die gehäuften Austritte aufgrund der geänderten Form der Kirchensteuererhebung auf Kapitalerträge, „wie dünn der Faden“ sein kann.

„Das Thema Steuer ist nicht positiv kommunizierbar, das gilt auch für die Kirchensteuer“

Es gebe „keinen Grund zur Entwarnung“, unterstrich auch der Finanzchef der rheinischen Kirche, Oberkirchenrat Bernd Baucks. Ausgaben und Einnahmen stünden in Schieflage. Nachhaltige Rücklagen fehlten, und mit den zur Zeit sprudelnden außerordentlichen Einnahmen könne man nicht planen. Später, in der Debatte, sagte Baucks im Blick auf die Austritte wegen der Abgeltungsteuer, genauer: des Einzugs der Steuer auf Kapitalerträge, und die Frage, ob die Kirche hier hätte besser kommunizieren können: „Das Thema Steuer ist nicht positiv kommunizierbar, das gilt auch für die Kirchensteuer.“

Und so fasste der Präses zusammen: „Wir haben in der Vergangenheit über unsere Verhältnisse gelebt. Wir dürfen der nächsten Generation nicht zu große Lasten hinterlassen.“ Und um nicht auf jeder Landessynode über jeweils kleine finanzielle Korrekturen reden zu müssen, „müssen wir weit springen“.

„Wir strecken uns zur Decke“

In seiner Einführung erklärte der Präses weiter: „Es geht auch um Arbeitsplätze von Menschen in unserer Kirche.“ Menschen hätten existenzielle Sorgen. „Wir sagen mit großem Ernst, wir werden uns um sozialverträgliche Lösungen bemühen. Wir strecken uns zur Decke.“

Oberkirchenrat Baucks gab einen Überblick über die Vorschläge der Kirchenleitung zur Haushaltskonsolidierung, die in den vier Infoveranstaltungen „KL im Gespräch“ sowie online diskutiert werden können, die in den Ständigen Ausschüssen und danach noch einmal in der Kirchenleitung beraten werden, bevor sie auf die Landessynode 2015 kommen. Im Bereich der Bildung sind Einsparungen bei den zehn landeskirchlichen Schulen vorgesehen. Außerdem soll der rheinische Kostenanteil bei der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel im Vergleich zu ihren anderen Trägern sinken.

Landeskirche macht ein Zehntel der kirchlichen Arbeit aus

Das Haus der Begegnung in Bonn, in dem das Pädagogisch-Theologische Institut und die Evangelische Akademie im Rheinland ihren Sitz haben, soll verwertet, also zum Beispiel verpachtet werden. Das gilt auch für das Hotel- und Tagungshaus FFFZ in Düsseldorf sowie das „Haus der Stille“ in Rengsdorf. Viele weitere Punkte wurden angesprochen, die Vorschläge betreffend Binnenschifferseelsorge, Arbeitslosenfonds, Inklusionsarbeit – alle Vorschläge sind online nachlesbar. Insgesamt sollen aus dem landeskirchlichen Haushalt – er entspricht rund zehn Prozent des Haushalts und der Aufgaben insgesamt in der Evangelischen Kirche im Rheinland – 12 Millionen Euro dauerhaft bzw. strukturell herausgenommen werden.

„Danke, dass Sie an die Sparmaßnahmen rangehen“, erklärte ein Mann in der Aussprache. Ihm geht’s nur nicht weit genug. Eines seiner Beispiele: die Vielzahl von Vorschriften. „Wir haben ein schönes neues Siegel – warum muss das ein Mitarbeiter im Landeskirchenamt prüfen?“ Die Entrümpelung der rheinischen Rechtsordnung sei in Gang gebracht, berichtete Präses Rekowski.

Gern in evangelischer Trägerschaft

Der Sparanteil im Bildungsbereich, vor allem bei den Schulen in Höhe von 4,5 Millionen Euro, sei zu hoch, kritisierte der Direktor des Amos-Comenius-Gymnasiums. „Was soll ich den Eltern sagen?“ Einer der vielen erschienenen Amos-Schüler meinte: "Es ist schön, dass wir in evangelischer Trägerschaft sind. Wir wollen das Vertrauen zu Kirche und Religion behalten." Ein Kuratoriumsmitglied der Akademie kritisierte den Anteil der Bildung im Einsparvolumen: „Bildung ist Zukunftsthema unserer Kirche.“

Oberkirchenrat Klaus Eberl, Leiter der Bildungsabteilung im Landeskirchenamt, räumte ein, das Volumen empfinde auch er als „harten Brocken“, doch könne der Bildungsbereich bei der Haushaltskonsolidierung nicht verschont werden. Eberl warb für ein stärkeres Engagement der Eltern in der Schulstiftung. Zur Erinnerung: Die Vorschläge der Kirchenleitung sehen keine Schulschließung vor, sondern gehen v.a. Richtung Trägerwechsel oder verstärkter Drittelmittelerzielung.

Verschiedene Meinungen auch unter den Teilnehmenden

Die Debatte über Schulen ist ausführlich; die Meinungen werden nicht nur zwischen Kirchenleitungsvertretern einerseits und den Menschen im Saal andererseits getauscht, kontrovers debattieren die Teilnehmenden auch untereinander: „Primär staatliche Aufgaben sollten die Kirchen abgeben“, sagt ein Mann. Konträr ein anderer: „Bildung ist nicht primär eine staatliche Aufgabe.“

Entgegengesetzte Auffassungen hatten Teilnehmende auch im Blick auf den Vorschlag betreffend die Kirchliche Hochschule. Sich im Falle des Scheiterns von Verhandlungen mit den anderen Trägern womöglich ganz von ihr trennen? „Das wäre ein Abschied aus der Ausbildung junger Theologen, das ist kein gangbarer Weg“, sagt ein Pfarrer. Ein anderer Theologe fragt besorgt: „Zieht sich der Staat dann von den theologischen Fakultäten zurück?“ Dagegen meint ein weiterer Teilnehmer: „Die historische Situation hat sich geändert. Es ist gut, dass geprüft wird, ob die Kirchliche Hochschule noch gebraucht wird und ob ihr Wegfall die staatlichen Fakultäten sogar füllt.“

Dank fürs Mitdenken

Und dann waren die zwei vorgesehenen Stunden rum, doch kaum einer ging. „Mein Herz brennt für das Haus der Stille“, erklärte eine Frau. Es sei eine Oase. Eine weitere Teilnehmerin mahnte, dann würde „etwas Wesentliches aufgegeben“.
Vizepräses Christoph Pistorius dankte zum Schluss: „Sie setzen sich für wichtige Aufgaben ein.“ Keine Aufgabe sei unwichtig, allerdings müsse auch das angesprochen Finanzvolumen eingespart werden. Er bitte um weiteres Mitdenken und auch um Mitbeten.

Es gibt drei weitere Info-Veranstaltungen „KL im Gespräch“: am 20. September in Leichlingen-Witzhelden, am 25. September in Bad Kreuznach und am 29. September in Duisburg.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 17. September 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 2. Oktober 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu, Foto: Martin Magunia / 15.09.2014



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