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Andreas Braun möchte in seiner Kirchengemeinde etwas bewegen. Deswegen engagiert er sich ehrenamtlich. Andreas Braun möchte in seiner Kirchengemeinde etwas bewegen. Deswegen engagiert er sich neben seinem Job als Küster auch ehrenamtlich

Familie, Job und Ehrenamt

„Das kann manches im Alltag kompensieren“

Kinder und Beruf unter einen Hut zu bekommen ist für junge Eltern eine Herausforderung. Viele legen im Job eine Pause ein. Aber was ist, wenn sie noch ein Ehrenamt haben? In der Kirche ist die Vereinbarkeit von Familie und Engagement ein schmaler Grat, egal ob haupt- oder ehrenamtlich. Doch er offenbart viele Möglichkeiten.

Franziska Steinhaus Franziska Steinhaus

Vor sechs Monaten brachte Franziska Steinhaus ihr erstes Kind zur Welt. Seit der Geburt von Svea ist sie in Elternzeit. Ihr Job als Buchhalterin ruht. Auf ihr Ehrenamt als Kassenwartin beim Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) in Remscheid will die 30-Jährige hingegen nicht verzichten. Seit ihrer Kindheit ist sie bei den Pfadfindern aktiv und mit ihnen tief verwurzelt.

Steinhaus kümmert sich also auch als Mutter weiterhin um die Ein- bzw. Ausgaben und organisiert Schulungen. Auf das Zeltlager ist die junge Mutter diesmal allerdings nicht mitgekommen. Nächstes Jahr wieder. Dann wird sie mit Svea im benachbarten Haus statt in der großen Jurte übernachten. Wie die Mama, so soll auch die Tochter Pfadfinderin werden. Denn: „Pfadfinder denken mit und packen an!“, sagt Steinhaus.

"Mein Anspruch war zu hoch"

Sami Omar Sami Omar

Sami Omar aus Köln hätte sich nicht getraut, rund um die Geburt seiner Zwillinge neben seinem Job  auch noch ein Ehrenamt auszuüben. Ihm fehlte der Mut. Und: „Mein Anspruch war zu hoch“, stellt der Kampagnenreferent rückblickend fest. Von seinen Eltern, beide Theologen, hat er mit kirchlichem Ehrenamt stets „großes Pflichtbewusstsein und Engagement“ verbunden.

Inzwischen gehen seine beiden Jungs längst zur Schule. Omar hält seit zwei Jahren Kindergottesdienste und ist dazu noch Presbyter. Der 38-Jährige fühlt sich wohl in seinen Ehrenämtern: anerkannt, gesehen und geschätzt. Im Nachhinein bereut er fast, nicht schon als junger Papa den Mut zum Ehrenamt gehabt zu haben. Denn: „Das kann manches im Alltag kompensieren“, sagt der alleinerziehende Vater. Von seiner Gemeinde erhält er finanzielle Unterstützung für die Kinderbetreuung während der Sitzungen.

Finanzielle Unterstützung für die Kinderbetreuung

„Dafür sollte jede Kirchengemeinde einen Posten in ihrem Haushalt einplanen“, meint Nicole Ganss. Als Referentin im Düsseldorfer Landeskirchenamt ist sie für die Förderung und Fortbildung von Ehrenamtlichen zuständig. Sie schätzt es, wenn junge Eltern ihre Zeit - ein hohes Gut -  für Gemeindearbeit einsetzen. Mit Sorgen stellt sie allerdings fest: In Presbyterien etwa sind durchschnittlich nur 20 Prozent der Mitglieder jünger als 45 Jahre.

Besonders Pfarrerinnen und Pfarrer sollten umdenken, sagt sie, um auch interessante junge Menschen zu gewinnen. Sitzungen müssten in Ort und Zeit so gewählt werden, dass alle daran teilnehmen können. „Die Menschen heute sind selbstbewusster“, erläutert Ganss. „Sie wollen sich engagieren, wo sie etwas erreichen können. Dafür wollen sie aber auch eine Rückmeldung und eine Würdigung bekommen.“

Mit guten Absprachen klappt es

Als Andreas Braun vor sieben Jahren zum ersten Mal Papa wurde, zog er sich aus dem Kindergottesdienst-Team zurück. Seine hauptberufliche Tätigkeit als Küster an der St. Johannes-Kirche im Kölner Stadtteil Deutz stellte er zwei Jahre darauf ebenfalls ein, diesmal um Elternzeit zu nehmen. Nach der Geburt seines zweiten Sohnes nahm der 35-Jährige sein haupt- und ehrenamtliches Engagement wieder auf: erst als Küster, später dann als Presbyter.

Um Beruf, Familie und Ehrenamt leisten zu können, müssten sich beide Elternteile gut miteinander abstimmen, meint Braun. Bei ihm klappt es. Rund zehn Stunden im Monat arbeitet er ehrenamtlich. „Weil ich in der Gemeinde etwas bewegen möchte“, sagt Braun. Schon mit 14 Jahren engagierte er sich in der Kirche und leitete gemeinsam mit einem volljährigen Gemeindemitglied eine Kindergruppe.

Susanne Marie Koschmider Susanne Marie Koschmider

Familie und kirchliches Engagement miteinander zu vereinbaren beschäftigt auch Brauns Pfarrerin: Susanne Marie Koschmider. Sie ist seit einem Jahr Mutter und in Elternzeit. Ihr Mann arbeitet als Kirchenmusiker in Leverkusen. Ab Sommer 2018 werden wieder beide ihre Berufe ausüben, naturgemäß vor allem sonntags und abends. Kitas pflegen einen anderen Rhythmus. Wie das Paar die Betreuung ihres Sohnes dann regelt, überlegt es noch.

Unabhängig der Elternzeit lebt die kleine Familie in einer Dienstwohnung direkt neben der Kirche. Tritt Koschmider vor die Tür, muss sie mit Gemeindemitgliedern rechnen, die gern mal über Sorgen oder Freuden plaudern. „Ich kann nicht total aussteigen“, sagt sie. Einmal Pfarrerin, immer Pfarrerin. Insgesamt bescheinigt sie ihrer Gemeinde aber einen „hohen Respekt gegenüber meiner Entscheidung“, sich zugunsten der Familie vorerst zurückzuziehen. Eine Pfarrerin im Probedienst vertritt sie.  

Zurück zum Anfang: Ja, der schmale Grat zwischen Beruf, Ehrenamt und Familie ist gangbar. Und er lohnt sich, weil er das Leben bereichert. Ihn zu meistern, setzt allerdings hohe Wachsamkeit, starken Willen und die Bereitschaft zu individuellen Lösungen voraus — und zwar von allen Seiten.   

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ekir.de / Angelika Staub, Fotos: Angelika Staub (2), privat (2) / 25.08.2017



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