EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Engagement Mehr als 14 Milliarden Bäume wurden bisher durch die von Felix Finkbeiner initiierte Stiftung „Plant for the Planet“ gepflanzt. Das Buch von Bettina von Clausewitz stellt ihn und andere Weltverbesserer vor.

Engagement

Und sie lässt sich doch verbessern…

Sind sie wütend oder mutig, stur oder kreativ? Was zeichnet Menschen aus, die unsere Welt gerechter machen? Autorin Bettina von Clausewitz hat für ihr Buch „Wer, wenn nicht wir!“ mit einigen gesprochen. Ihre Geschichten ermutigen zum Nachmachen, denn Weltverbesserer sind vor allem eins: wichtig. 

„Da kann man ja doch nichts tun.“ Dieser Satz ist oft zu hören, wenn es um Themen wie Klimawandel, Hunger in der Welt, sexualisierte Gewalt oder unfaire Arbeitslöhne geht. Die meisten Menschen stören sich an der Ungerechtigkeit. „Doch nur wenige unter ihnen fühlen sich persönlich so herausgefordert, dass sie das Engagement für eine bessere Welt zu ihrer Lebensaufgabe machen“, sagt die Essener Journalistin und Autorin Bettina von Clausewitz. Den Fragen „Was sind das für Menschen? Und was treibt sie an?“ ist sie für ihr Buch „Wer, wenn nicht wir! Weltverbesserer und Querdenker im Gespräch“ nachgegangen.

Belächelt und gehasst

Zwölf Menschen erzählen in dem Buch von ihrem Engagement und ihrer Motivation. Wie viele Querdenkerinnen und -denker werden sie oft belächelt, gerne mal stur genannt oder wie Felix Finkbeiner, der schon als bayerischer Schüler eine Baumpflanz-Aktion gegen die Erderwärmung in Gang setzte, als altklug bezeichnet. „Die Hälfte der Menschen hasst mich“, sagt zum Beispiel die Augsburger Öko-Unternehmerin Sina Trinkwalder, die erfolgreich mit Leuten arbeitet, die sonst keiner einstellt.

Doch Weltverbesserern ist egal, was andere über sie denken. Im Blick haben sie ein Ziel, das ihnen wichtiger ist als die Anerkennung anderer Menschen. „Wenn einem das Leiden anderer so weh tut, dass man es nicht aushalten kann, dann ändert man etwas daran“, erklärt im Buch die katholische Theologin und Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Geprägt von Familie und Jugendarbeit

„Wer schickte die Tarantel, die mich da gestochen hat?“, fragt sich im Buch der in diesem Mai verstorbene Rupert Neudeck, Gründer der Organisation „Cap Anamur“. Der katholische Theologe und Journalist aus Köln machte dafür auch ein Kindheitserlebnis aus dem Jahr 1945 verantwortlich: Er war Zeitzeuge des Untergangs des Schiffes „Wilhelm Gustloff“, bei dem in der Ostsee 9000 Flüchtlinge starben. Seine Familie hatte das Schiff verpasst und daher überlebt. Als Neudeck dann 1979 die Bilder der aus Vietnam geflohenen Menschen im Südchinesischen Meer sah, initiierte er ihre Rettung mit dem Frachter „Cap Anamur“ – und legte damit den Grundstein seiner bis heute wirkenden Hilfsorganisation.

Mut und Wut sowie die Erlebnisse der Frauen aus den vorigen Generationen ihrer Familie waren bei der Kölner Gynäkologin Monika Hauser beteiligt, als sie 1993 angesichts der sexualisierten Gewalt gegen Bosnierinnen die Hilfsorganisation für Frauen „medica mondiale“ gründete. Der Essener Unternehmer Reinhard Wiesemann nennt seine Jahre in der Jugendarbeit im evangelischen Weigle-Haus in Essen als einen Grund dafür, dass er in seiner Stadt unter anderem als Mäzen für Kunst und als Initiator für neue Wohnformen unterwegs ist: „Im Weigle-Haus habe ich gelernt: Du kannst politisch was verändern.“

Es gibt immer einen Grund, die Welt zu retten

Und egal, ob es der „lange Atem einer Langstreckenläuferin“ ist, denn die Bielefelder Datenschutzaktivistin Rena Tangens bei sich findet oder eine weltoffene Erziehung, die die Berliner Pädagogin Sanem Kleff für ihr Engagement bei „Schule ohne Rassismus“ mitverantwortlich macht: Menschen haben eine Menge ganz unterschiedlicher Gründe, die sie zum Weltverbessern antreiben. Vielleicht findet sich darunter auch einer für die Leserinnen und Leser des Buches. Denn Weltverbesserer werden immer gebraucht.

Bettina von Clausewitz: „Wer, wenn nicht wir! Weltverbesserer und Querdenker im Gespräch“, Peter Hammer Verlag, 19,90 Euro, ISBN 978-3-7795-0555-6

 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / eis / Foto: „Plant for the Planet“ / 19.12.2016



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.