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Eröffnung des Schalters Bei der Schalter-Eröffnung; Die Hauptamtlichen der Flughafenseelsorge Johannes Westerdick (4.v.l.) und Ute Clevers (5.v.l.) mit einem Teil ihrer ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen.

Flughafenseelsorge

Mittendrin in der „Kleinstadt“ Flughafen

Die Ökumenische Flughafenseelsorge in Düsseldorf hat nun einen eigenen Schalter – mitten in der Abflughalle des Terminals. Dort ist sie Anlaufstelle für Reisende und deren Angehörige, für Mitarbeitende, Rettungskräfte und Angestellte der Fluglinien.

Eine der Willkommenstafeln am neuen Schalter. Eine der Willkommenstafeln am neuen Schalter.

Die Abflughalle am Düsseldorfer Flughafen ist gut gefüllt. Sommerferien. Hauptreisezeit. Schräg gegenüber von den Check-in-Schaltern einer deutschen Fluggesellschaft sitzen zwei freundliche Menschen an einem Schalter, vor dem auf zwei großen Tafeln das christliche Kreuz auf blauem Untergrund prangt. Im Längs- und Querbalken zu lesen ist das Wort „Willkommen“, in 17 verschiedenen Sprachen.

Die beiden Ehrenamtlichen in der Flughafenseelsorge, Michael Hackl und Martina Adamczyk, zeigen einer jungen Frau den Weg zum Check-in-Schalter ihrer Fluglinie. Ein Mitarbeiter des Servicepersonals grüßt im Vorbeigehen. Einige Momente später hält ein Mann mittleren Alters vor den Tafeln mit dem Kreuz an: „Mein Flug geht erst in neun Stunden. Wo kann ich mein Gepäck so lange abgeben?“

Dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Flughafenseelsorge Löcher in die Luft starren, kommt nicht vor. Immer wieder halten Menschen an ihrem Stand an. Manche blicken sich suchend um, trauen sich nicht sofort, ihre Frage zu stellen. Andere sind direkter. „Wir sind so etwas wie der fünfte Infoschalter am Flughafen“, sagt Ute Clevers. Die evangelische Diplom-Sozialpädagogin steht gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen, dem Pastoralreferenten Johannes Westerdick,  hauptamtlich der Ökumenischen Flughafenseelsorge vor.

Flughafenseelsorge ist für alle da

Diese ist seit nun vor kurzem von ihrem Büro in der dritten Etage des Flughafengebäudes nach unten an den neuen Schalter im Terminal gezogen, mitten rein ins Geschehen in der „Kleinstadt“ namens Airport. Dort ist die Flughafenseelsorge weiterhin Anlaufstelle für Fragen, Sorgen und religiösen Beistand. „Zu uns kommen die Mitarbeiter von den Infoschaltern, Feuerwehrleute, Angehörige von Reisenden, die Reisenden selbst oder Angestellte der Fluglinien. Wir sind für fast alle Menschen am Flughafen da“, erklärt Ute Clevers.  „Es ist ein entspanntes und kraftvolles Arbeiten.“

Der neue Schalter befindet sich in der Abflughalle. Der neue Schalter befindet sich in der Abflughalle.

Inzwischen gehört zur Flughafenseelsorge ein ehrenamtliches Team von 30 Männern und Frauen, bis zum Oktober sollen rund 20 weitere dazukommen. Sie sitzen am Counter, übernehmen Sonderaufgaben wie beispielsweise die Begleitung eines blinden Reisenden, oder sind im Terminal unterwegs. „Wir nehmen den Menschen das Gefühl der Unsicherheit oder Hilflosigkeit“, sagt Michael Hackl.

In den Sommerferien ist am Flughafen naturgemäß deutlich mehr los, wie Ute Clevers erklärt: „Derzeit ist massig zu tun. Viele Menschen verreisen aber nur einmal im Jahr. Sie verstehen das ,System Flughafen‘ vielleicht nicht, suchen etwas Bestimmtes, werden schnell hektisch. Wir ,übersetzen‘ dieses System in die Normalsprache.“ Dazu arbeitet die Flughafenseelsorge eng mit dem Sicherheitspersonal zusammen. „Als Schnittstelle dürfen uns alle nutzen.“

Ein bisschen, so sagt sie, sei ihre Arbeit der einer Gemeindepädagogin ähnlich. Doch es sind nicht nur schnelle Anliegen, um die sie sich kümmert. „Ich habe auch schon Leute betreut, die schwer krank waren, ihre Reise nicht antreten konnten.“ Vor zwei Jahren betreute die Seelsorgerin unter anderem auch die Angehörigen nach dem Germanwings-Absturz.

Dann dreht Ute Clevers eine ihrer üblichen Runden durch die Abflughalle. Sie geht langsam, zeigt, dass sie Zeit hat. Sie beobachtet. Durch den Zollbereich führt der Weg zu den Gepäckbändern. Dort erklärt sie ihrer ehrenamtlichen Kollegin Martina Adamczyk, wo diese später einen blinden Reisenden abholen kann, um ihn zum Flughafen-Bahnhof zu begleiten.

In Krisen Ruhe ausstrahlen

Die Seelsorgerin erzählt von einem Einsatz. Nach einem Anruf des Notfall-Managements übernahm Clevers vor einigen Wochen gemeinsam mit einigen Ehrenamtlichen die Betreuung der Abholer im Ankunftsbereich. Einer Maschine waren beim Anflug alle Reifen geplatzt, bereits am Abflugort hatte das Flugzeug zuvor vier Stunden gestanden. Und zwei Stunden nach der Landung in Düsseldorf warteten die Familien und Freunde noch immer vor der Schiebetür, mit steigender Nervosität. „Wir haben Wasser verteilt, Ruhe ausgestrahlt. Das wirkt auf die Menschen. Es war alles in Ordnung. Aber jemand musste es ihnen auch zeigen.“

Auf dem Weg zurück zum Counter kommt Ute Clevers eine junge Frau entgegen, auf dem Arm ein kleines Kind. „Bin ich hier richtig, um mein Gepäck abzuholen?“, fragt sie. „Nein, Sie müssen ein Stück nach links. Dann laufen Sie direkt darauf zu“, sagt Clevers und setzt ihre Runde fort.

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ekir.de / Tobias Kemberg, Foto: Diakonie Düsseldorf/Anne Wolf / 04.08.2017



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