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Claudia entscheidet sich für einen kompletten Verzicht auf feste Nahrung – in Begleitung ihres Hausarztes. Dafür gibt’s jede Menge geistige Impulse. Claudia entscheidet sich für einen kompletten Verzicht auf feste Nahrung – in Begleitung ihres Hausarztes. Dafür gibt’s jede Menge geistige Impulse.

Fastenzeit 2016

Bereicherung durch Verzicht

Claudia lernt ihre Halbgeschwister in den neuen Bundesländern kennen. Sie sind Muslime. Ein Besuch bei ihnen fällt in den islamischen Fastenmonat. Claudia schließt sich spontan an. Das Erlebnis ist intensiv und sie beschließt, auf christliche Art zu fasten.

Die Passionszeit ist für Christinnen und Christen eine Zeit des Aufbruchs. So wie Jesus allein in der Wüste betete, unterbrechen die Gläubigen den Alltag. Durch das Fasten im Kopf kann einem klarer werden, wo man selbst steht und was wichtig ist im Leben. In der aktuellen Flüchtlingskrise erscheint vieles neu und ungewiss. Die evangelischen Fastenaktion „7 Wochen ohne“ stellt in dieser Woche das Zusammenleben mit den „Fremdlingen“ in den Mittelpunkt.

Zusammenleben in Deutschland

Manche Menschen beschäftigt das schon länger. Claudia, die lieber nur beim Vornamen genannt werden möchte, hat mit Mitte vierzig ihre Halbgeschwister in Leipzig kennengelernt. Es gibt auf den ersten Blick wenige Gemeinsamkeiten. Claudia ist evangelisch, sie liest die Losungen und betet, wann sie möchte. Die Geschwister sind Muslime, halten die Gebetszeiten und Speisegebote des Korans ein, die Schwestern und Schwägerinnen tragen ein Kopftuch.

Claudia möchte sie besuchen. Ihr Terminvorschlag fällt in den muslimischen Fastenmonat, Ramadan. Den Geschwistern ist das erst nicht recht. Claudia sieht es pragmatisch: „Dann faste ich eben mit euch!“ Es fällt ihr überraschend leicht. Nach Sonnenuntergang, wenn sie gemeinsam das Fasten brechen, sieht Claudia die Mahlzeit in ganz neuem Licht. „Das waren Speisen für mich, nicht einfach nur Essen.“, erzählt sie und lächelt bei der Erinnerung daran, wie die Familie sofort zulangte: „Ich habe erst mal ein Tischgebet gesprochen. Laut.“ Was sie beim Fasten innerlich fühlt, ist unglaublich schön. Volle sieben Tage hält sie durch.

Christliches Fasten: die Aktion „7 Wochen ohne“

Danach beschließt Claudia, das Fasten auf christliche Art in ihren Jahresablauf einzubinden. So wie mehr als zwei Millionen Menschen, die jedes Jahr bei der evangelischen Fastenaktion „7 Wochen ohne“ mitmachen. In der Zeit von Aschermittwoch bis Ostern verzichten sie auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel oder kleine Marotten. In diesem Jahr streben sie nach einem großen Herz: „Sieben Wochen ohne Enge“.

Claudia entscheidet sich für einen kompletten Verzicht auf feste Nahrung. In Begleitung ihres Hausarztes, damit es nicht gefährlich für den Körper wird. Dafür gibt’s jede Menge geistige Impulse. Claudia verabredet sich mit ihrer Tochter und sie lesen täglich im Fastenkalender. Sie bekomme ganz viel zurück, sagt sie, fühle sich getragen, wie in dem Vers aus Psalm 139, den sie in der Fastengruppe ihrer Kirchengemeinde liest: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“

Bei sich bleiben – mit dem Fremden leben

Der Dialog mit den Geschwistern geht weiter. Als die Mutter krank wird, teilen sie die Sorge, führen gemeinsam Arztgespräche. Und bitten in ihrer Not um Gottes Hilfe. Claudia und ihre Schwester gehen ins Wohnzimmer und beten, die Schwester auf dem Gebetsteppich auf dem Boden, Claudia sitzend auf dem Sofa. Jede still für sich, in der Haltung und den Worten ihres Glaubens.

In der Passionszeit 2016 denken viele Menschen, ob religiös oder weltlich orientiert, darüber nach, wie man mit solchen Unterschieden umgeht. Anlass ist die aktuelle Flüchtlingskrise. Da kommen Fremdlinge in mein Land, und Gott sagt, dass ich sie lieben soll wie mich selbst (Levitikus / 3. Buch Mose 19, 33-34). Claudias Geschichte zeigt, wie das gelingen kann: im offenen Gespräch, im gegenseitigen Kennenlernen. Oder im gemeinsamen Gebet. 

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ekir.de / Kathrin Reinert / 15.03.2016



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