Interview

"Frauenmahle" ziehen Kreise

Ein Format, das Kreise zieht: Gemeint sind damit die „Frauenmahle“, die Tischreden zur Zukunft von Kirche und Religion mit einem Dinner kombinieren. Ein Interview mit Frauenreferentin Irene Diller.

Energie und Visionen: Irene Diller, Theologin im Frauenreferat der Evangelischen Kirche im Rheinland, hier beim Rheinischen Frauenmahl in Düsseldorf, 2011. LupeEnergie und Visionen: Irene Diller, Theologin im Frauenreferat der Evangelischen Kirche im Rheinland, hier beim Rheinischen Frauenmahl in Düsseldorf, 2011.

Was bleibt von den „Frauenmahlen“?

Frauenmahl ist ein Format, das Kreise zieht. Es gibt Frauenmahle in vielen Landeskirchen und Städten, auch in diesem Jahr. Das Format gefällt, kürzlich in Dortmund war die Petrikirche mit 140 Frauen an langen Tischen voll besetzt. Was anspricht, ist die Mischung aus Innovation, gemeinsamem Essen in festlicher Atmosphäre und die besondere Art von Zukunftswerkstatt mit verschiedenen Blickwinkeln. Das gibt viel Energie, es macht Lust. Deshalb finden sich auch so viele Organisatorinnen, obwohl es so aufwändig ist.

Rheinisches Frauenmahl in Düsseldorf 2011, u.a. mit der stellvertretenden NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (r.). LupeRheinisches Frauenmahl in Düsseldorf 2011, u.a. mit der stellvertretenden NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (r.).

Fortsetzung folgt?

Ja, es gibt weitere Frauenmahle. Auf der Homepage frauenmahl.de sind die Reden dokumentiert, eine epd-Dokumentation erscheint demnächst, Buchprojekte sind angedacht. In Bonn entsteht ein Denkerinnenkreis. In der Erwachsenenbildung bildet sich eine Art Mini-Frauenmahl heraus, bei dem in Gemeinden und Gemeindekreisen über einzelne Tischreden der Frauenmahle weiterdiskutiert wird. Schließlich wird im April in einer EKD-Konsultation ausgewertet und überlegt, wie es weiter geht.

Die Tischreden und Diskussionen an den Tischen zielen auf einen Dialog über die Zukunft von Religion und Kirche, ja sogar auf eine gemeinsame Vision. Zeichnet sich eine solche Vision ab?

Es zeichnet sich ab, dass es nicht eine einzige Vision gibt. Gerade im Rheinland ist Vielfalt ein großes Thema. Siehe das „Plädoyer gegen die Sehnsucht nach einfachen Wahrheiten“ von Dr. Ilka Werner beim Rheinischen Frauenmahl. Ich denke, wir müssen sehr differenziert über die Zukunft der Kirche reden: mit vielen verschiedenen Gesprächspartnerinnen und -partnern, auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Formaten. Die Energie, die Kirche der Zukunft zu bauen, kommt weder aus der Verwaltung noch der Institution Kirche, sondern aus der Bewegung Kirche. In den Frauenmahlen meldet sich die Bewegung Kirche prominent zu Wort, also auch Menschen, die der Institution Kirche kritisch gegenüberstehen, aber als Christ bzw. Christin leben. Von dort kommt Innovationspotenzial. Wir brauchen mehr reformatorische Power.

Zeichnet sich eine inhaltliche Essenz der Vision ab?

Zwei Schlagworte dazu: mehr Dialog, mehr Beteiligung der Basis sind nötig. Und natürlich mehr Frauen. Wir brauchen mehr Traditionsbildung durch Frauen. Damit meine ich: Die Ideen und die Sprache der Frauen sollten stärken einfließen, beispielsweise in die Gottesdienste. Sie sollen die Lieder prägen. Sitzungskulturen müssen sich so ändern, dass Leitung auch für Frauen attraktiv wird. Zur Vision gehört auch, dass sich das wirkliche Leben im Gottesdienst abbildet. Auch Erfahrungen wie Menschenhandel zum Beispiel in die Arbeitsausbeutung und Gewalt müssten Gegenstand und Inhalt unseres Kirchenseins werden, nicht Randthema der Diakonie.

Frauenmahl.de verzeichnet zwölf Frauenmahle, davon sieben in der rheinischen Kirche. Wie wird diese starke rheinische Beteiligung EKD-weit wahrgenommen?

Claudia Janssen vom Frauenstudien- und -bildungszentrum ist eine der Vordenkerinnen auf EKD-Ebene. Sie ist natürlich sehr froh über das starke rheinische Echo und die schnelle Umsetzung, die auch daran liegt, dass die Konferenz der rheinischen Frauenbeauftragten sich das Frauenmahl zum Jahresthema gemacht hatte und Frauenmahle in den Kirchenkreisen organisiert haben. In Dortmund haben wir mitgeholfen, so bringen wir den Drive auch in unsere Nachbarkirche. Das Rheinland ist reformmüde aber gleichzeitig hungrig nach einer echten Erneuerung. Die Nachfrage ist groß. Die Teilnehmerinnen haben Lust auf das neue Format, denn sie sind gremienmüde und in zu vielen Reformprozessen gefangen. Wie gesagt: Das Frauenmahl bringt eine andere Energie, ermöglicht Ideen und Visionen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 13. März 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 13. März 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu, ekir.de-Fotos Anna Siggelkow / 13.03.2012



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