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Saarland

Diakoniepfarrer: Gewalt in der Flüchtlingsberatung eher selten

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Mitarbeiter einer psychosozialen Beratungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) für Flüchtlinge in Saarbrücken warnt die Diakonie Saar vor voreiligen Reaktionen. Die Tat mache sehr betroffen, sagte Diakoniepfarrer Udo Blank dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Wir sollten aber aus der Betroffenheit heraus nicht zu schnell reagieren, sondern noch mal draufschauen." Der Theologe plädierte dafür, jetzt keine hohen Hürden für hilfesuchende Menschen aufzubauen. Der offene Charakter der Angebote dürfe nicht auf einmal infrage gestellt werden. "Das sind offene Hilfsangebote, zu denen Menschen kommen können", erläuterte der Geschäftsführer der Diakonie Saar. "Da muss man aufpassen, dass man keine Schwellen und Hürden einbaut, die die Hilfe erschweren."

Blank betonte, solche Vorfälle kämen nicht nur in der Flüchtlingsarbeit vor. "Das Risiko, mit Gewalt konfrontiert zu werden, betrifft genauso die Jugendhilfe oder die Wohnungslosenbetreuung." In der Migrationsberatung sei dieses eher noch seltener.

Der Pfarrer verwies auf einen ähnlichen Vorfall in Rodalben bei Kaiserslautern, wo vor einigen Jahren eine Jugendhelferin getötet wurde. 2016 sei auch eine für die Diakonie tätige Erzieherin im Saarland von einem Jugendlichen angegriffen und schwer verletzt worden.

In jeder Form der Traumaberatung würden die Mitarbeiter mit Gewalt konfrontiert, sagte der Diakoniepfarrer. Das Thema begleite die Diakonie in vielen Arbeitsfeldern. Die Berater würden immer wieder darauf hingewiesen, vorsichtig zu sein. Für Mitarbeiter ohne Fachausbildung, wie Verwaltungsangestellte oder Sekretärinnen, gebe es seit Jahren Deeskalationsfortbildungen.

Die Diakonie Saar ist selbst in verschiedenen Bereichen in der Flüchtlingsberatung engagiert, unter anderem in der Landesaufnahmestelle Lebach. Blank sagte, in Saarbrücken sei ein hoch qualifizierter Berater Opfer geworden. Er habe die Situation einschätzen und sich auch sprachlich mit dem mutmaßlichen Täter verständigen können. "Aber trotzdem kann einem so etwas passieren."

Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte am Mittwoch ein 27-jähriger Syrer in einer DRK-Stelle für psychosoziale Beratung von Flüchtlingen und Migranten in Saarbrücken einen 30-jährigen irakisch-stämmigen Psychologen mit einem Messer tödlich verletzt. Der mutmaßliche Täter stach sich anschließend zweimal selbst in den Bauch und soll jetzt von einem Psychiater untersucht werden. "Wir wissen ja auch noch nicht, welche schrecklichen Erlebnisse der Täter in sich trägt und was da aufgebrochen ist", sagte Blank.

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epd / 08.06.2017



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