EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr
Misshandlungsfälle in Flüchtlingsheimen

Kritik an privaten Wachdiensten

Der Skandal um mutmaßliche Misshandlungen von Flüchtlingen durch Sicherheitsleute in Asylunterkünften in NRW weitet sich aus. Angebliche Gewalttaten in Burbach und Essen lösten Bestürzung aus, ein weiterer Verdachtsfall aus Bad Berleburg wurde bekannt.

Wie der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte, wird in Bad Berleburg gegen zwei Sicherheitsmitarbeiter wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Am 12. September sei es in der Flüchtlingsunterkunft des Roten Kreuzes vermutlich zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Bewohnern gekommen, sagte Daheim. Beim Eingreifen der Sicherheitsleute sei der Angreifer mutmaßlich verletzt worden.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln daneben wegen Vorfällen in Essen und Burbach. Wegen Misshandlungen in der Notunterkunft in Burbach wird nach Angaben des Siegener Oberstaatsanwalts mittlerweile gegen sechs Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes ermittelt. Dort war ein anderer Sicherheitsdienst tätig als in Bad Berleburg.

Drei Anzeigen in Essen

Bei der Essener Polizei sind drei Anzeigen wegen Körperverletzung eingegangen. Betroffen ist das Flüchtlingsheim im Opti-Park. Die beschuldigten Wachmänner sind offenbar vorbestraft. Beide Flüchtlingsheime werden von der Firma European Homecare betrieben, die Sicherheitskräfte waren bei einem Subunternehmer angestellt.

Die Vorfälle haben bundesweit Bestürzung ausgelöst. Die Bundesregierung forderte am Montag eine schnelle Aufklärung. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, "dann wären dies widerwärtige Taten", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) nannte die Vorkommnisse im WDR beschämend und räumte ein, dass offenbar nicht genug kontrolliert worden sei.

Aufklärung versprochen

Das Essener Unternehmen European Homecare äußerte sich "fassungslos und schockiert". Geschäftsführer Sascha Korte entschuldigte sich für die Vorfälle und versprach Aufklärung. Nach seinen Worten wurde der Sicherheitsfirma bereits gekündigt. Das Wachpersonal in den bundesweit 40 von European Homecare betriebenen Flüchtlingsheimen kommt nach seinen Worten von Behörden oder regionalen Subunternehmen.

Firmensprecherin Renate Walkenhorst hatte am Wochenende dem WDR gesagt, zurzeit könnten wegen der vollen Belegung aller Flüchtlingsheime die vorgeschriebenen Standards und Personalschlüssel nicht eingehalten werden. Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg erließ einen Sofortplan mit schärferen Auflagen für European Homecare, wonach künftig nur geprüftes Sicherheitspersonal mit polizeilichem Führungszeugnis eingesetzt werden darf.

Folge des privatisierten Staates

Unterdessen wurde Kritik an privaten Sicherheitsdiensten laut. Die Deutsche Polizeigewerkschaft nannte die Vorfälle eine Folge zunehmender Privatisierung von öffentlichen Aufgaben. "Zynisch möchte man sagen: Willkommen im schlanken, privatisierten Staat", sagte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

"Pro Asyl"-Geschäftsführer Günter Burkhardt forderte im Deutschlandradio Kultur mehr Kontrollen in Einrichtungen: "Warum gab es keine Sozialarbeiter, keine Person des Vertrauens, an die sich die Flüchtlinge gewendet haben?"

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

epd / 29.09.2014



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland – EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung