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Flüchtlinge aus Syrien in der evangelischen Kirche in Oberhausen-Schmachtendorf. Rund fünfzig Asylsuchende aus Syrien haben sich in der ungewöhnlichen Behausung eingerichtet. Täglich kümmern sich ehrenamtliche Gemeindemitglieder um die Menschen. epd-Foto Flüchtlinge aus Syrien in der evangelischen Kirche in Oberhausen-Schmachtendorf. Insgesamt haben sich rund fünfzig Asylsuchende aus Syrien in der ungewöhnlichen Behausung eingerichtet.

Oberhausen

Zuflucht zwischen Orgel und Altarraum

In der evangelischen Kirche in Oberhausen-Schmachtendorf leben seit November 54 Flüchtlinge. Die Gemeinde wurde überrascht vom medialen Interesse und von der Hilfsbereitschaft der Gemeindemitglieder. Aus Ärger traten aber einige auch aus der Kirche aus. 

Jeden Tag bringt Thomas Drohtler eine Kiste mit Mandarinen in die evangelische Kirche in Oberhausen-Schmachtendorf. Dort sind seit Anfang November 54 Flüchtlinge untergebracht. "Die Kinder kennen mich schon, die sagen: Da kommt der Opa mit den Mandarinen", sagt Drohtler. Der Rentner ist einer von zahlreichen Ehrenamtlichen, die die Flüchtlinge betreuen. Nicht nur um die Vitamine kümmert sich Drohtler, sondern er versucht auch, den Asylsuchenden Wohnungen zu vermitteln.

Gemeindepfarrer Thomas Lewin war überrascht, wie schnell sich Freiwillige gefunden haben, die sich um die Flüchtlinge kümmern wollten. Darunter seien auch Menschen, die in der Gemeinde vorher noch nicht in Erscheinung getreten seien. "Innerhalb von 48 Stunden, nachdem die Stadt die Betten aufgebaut hatte, bekamen wir 50 Wolldecken, und 40 Leute tauchten auf, um die Kirche wohnlich zu gestalten", berichtet Levin.

Noch mehr überraschte die Gemeinde das mediale Interesse an der Flüchtlingsaufnahme. Der Kirchenkreis Oberhausen beschäftigt aus Geldmangel keinen Pressereferenten. Eines hätte der Kirchenkreis aber in den vergangenen Wochen mit Sicherheit gebrauchen können: einen Ansprechpartner für die Medien. So müssen die Pfarrer selbst auf die zahlreichen journalistischen Anfragen reagieren.

Drei Austritte

Vereinzelt gab es in den Medien auch Berichte über Unfrieden in der Gemeinde im Zusammenhang mit den Flüchtlingen. Dem tritt Superintendent Joachim Deterding jedoch entschieden entgegen: "Es ist eher so, dass uns Leute, die die Aufnahme zuvor kritisch gesehen haben, inzwischen aktiv helfen", berichtet er. Allerdings seien auch drei Gemeindemitglieder aus Ärger aus der Kirche ausgetreten.

Auch Berichten, dass die Unterbringungsbedingungen in der Kirche schlecht seien, widerspricht Deterding. "Ich wohne direkt neben der Kirche und habe nichts davon gemerkt, dass die Menschen sich unwohl fühlen", sagt der Superintendent und räumt zugleich ein: "Natürlich ist eine Kirche für so etwas auf Dauer nicht ausgelegt, aber das war ja klar."

Arzt hilft ehrenamtlich

Nur mit einer syrischen Familien habe es Probleme gegeben, berichtet der Theologe. Die Familie sei in Syrien offenbar sehr reich gewesen und habe viel Geld an Schlepper bezahlt. "Diese Schlepper haben denen gesagt, sie würden in Deutschland eine Villa mit Pool bekommen. Da war natürlich klar, dass sie mit einer Kirche enttäuscht würden." Inzwischen wurde die Familie aber in eine Wohnung vermittelt.

Mittlerweile wurde in der Kirche ein Heizsystem installiert, so dass das zu Beginn noch sehr kalte Gebäude nun beheizt ist. Auch die ärztliche Versorgung ist gewährleistet - und das besser, als in vielen anderen Flüchtlingsunterkünften: Ein Arzt aus der Gemeinde kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohnerinnen und Bewohner.

Flüchtlinge würden lieber selber kochen

Die Menschen haben sich in ihrer ungewöhnlichen Unterkunft zwischen Orgel und Altarraum inzwischen eingerichtet. Ein junger Mann bietet gleich Kaffee an und erzählt, dass er in Syrien als Grafiker gearbeitet hat und nun hofft, in Deutschland einen Job zu finden.

Einzig die Essensversorgung durch einen Caterer findet er gewöhnungsbedürftig. Täglich bringt das Deutsche Rote Kreuz fertig gekochte Speisen in die Kirche. Viele Flüchtlinge würden lieber selber kochen. "Das wird wohl auch gehen", sagt Pfarrer Levin. "Das Gesundheitsamt spricht sich nicht dagegen aus, es ist nur eine Frage der Technik." Die Lösung ist in Arbeit.

Garten ist die Abenteueroase der Kinder

Den Kindern fällt der Einstieg am leichtesten. Sie haben ihre Spielecke, und den zahlreichen Spielsachen nach zu urteilen, haben sie die Kirche und den dazugehörigen Garten bereits als Abenteueroase für sich entdeckt. Auch Kinder aus der Gemeinde kümmern sich um ihre Altersgenossen. Konfirmanden kommen zum Spielen.

Langfristig will der finanzschwache Kirchenkreis Oberhausen die Schmachtendorfer Kirche aufgeben. Die Unterhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes ist zu kostspielig. Als Notquartier für Flüchtlinge soll die Kirche noch bis spätestens Februar genutzt werden.

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epd / Carsten Grün, Foto Stefan Arend / 28.12.2015



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