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Uraufführung des 'Festivals der Reformatorinnen' im Haus der Kirche in Bonn. Träumt von der eigenen Predigt: Liederdichterin Elisabeth Cruciger (Judith Weichsel). Ihre Zeitgenossinnen blicken leicht skeptisch. Dabei haben Ursula Weyda (li.) und Magdalena Heymair (re.) mit ihren Schriften selbst viele Grenzen getestet.

Festival der Reformatorinnen

Gefeierte Uraufführung in Bonn

Die eine war Rebellin, die andere Kirchenmutter. Eine träumt davon, selbst zu predigen. Die vierte heiratet einen Reformator nach dem anderen. In einer Schankwirtschaft gehen sie alle ein und aus.  Im Theaterstück „Festival der Reformatorinnen“ wird die weibliche Seite der reformatorischen Bewegung lebendig.

Uraufgeführt wurde das Stück am Samstag im Bonner Haus der Kirche. Dreh- und Angelpunkt ist die Wirtin im heiratsfähigen Alter. Sie belauscht, kommentiert und missbilligt bisweilen das Gesagte: „Ich will nicht ins Fegefeuer. Da könnte ihr schön allein hingegen.“ Insgesamt 13 Frauen unterschiedlichen Alters, ungleicher Herkunft und Bildung stehen in dem Stück im Rampenlicht.  Sie zeigen deutlich, dass sie viel mehr sind, als die Frau an der Seite eines Reformators.

Gehen oder bleiben?

Wie Elisabeth Cruciger, gespielt von Judith Weichsel. Die frühere Nonne gilt als erste Liederdichterin des Protestantismus und war eine enge Freundin Katherina von Boras. Ihr Epiphaniaslied (eg 67) steht noch heute im Gesangbuch, schwungvoll vorgetragen von Weichsel. Sie ist es auch, die selbst predigen möchte.

Oder Katharina Schütz Zell, eine frühe feministische Theologin, dargestellt von Dagmar Gruß. Sie schrieb die Rechtfertigung für den Zölibatsbruch ihres Mannes, kannte die wichtigen Bibelstellen der feministischen Theologie schon vor 450 Jahren. Wiederholt hielt sie Leichenreden. Selbst der linke Flügel der Reformation war ihr nicht fremd.

Oder Caritas Pirckheimer (Wibke Janssen), humanistisch geprägte Äbtissin in Nürnberg. Als die Stadt sich der Reformation anschließt, hält Caritas dagegen:  "Weil es im Kloster mehr Bildung, mehr Freiheit und mehr Gemeinschaft gibt, als außerhalb." Gehen oder bleiben? Das Ringen um den rechten Weg ist nicht nur für die seinerzeit entflohenen Nonnen ein wiederkehrendes Thema.

Hexenverfolgung und der schwarze Tod

Zu spüren bekommt das natürlich Katharina von Bora (Sabine Cornelissen), deren Verbindung mit Luther vielen Zeitgenossen als Teufelswerk gilt. Sie wählt den Ehemann selbst, ist als Geschäftsfrau und Bierbrauerin erfolgreich. Entsprechend müde und erschöpft besucht sie bisweilen die Wirtschaft.

So blendet die Inszenierung auch negative Facetten der Protagonistinnen nicht aus. Etwa wenn Elisabeth Fürstin von Calenberg die Geliebte ihres Mannes als Hexe verfolgen lässt. Eine Sorge, die auch die Wirtin umreibt. Der schwarze Tod, die Pest sucht die Frauen und ihre Familien heim. Sollte man für das Seelenheil des toten Kindes vielleicht doch einen Ablass erkaufen, um es vor der Hölle zu bewahren?

Das reformatorische Kammerspiel unter der Regie von Heike Wertgen besticht durch wohl dosierten Witz, viele Einblicke, tolle Kostüme und Live-Musik der Renaissance, gespielt und gesungen vom Ensemble Anderersaits. Stehender Applaus des Premierenpublikums! Die Idee hatten Sabine Cornelissen, Frauenbeauftragte des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, und Pfarrerin Dagmar Gruß, Synodalbeauftragte für Frauenfragen im Kirchenkreis Bonn. Alle Kirchenkreise der Region und die Landeskirche haben die Inszenierung unterstützt.

Weitere Informationen und Aufführungstermine sind dem Flyer "Festival der Reformatorinnen" zu entnehmen.

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ekir.de / Dr. Uta Garbisch, Foto: Meike Böschemeyer / 13.03.2017



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