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Feierten 50 Jahre PTI: (v.l.) OKR Klaus Eberl, Dr. Stefan Drubel, Anja Diesel, Präses Manfred Rekowski, Eckhard Langner, Oberbürgermeister Ashok Sridharan und PTI-Direktor Dr. Gotthard Fermor. Feierten 50 Jahre PTI: (v.l.) OKR Klaus Eberl, Dr. Stefan Drubel, Dr. Anja Diesel, Präses Manfred Rekowski, Eckhard Langner, Oberbürgermeister Ashok Sridharan und PTI-Direktor Dr. Gotthard Fermor.

Jubiläum PTI

50 Jahre Bildung – zu Recht gefeiert

Das Pädagogisch-Theologische Institut (PTI) feierte sein 50-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Schlosskirche Bonn. Präses Manfred Rekowski unterstrich in seiner Predigt die Bedeutung der Einrichtung. Professor Michael Meyer-Blanck betrachtete in seinem Festvortrag das Verhältnis von Pädagogik und Theologie.

 „Das PTI feiert, und es feiert zu Recht, denn wir Christen brauchen Bildung, wenn wir den Glauben der Vorfahren an unsere Nachkommen weitergeben wollen. Und Bildung ist nicht nur die Kenntnis von Worten allein. Bildung ist auch ein Geist, dessen tieferes Verständnis einer Sache sich nicht nur in Handlungen zeigt, sondern der auch erstaunt und fasziniert“, sagte der rheinische Präses Manfred Rekowski in seiner Predigt im Festgottesdienst in der Bonner Schlosskirche.

Gründliches und inklusives Lernen, die Bildung und die Weitergabe „dessen, was uns am Herzen liegt“, seien wichtig, machte Rekowski deutlich. „Das PTI lebt Gemeinschaft in den Tagungen mit Übernachtungen. Es ist ein Tagungshaus zwischen Stille und Fest; die Gäste aus den vergangenen 50 Jahren werden sich auch an das abendliche Zusammensitzen erinnern“, so Präses Rekowski: „Ein pädagogisches Institut ist aber nicht nur ein Hort, sondern auch ein Ort, von dem aus zuweilen gemahnt werden muss. So ist ein Haus, in dem Bildung stattfindet, auch immer ein Haus, von dem Impulse nach draußen ausgehen. Das PTI ist eine Einrichtung, die immer wieder über sich hinauswächst. Sie darf nicht nur initiativ werden, sie muss dies auch tun. Und Strukturkonservatismus muss ihr – ebenso wie einer reformatorischen Kirche überhaupt – zutiefst zuwider sein.“

Kirche investierte in pädagogische Professionalisierung

Das Pädagogisch-Theologische Institut wurde vor 50 Jahren – im Jahr 1967 – in Bonn gegründet, in einer Zeit vieler gesellschaftlicher, politischer und auch kirchlicher Umbrüche. Die durch eine Studie des Pädagogen Georg Picht Mitte der Sechzigerjahre angestoßene Bildungsreform hatte sich nicht nur auf das staatliche, sondern auch auf das kirchliche Bildungswesen ausgewirkt, erklärte Professor Dr. Gotthard Fermor, Direktor des PTI, in seiner Eröffnungsrede. „Die Kirche investiert folgerichtig in pädagogische Professionalisierung, was sich institutionell in der Gründung von religionspädagogischen Instituten, kirchlichen Schulen und Fachhochschulen niederschlägt.“  Diesem Trend sei auch die Gründung des PTI in Bonn zu verdanken.

Seitdem fördert die Einrichtung auf landeskirchlicher Ebene das Lehren und Lernen in Schule und Gemeinde, indem sie sich mit theologischen Fragen aus gemeindepädagogischer und religionsdidaktischer Perspektive beschäftigt. Dazu hält das PTI unterschiedliche Arbeitsbereiche vor.

Im Bereich Gemeinde sind das unter anderem die Konfirmandenarbeit, die integrative Arbeit mit Menschen mit und ohne Behinderung sowie religionspädagogische Arbeit mit Erzieherinnen und Erziehern in Tageseinrichtungen für Kinder. Im Bereich Schule wird die religionspädagogische Verantwortung von Lehrerinnen und Lehrern aller Schulformen sowie  von Pfarrerinnen und Pfarrern gestärkt. Zu den Kernangeboten gehören Fortbildungen für alle Schulformen und -stufen, Studientagungen anlässlich der Vokation, Qualifizierungskurse für Religionslehrerinnen und -lehrer sowie Medien-Methoden-Workshops.

Pädagogik und Theologie sind einander untrennbar zugeordnet

In der wissenschaftlichen Ausrichtung des PTI seien das Pädagogische und Theologische einander untrennbar zugeordnet, erklärte Professor Dr. Gotthard Fermor. Grundlegend sei die Überzeugung, dass es immer etwas mit Bildung zu tun hätte, wenn Menschen gleich welchen Alters ihren Glauben leben und teilen wollten. „Dann entdecken wir in theologischen Fragen pädagogische Herausforderungen und in pädagogischen Herausforderungen theologische Fragestellungen in einem neuen, hoch relevanten Gewand,“ so Fermor.

Das Verhältnis von Pädagogik und Theologie war auch Thema des Festvortrags von Professor Dr. Michael Meyer-Blanck von der Evangelischen Fakultät der Universität in Bonn. Er bezeichnete die beiden wissenschaftlichen Disziplinen als gleiche und ungleich paradoxe Geschwister. „Beide sind Theorien, die dazu dienen, eine praktische Aufgabe zu lösen. Die Aufgabe der Theologie ist es, die Mitteilung und Darstellung des Glaubens in der christlichen Kirche verstehbarer, durchschaubarer und besser zu machen,“ erklärte Meyer-Blanck. „Die Aufgabe der Pädagogik ist es, die für das Zusammenleben hilfreichen Prinzipien an die nächste Generation weiterzugeben.“

Neben der Gemeinsamkeit als praktische Disziplinen, seien die Wissenschaften zudem beide Kinder der europäischen Aufklärung, beide bezögen sich auf der gelebte Leben, und beide gingen von der entscheidenden Rolle der einzelnen Person aus, aber auch von der Annahme, dass der Mensch immer hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibe.

Erst die Paradoxien schaffen ein tragfähiges Fundament

In der Beschreibung und Deutung des Letzteren käme allerdings auch die grundlegende Verschiedenheit der beiden Wissenschaften zum Vorschein: „Das Zurückbleiben wird pädagogisch als ein Zustand des Vernunftmangels beschrieben. Diesem ist durch Erziehung und Bildung abzuhelfen. Theologisch wird das Zurückbleiben des Menschen als ein Zustand des Glaubensmangels, der Rettungsbedürftigkeit oder der Sünde verstanden, dem nur durch Erlösung abzuhelfen ist“, sagte Professor Dr. Meyer-Blanck. „Erst die grundlegenden Paradoxien, die unsere handelnde Vernunft und unsere glaubende Weltdeutung bestimmen, verschaffen den pädagogischen und religionspädagogischen Bemühungen ein tragfähiges Fundament.“

Interdisziplinär breit aufgestellt zu sein, sei eine der heutigen Herausforderungen des PTI als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, erklärt PTI-Direktor Professor Dr. Gotthard Fermor. Zu den Themenbereichen zählten  Forschungen zur Inklusion, zur konfessionellen Kooperation, zum Interreligiösen Lernen, zum Wandel der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, zur Digitalisierung und Ökonomisierung unserer Gesellschaft und unseres Bildungswesens und vieles mehr.

Wichtig sei dabei vor allem die spirituelle Perspektive, aus der heraus das PTI agiere, erklärte Fermor.  „Weil Gott frei ist, vor und jenseits all unserer Verfügungen und Festlegungen, sind wir als seine Ebenbilder auch zu dieser unverfügbaren Freiheit berufen. Weil Gott so hinschaut, schauen wir hin, wo diese Freiheit ihre Chancen hat und wo sie in einer durchbürokratisierten Leistungsgesellschaft auch bedroht ist.“

 

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ekir.de / cs, Foto: Martin Magunia / 02.07.2017



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