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Erst zusammengepfercht auf lebensgefährlichem Kahn, dann in ungewissem Gewässer in deutschen Flüchtlingsheimen, kujoniert von  zwielichtigem Sicherheitspersonal: Der Schutz von Flüchtlingen muss neu organisiert werden. Erst zusammengepfercht auf lebensgefährlichem Kahn, dann in ungewissem Gewässer im deutschen Flüchtlingsheim: Der Schutz von Flüchtlingen muss neu organisiert werden.

NRW-Flüchtlingsgipfel

Dabei gebietet die Bibel, dem Fremdling beizustehen

Das Spitzentreffen zu Fragen der Unterbringung von Flüchtlingen in NRW ist „ein notwendiger Schritt, damit alle zivilgesellschaftlichen Kräfte, die Flüchtlingen helfen, besser an einem Strang ziehen“.  Das erklärt Kirchenrat Dr. Thomas Weckelmann.

Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung Nordrhein-Westfalen erhofft sich von dem Treffen in Essen eine intensivere, wirkungsvolle und dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche zum Wohl der Flüchtlinge. Die Hilfe für Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, ist für ihn ein christliches Grundanliegen: „Das Gebot, dem Fremdling beizustehen, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel.“

Seit langem engagieren sich Kirche und Diakonie in der Flüchtlingshilfe. Die Evangelische Kirche im Rheinland hatte zu Beginn des Jahres den Einsatz von zusätzlichen 250.000 Euro für die Stärkung der Flüchtlingsarbeit im Rheinland beschlossen, dazu weitere 250.000 Euro für Projekte mit ökumenischen Partnern an den EU-Außengrenzen.

Zu dem Spitzentreffen auf Einladung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft werden rund vierzig Vertreter von Flüchtlingsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Kirchen und aus der Politik nach Essen kommen. Gründe für das Treffen sind die wachsenden Probleme bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen und die mutmaßliche Misshandlung von Flüchtlingen durch Wachleute in mehreren Unterkünften.

Vor dem NRW-Flüchtlingsgipfel wachsen die Erwartungen. Die Grünen begrüßten das Zusammentreffen als wichtiges Signal. Die CDU legte einen Forderungskatalog mit Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Situation von Flüchtlingen vor, darunter eine bei der Staatskanzlei anzusiedelnde Ombudsstelle und einen "Heim-TÜV".

Kölner Kirchen fordern mehr Anstrengungen für Flüchtlinge

Die evangelische und die katholische Kirche in Köln mahnen mehr Anstrengungen an, die wachsende Zahl von Flüchtlingen in der Stadt menschenwürdig unterzubringen. Viele Flüchtlinge müssten unter mangelhaften Umständen leben, kritisierte der evangelische Stadtsuperintendent Rolf Domning. Unterbringung und Integration dieser Menschen sei eine Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft, nicht nur der Verwaltung. Derzeit leben in Köln etwa 4.000 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften.

Domning lobte, dass es bereits ein Auszugsmanagement gebe, das beim Verlassen der Notunterkünfte helfe. Außerdem hätten sich die Stadt und der Runde Tisch für Flüchtlingsfragen bemüht, die Bevölkerung in den Stadtteilen mit neuen Unterkünften über die Situation zu informieren. Damit sollten Vorbehalte und Hemmnisse abgebaut werden.

Der katholische Stadtdechant, Monsignore Robert Kleine, betonte, dass niemand seine Heimat freiwillig verlasse. Er forderte eine Willkommenskultur, um gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen. Angesichts vermutlich weiter steigender Flüchtlingszahlen sei ein Gesamtkonzept anstelle kurzfristiger Krisenreaktion nötig. Bund und Land müssten den Kommunen dafür mehr Geld zur Verfügung stellen. Auch Pfarreien und kirchliche Träger sollten prüfen, ob sie Wohnungen für Flüchtlinge anbieten könnten.

Der evangelische Pfarrer Jost Mazuch mahnte "einen Masterplan für die Unterbringung der Flüchtlinge" an. In den kommenden zwölf Monaten seit mit 1.500 weiteren Menschen zu rechnen. erklärte der Theologe, der auch erster Sprecher des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen in Köln ist. Mazuch kritisierte, dass viele der betroffenen Kinder und Jugendlichen noch nicht die Schule besuchen dürften. Je länger das verzögert werde, desto schwieriger werde der Einstieg in die deutsche Gesellschaft.

Als nicht hinnehmbar sehen die Kirchen die Lage in der ehemaligen Kfz-Zulassungsstelle, in der 80 Flüchtlinge unterkommen sollten, inzwischen aber 700 leben, wie auch den Plan, Flüchtlinge in einen leerstehenden Baumarkt einzuquartieren. In der Großhalle hätten sie nur notdürftigen Sichtschutz voreinander. Es gebe keine Privatsphäre. Wasch- und Kochgelegenheiten müssten alle gemeinsam nutzen.

Konferenz Diakonie und Entwicklung: Flüchtlingen Schutz und sichere Bleibe geben

Die Konferenz Diakonie und Entwicklung fordert einen menschlicheren Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland, in Europa und weltweit. In der einstimmig verabschiedeten Erklärung setzen sich die Delegierten dafür ein, die Aufnahme von Flüchtlingen als eine dauerhafte Aufgabe anzusehen. "Dringend erforderlich ist die sofortige Aufnahme von deutlich mehr Flüchtlingen, die sich gegenwärtig in Jordanien und im Libanon aufhalten, in Europa", so die Delegierten. Sie fordern mehr europäische Solidarität und eine faire internationale Verantwortungsteilung beim Schutz und bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

"Die Seenotrettungsoperation Mare Nostrum der italienischen Regierung muss auf europäischer Ebene in vollem Umfang finanziell unterstützt und fortgeführt werden." Außerdem sprechen sie sich dafür aus, dass Asylsuchende ihren Asylantrag in dem Land stellen dürfen, in dem familiäre, kulturelle und soziale Kontakte vorhanden sind.

Die Konferenz empfiehlt, Flüchtlinge in Deutschland in Wohnungen unterzubringen und nicht in Gemeinschaftsunterkünften. Dies gilt insbesondere für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge wie kranke und traumatisierte Menschen. Zugleich weisen die Delegierten darauf hin, dass Deutschland zum Beispiel durch Rüstungsexporte in akute Bürgerkriegs- und Konfliktgebiete eine Mitverantwortung für Flucht trägt. "Ursachenbekämpfung wirkt nur langfristig. Deutschland und die Europäische Union müssen sich darauf einstellen, dass es der Normalfall bleibt, dass Flüchtende bei uns Schutz und eine sichere Bleibe suchen."

Die Diakonie unterhält 131 Flüchtlingsunterkünfte und 600 Beratungsstellen für Flüchtlinge in Deutschland. Die Diakonie Katastrophenhilfe leistet mit ihrem internationalen Netzwerk Act Alliance weltweit humanitäre Hilfe und bietet Flüchtlingen Zuflucht.

Bundesweiter Flüchtlingsgipfel

Am kommenden Donnerstag soll es auch einen bundesweiten Flüchtlingsgipfel geben. Frage ist dabei vor allem, wie der Bund Ländern und Kommunen finanziell unter die Arme greifen kann.

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 20. Oktober 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 20. Oktober 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de, epd-West; Cartoon: Michael Hüter / 20.10.2014



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