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NRW-Familienministerin Christina Kampmann (M.) in der Essener Flüchtlingsunterkunft 'Am Funkturm' mit Kindern. Sie besuchte die vom Diakoniewerk Essen betriebene Einrichtung zum Auftakt einer sommerlichen 'Mutmacher'-Tour. NRW-Familienministerin Christina Kampmann (M.) in der Essener Flüchtlingsunterkunft "Am Funkturm" mit Kindern. Sie besuchte die vom Diakoniewerk Essen betriebene Einrichtung zum Auftakt einer sommerlichen "Mutmacher"-Tour.

Brückenprojekt für Flüchtlingskinder

Wenn Kinder das Meer mit Toten drin malen

Auf den ersten Blick sieht es aus wie in anderen Kindertagesstätten auch, nur deutlich bescheidener ausgestattet: eine Rutsche, ein Kaufmannsladen, ein paar Bauteppiche mit Autos. Es ist eins der acht neuen Brückenprojekte des Diakoniewerks Essen, die Flüchtlingsunterkunft "Am Funkturm".

Seit März ist sie ein Ort zum Atemholen und Ankommen für Kinder aus Syrien und dem Irak, aus Bangladesch und Somalia. Die 25 Mädchen und Jungen im Vorschulalter tollen in der Kita herum und erobern sich jeden Winkel des Raumes, der noch die nüchterne Schmucklosigkeit des früheren Bürogebäudes atmet. Aber das macht ihnen offensichtlich nichts aus, sie haben schon ganz anderes erlebt. Traumata, die hin und wieder unter dem vertrauten Blick der Betreuerinnen erkennbar werden.

"Anfangs haben die Jungs nur mit Autos gespielt und die Mädchen nur mit Puppen, aber dann haben sie auch die Bücher und Stifte entdeckt und sich getraut Neues auszuprobieren," berichtet Betreuerin Vasiliki Tsipeli von den ersten zwei Monaten. "Sie mussten uns erst vertrauen lernen, solche Betreuung wie bei uns in Kitas außerhalb des Hauses gibt es ja in arabischen Ländern nicht", sagt die junge griechischstämmige Frau, die sich in Kinderpsychologie spezialisiert.

Einer der größeren Jungen habe nachmittags einmal das Meer gemalt mit weitem Strand. Und im Meer schwamm ein totes Kind. "Er hat viele Tote gesehen, das bringen die Kinder alles hierher mit," sagt Tsipeli.

Erleichterung bei der Eingewöhnung

Um die Startchancen für Flüchtlingskinder im Vorschulalter zu verbessern, gibt es mittlerweile in ganz Nordhein-Westfalen eigens für sie niedrigschwellige Brückenprojekte. Offiziellen Angaben zufolge werden in NRW derzeit mehr als 6.600 Kinder in 800 solchen Maßnahmen betreut.

"Sie erleichtern die Eingewöhnung, die Kinder erhalten erste pädagogische Förderung und erlernen spielerisch die Sprache", sagt NRW-Familienministerin Christina Kampmann am Dienstag beim Besuch der Übergangseinrichtung "Am Funkturm" zum Konzept. "Wir dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, die wir bei der Integration von Gastarbeitern gemacht haben."

Das gelte auch für die Einbeziehung von Frauen, die durch die Betreuung ihrer Kinder mehr für die eigene Entwicklung tun könnten. Im Jahr 2016 habe das Land NRW bereits 20 Millionen Euro für Brückenprojekte zur Verfügung gestellt, 2015 seien es 6 Millionen gewesen.

Anerkennung der kirchlichen Flüchtlingsarbeit

Dass die Ministerin auf ihrer sommerlichen Mutmacher-Tour durch NRW zuerst das Brückenprojekt des Diakoniewerks Essen besucht hat, ist für Geschäftsbereichsleiter Ulrich Leggereit auch eine Anerkennung der kirchlichen Flüchtlingsarbeit insgesamt. "Angesichts der Flüchtlingssituation mussten wir alle konzeptionell völlig umdenken", beschreibt er die neuen Angebote für Kinder. Denn der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz gelte auch für Flüchtlingskinder, allein in Essen sind es derzeit rund 900.

Für Leggereit geht es bei den Angeboten jedoch immer auch um die ganze Familie, um Ausflüge oder Nachbarschaftsfeste etwa: "Wir wollen, dass die Menschen aus der Isolation herauskommen und in der Wirklichkeit unserer Stadt ankommen. Dazu sind die Kinder, die die Sprache so schnell lernen, selbst eine wichtige Brücke."

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epd, Bericht: Bettina von Clausewitz, Foto: Stefan Arend / 12.07.2016



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