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Die Themen werden bei der Familienkirche altersgerecht aufgearbeitet. Auf dem Foto aus der Anfangsphase haben sich die Kinder mit Noah und der großen Flut beschäftigt. Die Themen werden bei der Familienkirche altersgerecht aufgearbeitet. Auf dem Foto aus der Anfangsphase haben sich die Kinder mit Noah und der großen Flut beschäftigt.

#unserSonntag ist uns #heilig

„Erkundungstour in Sachen Sonntagskultur“

Sonntags um elf – im Städtchen Kirn an der Nahe ist das für Christinnen und Christen ein fester Termin: Etwa sechs Mal im Jahr heißt es dann im evangelischen Gemeindezentrum an den Hedwigsgärten „Willkommen zur Familienkirche“. Der Sonntag wird gemeinsam in der Kirchengemeinde verbracht, inklusive Gottesdienst.

Durchschnittlich hundert Besucherinnen und Besucher – Familien mit Kindern, Konfirmandinnen und Konfirmanden, aber inzwischen auch Seniorinnen und Senioren - finden sich regelmäßig zu dem besonderen Angebot ein.

„Familienkirche“ – das sind biblische Geschichten zum Anfassen für die Kleinen, spannende Erzählungen und Rollenspiele für die Schulkinder und dialogische Bibelarbeit für die Erwachsenen. Anschließend wird gemeinsam zu Mittag gegessen. Sechs ehrenamtliche Kochteams sorgen abwechselnd dafür, dass immer etwas Leckeres auf die Teller kommt. Immerhin gut die Hälfte der Kirchgänger bleibt zum Essen, viele sind Stammgäste.

Den freien Sonntag sinnvoll gestalten

Die „Familienkirche“ ist zu einem Markenzeichen in der Region Kirn geworden, berichtet Pfarrer Volker Dressel. Seit dem Beginn im September 2004 hat die Gemeinde schon 81 Mal „Familienkirche“ gefeiert. Jungen Familien zu helfen, den freien Sonntag sinnvoll zu gestalten, darauf zielte das Angebot der Kirchengemeinde ab.

Inzwischen hat sich die „Familienkirche“ zu einem themenorientierten Gottesdienst für Jung und Alt entwickelt, mit Piano- und Gitarrenmusik statt Orgel und Gesangbuchliedern, zu dem auch die Älteren aus der Gemeinde gerne kommen. Vor allem Alleinstehende bleiben auch noch zum Essen, schätzen die Geselligkeit, hat Dressel beobachtet.

Das Vorbereitungsteam – Pfarrer Dressel und fünf Ehrenamtliche – gestaltet die Sonntage nach dem seit Jahren bewährten Konzept. Beginn ist bewusst erst um elf Uhr, da Familien den freien Sonntag auch zum Entspannen brauchen und vorher noch in Ruhe frühstücken können. „Dann darf der Gottesdienst auch mal etwas länger dauern“, hat Dressel festgestellt.

Themen werden altersgerecht vertieft

Jede „Familienkirche“ steht unter einem bestimmten Thema und hat einen festen Ablauf. Nach 20 Minuten teilt sich die Gemeinde in drei Gruppen: die Kleinkinder, die Schulkinder und die Erwachsenen. In jeder Gruppe wird das Thema altersgerecht religionspädagogisch vertieft. Nach einer halben Stunde kommen die Gruppen wieder zusammen, um den Gottesdienst gemeinsam zu beschließen.

Die behandelten Themen sind vielfältig: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ hieß das Motto beim allerersten Treffen. „Sich streiten - und was dann?“, „Was tut gut in schweren Zeiten?“, „Gott sei Dank, es ist Sonntag“ oder „Wo treffe ich Jesus heute?“ - mit all diesen Fragen setzte sich die „Familienkirche“ schon auseinander.

Diskussionen bei Schnitzel und Salat

Zum Reformationsjubiläum in diesem Herbst ging es um Luthers Turmerlebnis. Es gab den Ausschlag für seine reformatorische Erkenntnis, dass Menschen nicht durch gute Taten, sondern allein durch den Glauben an die Barmherzigkeit Gottes gerecht werden. Während die Kindergruppen sich eher spielerisch mit Erzähltheater, Anspiel und dem Basteln der Lutherrose dem Thema näherten, sahen die Erwachsenen Szenen aus dem Luther-Spielfilm von 2003, um das Thema anschaulich zu machen. Bei Schnitzel, Salat und Kartoffel-Gratin wurde anschließend noch weiter diskutiert.

Damit die „Familienkirche“ gelingt, ist viel Vorarbeit nötig. Zwei Mal trifft sich das Team vor jedem Termin bei Volker Dressel im Pfarrhaus, um den Gottesdienst vorzubereiten. Durch die intensive Zusammenarbeit sind Freundschaften entstanden. „Unser Team ist miteinander alt geworden. Wir merken aber auch, dass es immer schwieriger wird, den Bedürfnissen von jungen Familien heute gerecht zu werden“, sagt Dressel selbstkritisch.

Offenbar seien die Mitarbeitenden mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern nicht mehr so nah dran an dem, was junge Familien heute wollten. Dennoch will das Team weitermachen, wirbt zum Beispiel im evangelischen Kindergarten um Nachwuchs bei Eltern mit kleinen Kindern. Dressel: „Die Familienkirche Kirn ist heute eine Erkundungstour in Sachen aktueller Sonntagskultur.“

Weitere Beispiele wie Kirchengemeinden den Sonntag über den Gottesdienst hinaus als Tag miteinander gestalten, gibt es in den nächsten Wochen auf ekir.de.
Wie  Christinnen und Christen ihren Sonntag als Zeit des Miteinanders verbringen, erzählen sie in den sozialen Medien bei der Aktion #unserSonntag ist uns #heilig. Sie zeigen Gesicht und sagen, warum ihnen der Sonntag #heilig ist. Wie man als Einzelner und als Gruppe mitmachen kann, steht auf der Seite unsersonntag.ekir.de.
Die Social-Media-Aktion begleitet die Kritik der  Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland an den Plänen der NRW-Landesregierung, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage von bislang vier auf acht zu verdoppeln. In einem Antrag an die Landessynode, die ab heute in Bad Neuenahr tagt, nennt sie das Vorhaben der CDU/FDP-Koalition „ein fatales Signal“.

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ekir.de / Ulrike Klös, Marion Unger, Foto: Uwe Holler / 10.01.2018



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