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Straßenzeitung Viele Obdachlose sind froh, eine Zeitung verkaufen zu können und nicht nur Almosen zu bekommen.

Straßenzeitung

Das gute Image ist wichtig für "fiftyfifty"

Klimawandel und Energiewende, Mobbing im Internet, vegetarische Ernährung, aber natürlich auch Armut, Wohnungslosigkeit und Prostitution - die Themenpalette der Düsseldorfer Obdachlosenzeitung "fiftyfifty" ist breit. Jetzt wird sie 20 Jahre alt.

Wer das 24 Seiten starke Heft kauft, findet auch Kulturtipps über Kunst, Musik und Literatur und immer wieder Beiträge von Prominenten. Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm schrieb einen Gastbeitrag über den Götzen Mammon, die schottische Sängerin Amy McDonald nannte in einem Interview Armut einen Skandal. Und in der aktuellen Februar-Ausgabe spricht Udo Lindenberg über die Krisen der Welt, das Saufen und seine neue Show.

20 Jahre alt wird "fiftyfifty" im April dieses Jahres und zählt mit einer Auflage von rund 60.000 Exemplaren zu den größten Blättern der Szene in ganz Deutschland. Verkauft wird das Straßenmagazin nicht nur in Düsseldorf, auch in Bonn, Duisburg, Krefeld, im Bergischen Land, in Essen und in Frankfurt/Main. Und überall hilft die Zeitung dabei - so heißt es im Untertitel - "Obdachlose von der Straße (zu) lesen". Vom Verkaufspreis von 1,90 Euro darf der Verkäufer die Hälfte behalten, der Rest fließt in die Produktion. "Die Zeitung arbeitet kostendeckend", erklärt Initiator, Herausgeber und Chefredakteur Hubert Ostendorf.

Nach überstandener Krise wieder Überschüsse

Eine heftige Krise und einen Auflagenrückgang gab es vor zwei Jahren. Die Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des Heiligen Franziskus, mit denen "fiftyfifty" zusammengearbeitet hatte, war Anlagebetrügern auf den Leim gegangen und hatte mehr als sieben Millionen Euro verloren. "Damals habe ich kaum eine Zeitung verkaufen können, die Leute haben gedacht, auch wir hätten Gelder verzockt", erinnert sich der 32jährige "fiftyfifty"-Verkäufer Manfred an diese Zeit.

Daraufhin trennte sich "fiftyfifty" von dem Orden und suchte andere Unterstützer wie etwa die Diakonie in der NRW-Landeshauptstadt. Die 27 Jahre alte Anette, die ihren Stammplatz als Verkäuferin der Straßenzeitung vor einem Supermarkt im Düsseldorfer Stadtteil Derendorf hat, ist froh, "dass die Käufer uns jetzt nicht mehr nur ein Almosen zustecken wollen, sondern das Blatt wieder kaufen". Auch Ostendorf betont: "Die Krise ist überstanden, Gott sei dank. Wir haben wieder Überschüsse."

"fiftyfifty" ist auf das gute Image angewiesen, denn dahinter steckt inzwischen in Düsseldorf sehr viel mehr als nur die Straßenzeitung. Mit den Jahren ist mit Hilfe von Spenden und ehrenamtlichen Helfern eine ganze Reihe von Projekten entstanden, die Wohnungslosen und armen Menschen die unterschiedlichsten Lebenshilfen anbieten. "Wir machen Dinge, die andere nicht machen", sagt Ostendorf. Es gibt einen "Nachtbus" für Wohnungslose, die Verteilung von Kleiderspenden und Mahlzeiten. Im Projekt "Underdog" kümmern sich Tierärzte um die tierischen Freunde der Obdachlosen.

Projekte für das Jubiläumsjahr

Außerdem wurden inzwischen sieben Häuser angekauft, in denen Obdachlose untergebracht werden können. Viele Betroffene wurden in Wohnungen vermittelt, Hunderte nach oft jahrelangem Leben auf der Straße wieder an eine Arbeit herangeführt. Und auch die Hilfe für Armuts-Migranten und Flüchtlinge etwa aus Rumänien und Bulgarien ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Der Sozialarbeiter Oliver Ongaro, der die ebenfalls von "fiftyfifty" initiierte Flüchtlingsinitiative "Stay" in der NRW-Landeshauptstadt betreut, weiß, das viele von ihnen "nur vorübergehend in unserer Stadt sind. Sie brauchen dann eine Unterkunft und ein Zubrot, das sie sich mit dem Verkauf der Zeitung verdienen."

Dringend benötigtes Geld für die Sozialprojekte bringt die Kunst-Galerie "fiftyfifty". Sie verkauft Kunstwerke, die renommierte Künstler zur Verfügung stellen. Die Liste der prominenten Unterstützer ist lang: Neben den Fotokünstlern Andreas Gursky und Thomas Ruff steuerten auch der Maler und Objektkünstler Günther Uecker oder der inzwischen verstorbene Jörg Immendorff Werke bei. Gerhard Richter schenkte "fiftyfifty" im vergangenen Jahr eine Grafik. "Mit dem Preis für dieses Kunstwerk konnten wir vier Wohnungen kaufen", freut sich Ostendorf.

Im Jubiläumsjahr will der "fiftyfifty"-Herausgeber Spendengelder für ein weiteres neues Haus für Obdachlose sowie für eine Straßenambulanz sammeln. Außerdem plant er zum 20jährigen Bestehen des Straßenmagazins: "ein Glossen-Buch, ein Sonderheft und einen Stadtrundgang mit Obdachlosen und einem Mitglied der Kultband 'Tote Hosen'".

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ekir.de / Andreas Rehnolt, epd-west / Foto: FotoHiero/pixelio.de / 17.02.2015



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