Aktionstag

Mit einem „Ruhemob“ für den freien Sonntag

Sonntagsschützer beklagen die stete Ausweitung von Arbeits- und Geschäftszeiten. Ungewöhnliche Aktionen sollen am kommenden Sonntag darauf aufmerksam machen.

Im Handel drängen einige Wirtschaftsvertreter auf den durchweg verkaufsoffenen Sonntag. LupeIm Handel drängen einige Wirtschaftsvertreter auf den durchweg verkaufsoffenen Sonntag.

Zu einem Aktionstag am 3. März für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags ruft ein Bündnis aus Kirchen, kirchlichen Werken und Verbänden sowie Gewerkschaften auf. Die „Allianz für den freien Sonntag“ beklagt, dass der arbeitsfreie Sonntag immer mehr ausgehöhlt werde. Für einige Wirtschaftsvertreter bedeute der freie Sonntag in erster Linie Maschinenstillstand und dadurch entgangene Gewinne. Eine solche Haltung verstehe den Menschen nur als Produktionsfaktor.

Im Einzelhandel vor allem Frauen betroffen

Kirchen und Gewerkschaften argumentieren, dass die im Grundgesetz verankerte Sonntagsruhe immer mehr an Verbindlichkeit verliert. Während vor zwanzig Jahren noch 7,5 Millionen Arbeitnehmer von irgendeiner Form der Sonntagsarbeit betroffen gewesen sein, sind es laut Allianz heute rund 11 Millionen. Der 3. März ist der „Internationale Tag des freien Sonntags“, weil der römische Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert an einem 3. März per Edikt erstmals den Sonntag als freien Tag einführte.

Pfarrer Jürgen Widera vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Duisburg-Niederrhein sieht den arbeitsfreien Tag zurzeit vor allem im Einzelhandel bedroht. Für ihn geht es beim freien Sonntag „vorrangig um den Schutz der Beschäftigten“. Der Sonntag habe Symbolcharakter für die Ausweitung aller Öffnungszeiten. Im Handel seien in erster Linie Frauen betroffen, viele alleinerziehend. Für sie bleibe die Flexibilisierung der Arbeitszeit nicht ohne Folgen für ihr Leben. „Dies geht vor allem zu Lasten des Familienzusammenhalts und der Kinder“; sagt Widera.

Wert des Sonntags für die ganze Gesellschaft

Unterstützt wird die Aktion auch durch eine gemeinsame Erklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, und der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, betonen den Wert des Sonntags als Ruhetag für die ganze Gesellschaft. Nicht nur für Christinnen und Christen sei der Sonntag eine heilsame Unterbrechung und damit das Gegenbild zur Ausrichtung des gesamten Lebens an Erfordernissen der Wirtschaft. „In Zeiten einer zunehmenden Beschleunigung aller Lebensvorgänge, der Individualisierung der Lebensformen und der Verringerung des Stellenwertes der gemeinsamen freien Zeit brauchen wir eine wohltuende Atempause“, so die Kirchenvertreter.

Als Aktionsform empfiehlt die Allianz am Sonntag einen „Ruhemob“. Dies sei eine eigene Aktionsform in Anlehnung an den „Flashmob". Eine Gruppe von Sonntagsschützern besetze dabei für einige Minuten öffentliche Plätze, Straßen oder Kreuzungen mit Liegestühlen. Ein Aktionsredner oder eine Aktionsrednerin halte eine kurze Ansprache, danach genössen alle liegend oder stehend einen Moment der Stille. Ein „Ruhemob“ könne natürlich auch nach öffentlicher Anmeldung von Kirchengemeinden realisiert werden, zum Beispiel nach dem Gottesdienst. Die Botschaft des „Ruhemobs“ solle zusätzlich mit Plakaten oder Schildern erläutert werden. Hinweise zur Aktion und ökumenische Gottesdienst-Bausteine hat die Allianz in einer Broschüre zusammengestellt.

Pfarrer Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent in Köln, nimmt am Sonntag ab 17 Uhr teil an einer Aktion vor der Antoniter-City-Kirche, Schildergasse 57. Passantinnen und Passanten werden eingeladen, auf Stühlen Platz zu nehmen und über den Schutz des Sonntags zu diskutieren. Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region hat 2011 die Gründungsurkunde der "Kölner Allianz für den freien Sonntag" unterschrieben.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 27. Februar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 28. Februar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / Foto: Helene Souza/pixelio.de / 27.02.2013



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