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Frei leben ohne Gewalt: Karin Bartl (l.) und Hartfried Toennessen (r.) vom Duisburger Frauenhaus sowei Präses Manfred Rekowski und Irene Diller. Frei leben ohne Gewalt: Karin Bartl (l.) und Hartfried Toennessen (r.) vom Duisburger Frauenhaus sowei Präses Manfred Rekowski und Irene Diller.

Präses besucht Frauenhaus in Duisburg

Hilfe für Frauen in existenzieller Not

Anlässlich des Internationalen Tages „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland das Frauenhaus Duisburg besucht und die dortige Arbeit gewürdigt. 

Irene Diller, Theologin aus dem Düsseldorfer Landeskirchenamt. Irene Diller, Theologin aus dem Düsseldorfer Landeskirchenamt.

Weltweit erreicht Gewalt gegen Frauen alarmierende Ausmaße. Auch in Deutschland erleben Frauen täglich häusliche Gewalt. Längst hat die Landessynode der rheinischen Kirche dagegen gehalten: „Gewalt gegen Frauen verletzt Gott selbst. Gewalt gegen Frauen ist Sünde.“ Dieser Satz der Landessynode 2000 sei „heute so aktuell wie damals“, sagt Irene Diller, Theologin in der Gender- und Gleichstellungsstelle der rheinischen Kirche.

Mit ihren beiden Frauenhäusern in Alsdorf und Duisburg engagiert sich die Kirche auch praktisch, gibt Frauen, die häusliche Gewalt erlitten haben, und ihren Kindern Schutz. Außerdem beteiligt sie sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion von Terre des Femmes am Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Nicht nur im Landeskirchenamt wird am 25. November die Fahne „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ gehisst.

Würdigung der Frauenhausarbeit: Präses Manfred Rekowski. Würdigung der Frauenhausarbeit: Präses Manfred Rekowski.

Wichtige Arbeit

"Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Ich halte es nicht mehr aus.“ Diesen Wunsch für die Opfer von Gewalt schrieb Präses Manfred Rekowski auf eine Wunschkarte, die bei der Aktion "Wunschluftballon" des Runden Tisches Gewaltschutzgesetz Duisburg am 25. November dabei sein wird. Zuvor gewann der Präses Einblicke und Eindrücke von der Frauenhausarbeit. Rekowski: „Ich halte die Arbeit der Frauenhäuser in kirchlicher Trägerschaft für sehr wichtig. Sie helfen Frauen in existenzieller Not.“

Karin Bartl ist die stellvertretende Leiterin des evangelischen Frauenhauses in Duisburg. Karin Bartl ist die stellvertretende Leiterin des evangelischen Frauenhauses in Duisburg.

So selbstständig wie möglich

In den neun Apartments des Hauses leben derzeit sieben Frauen mit ihren Kindern, berichtete die stellvertretende Leiterin des evangelischen Frauenhauses, Karin Bartl. Die Aufenthaltsdauer ist unterschiedlich: mal nur ein Wochenende, mal mehrere Monate. Zeitliche Vorgaben bestünden nicht, aber jeder Aufenthalt bleibe vorübergehend, so Bartl.

Im Alltag leben die betroffenen Frauen so selbstständig wie möglich, gehen möglichst selbst einkaufen, kochen selbst. Die Mitarbeiterinnen leisten Beratungsarbeit. In manchen Fällen gelte es Therapie zu vermitteln, so Bartl. Oder mehr: „Es gibt Frauen, die so traumatisiert sind, dass sie erst einmal in eine psychiatrische Klinik gehen.“

Hartfried Toennessen ist Geschäftsführer des evangelischen Frauenhauses Duisburg. Hartfried Toennessen ist Geschäftsführer des evangelischen Frauenhauses Duisburg.

Auf Spenden angewiesen

Handlungsbedarf hat das Frauenhaus nach Angaben von Geschäftsführer Hartfried Toennessen derzeit in Sicherheitsfragen. Das Haus mit geheim gehaltener Adresse und doppelt gesichertem Eingang muss wegen moderner technischer Möglichkeiten wie Handyortung sicherer gemacht werden. Der Zuschuss des Landes NRW decke rund 60 Prozent der Personalkosten, ist seit längerem eingefroren und berücksichtigt keine Steigerungen bei den Personalkosten.

Weitere Kosten in Höhe von rund 160.000 Euro jährlich könnten nur mithilfe von Geld- und Sachspenden gedeckt werden. Dazu gehören Mittel der Sparkasse Duisburg, eine landeskirchliche Kollekte, die auf die beiden evangelischen Frauenhäuser im Rheinland verteilt wird, sowie Spenden aus Kirchengemeinden.

Karte für die Aktion Wunschluftballon am 25. November: Präses Rekowski. Karte für die Aktion Wunschluftballon am 25. November: Präses Rekowski.

Dank für die Hilfe

Fundraising sei vermutlich kaum möglich, hakte der Präses nach. In der Tat: „Wir sind kein öffentliches Haus, wir arbeiten verborgen vor der Öffentlichkeit“, erläuterte Geschäftsführer Toennessen, warum öffentlich wirksamen Aktionen und insbesondere Fundraising Grenzen gesetzt sind.

Weiter erkundigte sich der Präses: „Sie bekommen existenzielle Erfahrungen mit, die man nicht einfach abschütteln kann, wie gehen Sie damit um?“ Das Team nehme regelmäßig Supervision in Anspruch, berichtete Karin Bartl. Darüber hinaus tue der Austausch im Team gut. Außerdem erklärte sie: „Ich habe einen Anker in meinem Glauben.“

Ob es auch Hoffnung und die Erfahrung gebe, dass die Arbeit Sinn macht, fragte der Präses. Bartl: „Ja, gerade bei Frauen, die länger bleiben, sehen wir positive Entwicklungen.“ Dass die Arbeit fruchtet, zeige sich auch so: „Frauen bedanken sich für unsere Hilfe.“

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ekir.de / Anna Neumann, Fotos: Anna Siggelkow / 20.11.2014



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