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Studientag 'Flucht, Taufe - und was dann?' in Essen Beim Studientag "Flucht, Taufe - und was dann?" v.l. vom Weigle-Haus Ulrich Lerch, Assal Heidari und Pfarrer David Gabra sowie von der VEM Dr. Claudia Währisch-Oblau.

Studientag Flucht und Taufe

Wie mehrstimmiges Singen

Migrantinnen und Migranten sind ein Segen für die deutschen Kirchen. Das wurde beim Studientag „Flucht, Taufe – und was dann?“ deutlich. Der Tag im Weigle-Haus in Essen drehte sich um „Theologische Grundlagen und praktische Ideen für die interkulturelle Gemeindearbeit“, so der Untertitel.

Künftig sei nicht mehr von Migranten und Deutschen zu reden, sondern von Geschwistern, das forderte einer der Referenten des Studientags, Johannes Weth, Pfarrer des interkulturellen Projekts „Himmelsfels“ in Spangenberg bei Kassel. Der Studientag wurde von deutscher Seite als inspirierend, herausfordernd und mit Blick auf die vielen praktischen Anstöße als hilfreich wahrgenommen.

Von den Teilnehmenden mit Migrationshintergrund war das Echo zu hören, sich verstanden und willkommen gefühlt zu haben und mit den eigenen Anliegen gehört worden zu sein. Rund 170 Teilnehmende verzeichnete der Tag, davon fast ein Drittel Menschen mit Migrationshintergrund. Für Übersetzungen in Farsi und Arabisch war gesorgt worden.

Wie viel Vielfalt verträgt eine Gemeinde?

Wie verändert die Integration von Neugetauften die Gemeinde? Wie viel kulturelle Vielfalt verträgt eine lokale Gemeinde? Welche Hilfestellungen und Beratung brauchen Gemeinden? Das waren die Ausgangsfragen des Tages, zu dem die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), das Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (Moewe) der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und die Vereinte Evangelische Mission (VEM) eingeladen hatten.

Einig waren sich die Teilnehmenden in den Diskussionen, dass die Kirche von Natur aus interkulturell und die Bibel in großen Teilen ein Buch von Flüchtlingen für Flüchtlinge sei. Darum können Geflüchtete den Christen in Deutschland dabei helfen, die Bibel besser zu verstehen und somit Kirche zu sein wie Kirche gemeint ist. „Dann werden nicht die Ausländer deutsch, sondern wir werden gemeinsam gläubig“, meinte Pfarrer Weth in seinem Vortrag.

Interkulturelle Kirche wird zur Normalität

Mit jeder Taufe – beispielsweise einer Iranerin – taufe die Kirche „in die weltweite Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi“ hinein. Weth: „Damit wird die interkulturelle Kirche nicht das Besondere, sondern das Normale.“ Rhetorisch fragte der Theologe: „Wollen wir am Ende als weiße bürgerliche Klientelkirche zurückbleiben?“

Allerdings: Ein transkulturelles Gemeindeleben lasse sich nicht einfach so entwickeln. Pläne gingen oft nicht auf. Auftretende Konflikte sollten nicht umgangen, sondern als Chance zum gegenseitigen Lernen verstanden werden, so wie die Mehrstimmigkeit beim Singen erwünscht ist. Dabei wurde auch klargestellt, dass eine Gemeinde niemandem gehört, sondern der Ort ist, an dem man gemeinsam bei Christus zuhause ist.

Beispiel 1: interkulturelles Leben im Essener Weigle-Haus

Vorgestellt wurden an diesem Tag zwei interkulturelle Gemeindeprojekte. Das eine war das gastgebende Weigle-Haus, ein Jugendhaus mit einer Erwachsenengemeinde. Viele Geflüchtete und Migranten kommen über die Kinder- und Jugendarbeit ins Weigle-Haus.

Für die Erwachsenengemeinde, die zu zwei Dritteln aus Deutschen besteht, ist ein ägyptischer Pfarrer angestellt. Die deutschsprachigen Sonntagsgottesdienste werden in einem wöchentlichen interkulturellen Bibelkreis vorbereitet. Migrantinnen und Migranten gehören inzwischen dem Gemeinderat an und leiten auch den interkulturellen Bibelkreis.

Beispiel 2: Paderborner deutsch-iranische Gemeinde

Als zweites Projekt wurde die deutsch-iranische Gemeinde im Lukaszentrum von Paderborn gezeigt. Hier finden regelmäßige gemeinsame Gottesdienste auf Deutsch statt. Darüber hinaus wird zumeist ein zusätzliches Nachmittagsprogramm für Iranerinnen und Iraner in Farsi angeboten. Die EKvW hat für diese Gemeinde neben dem deutschen Pfarrer auch einen iranischen Pfarrer angestellt, der im gesamten Kirchenkreis Iranerinnen und Iraner betreut.

Tauf- und Abendmahlsgottesdienste werden immer gemeinsam abgehalten. Die Kirchengemeinde hat zudem einen deutsch-iranischen Kulturverein gegründet, der regelmäßig interkulturelle Veranstaltungen in Paderborn anbietet.

Geschwister werden

Die Rückfragen an die beiden Gemeindeprojekte und Referenten befassten sich vornehmlich mit praktischen Aspekten des interkulturellen Zusammenlebens, zum Beispiel rund um die Kommunikation, gute Bibelübersetzungen auf Farsi und den Zugang zu Liedern in Deutsch und Farsi.

Über die Frage, was man jeweils von dem anderen erwarte, entstand ein Austausch zwischen Deutschen und Migranten, der mehr Ehrlichkeit von der einen Seite und eine bessere Wahrnehmung von Bedürfnissen von der anderen Seite forderte. Debatten also von Menschen auf dem Weg zum geschwisterlichen Miteinander.

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ekir.de / vem, neu, Foto Sarah Vecera / 22.01.2018



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