EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Kirchlichliche Hochschule Die Feministische Sozietät wurde 2003 an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal gegründet.

Interview

"Feministische Theologie bleibt eine Widerstandstheologie"

Zehn Jahre Feministische Sozietät wird am Montag, 13. Januar, in Wuppertal gefeiert. Heike Walz, Juniorprofessorin für Feministische Theologie und theologische Frauenforschung an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, im ekir.de-Interview.

Welche Impulse gab es zur Gründung der Feministischen Sozietät?

Vor rund zehn Jahren haben Pfarrerinnen und Theologinnen gefordert, dass Feministische Theologie auch einen Platz an der Hochschule haben muss. Außerdem gab es einen Beschluss der Landessynode im Rheinland, dass sie Teil des Studiums sein soll. Pfarrerinnen hatten zudem ein großes Interesse an entsprechenden Fortbildungen.

Einmal im Monat trafen und treffen sich Pfarrerinnen, andere Theologinnen und Studierende, um Texte aus der Feministischen Theologie zu lesen oder Forschungsarbeiten von Doktorandinnen und Habilitandinnen zu diskutieren.

Eine Forschung zu Frauenthemen gibt es an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal seit rund 30 Jahren. Dazu gehören Forschungen zu Frauen in der Bekennenden Kirche und zu Religionspädagoginnen im 20. Jahrhundert. In der Kirchengeschichte waren Darstellungen zu Frauen lange Zeit unterbelichtet.

Welche Fragen bestimmten die Arbeit der vergangenen zehn Jahre?

Die Fragen gehen im Querschnitt durch die Fächer der Theologie. Das sind exegetische Fragen in den Bibelwissenschaften, die Kirchengeschichte und die Systematische Theologie. Es war immer wichtig, dass die Beteiligten selbst ihre Forschungsfragen einbringen können, dass sie Themen mitbringen können.

Juniorprofessorin Dr. Heike Walz Juniorprofessorin Dr. Heike Walz

Gibt es eine Verschiebung bei den Themen?

Eine Verschiebung hat sich seit 2000 durch die Etablierung der Genderstudien ergeben. Feministische Theologie erweitert sich um die Frage des Geschlechterverständnisses insgesamt und in Bezug auf Frauen und Männer. Interkulturelle und interreligiöse Aspekte habe ich stärker eingebracht. Wir fragen jetzt auch nach Auslegungen der Heiligen Schriften in anderen Religionen.

Wie ist die Feministische Theologie aktuell in Wissenschaft und Kirche verankert?

In Wuppertal-Bethel ist sie außergewöhnlich gut verankert. Die Studierenden an der Kirchlichen Hochschule sprechen von einem Fach Feministische Theologie, auch wenn das formal nicht so ist. Eine Professur gibt es auch an der Hochschule in Neuendettelsau, eine Juniorprofessorin in Berlin. Ansonsten gibt es einige Kolleginnen in der Evangelischen Theologie, die Feministische Theologie als inhaltlichen Schwerpunkt pflegen. Sie ist aber nur an wenigen Fakultäten in die Studienordnungen aufgenommen.

In der Kirche ist Feministische Kirche an der Basis stark, oft auch von Frauen getragen, die nicht selbst Theologie studiert haben. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Landeskirchen haben Feministische Theologie als Thema erkannt, aber manche Errungenschaften sind wieder abgebrochen. Bei den Genderstudien fällt die Theologie im Vergleich zu anderen Geisteswissenschaften zurück. Da gibt es eine gewisse Diskrepanz.

Vor welchen Aufgaben steht die Feministische Theologie heute?

Feministische Theologie muss weiter darüber reflektieren, welchen Einfluss Körper, Geschlecht und Sexualitäten auf Kirche, Diakonie und Gesellschaft haben. Religionsvergleichend ist zu fragen: Wo sind diskriminierende Tendenzen in allen Religionen? Feministische Theologie bleibt eine Widerstandstheologie und äußert sich zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Fragen der Trans-, Intersexualität und Homosexualität kommen neu in den Fokus. Es geht um die Erweiterung der Vielfalt (Diversity). Ein neuer Trend ist es, diese unterschiedlichen Perspektiven zusammenzubringen. Unsere Veranstaltungen sind offen für alle, Frauen und Männer, auch wenn es manchmal Gründe geben kann, getrennt zu diskutieren.

Wie wird das Jubiläum in Wuppertal gefeiert?

Professorin Dr. Judith Hartenstein von der Universität Koblenz/Landau kommt zu einem Gastvortrag. Das Thema lautet „Maria Magdalena im Johannesevangelium und im Evangelium der Maria – eine Frau als Apostelin“. Sie hat in ihrer Habilitationsschrift besonders das Bild Maria Magdalenas in der Literatur aufgegriffen. Zum anschließenden Empfang kommen auch viele aus den Anfängen der Sozietät. Sicher werde ich auch die Gelegenheit nutzen, um auf die inzwischen verstorbene Ilse Härter hinzuweisen, eine der ersten ordinierten Pfarrerinnen Deutschlands. Sie wurde 2006 mit der Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule Wuppertal ausgezeichnet.

Die Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel lädt ein zur Feier des 10. Jubiläums der Feministischen Sozietät mit einem Gastvortrag von Professorin Dr. Judith Hartenstein für Montag, 13. Januar, 19.30 Uhr. Das Thema des Vortrags lautet: „Maria Magdalena im Johannesevangelium und im Evangelium der Maria – eine Frau als Apostelin“. Hartenstein ist Professorin für Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Neues Testament und Religionspädagogik an der Universität Koblenz-Landau.  

Die Feministische  Sozietät wurde 2003 von Dr. Christine Globig, Dozentin für Theologische Frauenforschung, gegründet. Vor 30 Jahren nahm die Kirchengeschichtliche Sozietät von Professorin Dr. Susi Hausammann ihre Forschungen auf zu Frauen im Kirchenkampf. Die Praktisch-theologische Sozietät von Professorin Dr. Christine Reents arbeitete zu Religionspädagoginnen im 20. Jahrhundert.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 8. Januar 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 9. Januar 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / 09.01.2014



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.