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- Der Freiwillige Ole Depenbrock beim Dienst in der bilingualen Schule Takuapi für die indigene Gemeinde der Evangelischen Kirche am la Plata in Argentinien. Der Freiwillige Ole Depenbrock beim Dienst in der bilingualen Schule Takuapi für die indigene Gemeinde der Evangelischen Kirche am la Plata in Argentinien.

Freiwilliger Friedensdienst im Ausland

Es ist Euer Jahr

Junge Menschen bis 27 Jahre können über die Evangelische Kirche im Rheinland einen Friedensdienst im Ausland leisten. Was sie dabei lernen, welche Dienste und welche Erfahrungen sie machen, erklärt Thomas Franke, Ansprechpartner für den Freiwilligen Friedensdienst.

Welche Aufgaben erwarten einen Freiwilligen beim Auslandsdienst?

Es gibt derzeit 57 Einsatzplätze bei unseren Partnerkirchen und an weiteren Einsatzstellen, bei denen die Freiwilligen ihren Dienst leisten können. Sie begleiten zum Beispiel Menschen mit Behinderung in St. Petersburg in Russland, im US-amerikanischen Iowa oder an mehreren Orten in Israel, sie arbeiten in einer Suppenküche im englischen London mit, helfen bei der Jugendarbeit im französischen Montpellier oder in den Armenvierteln von Argentinien.

Was erwarten Sie von den Bewerbern?

Formell dürfen die Freiwilligen nicht älter als 27 Jahre alt sein, ob sie Abitur oder einen Haupt- oder Realschulabschluss mit anschließender Ausbildung absolviert haben, ist nicht von Bedeutung. Mitbringen sollten sie Teamfähigkeit, Offenheit, Flexibilität und Lernbereitschaft. Viele der Freiwilligen sind bereits ehrenamtlich aktiv und engagieren sich in der kirchlichen Jugendarbeit, bei der Feuerwehr oder im Sportverein.
Wir laden alle Bewerber zu Auswahltagen ein. Dabei schauen wir, bei welchem Dienst die jungen Menschen ihre Fähigkeiten und Begabungen am besten einsetzen können. Natürlich lernen die Bewerber auch uns als Organisatoren und Begleiter kennen und können somit entscheiden, ob sie mit uns zusammenarbeiten wollen.

Haben auch junge Menschen mit einem bildungsfernen Hintergrund eine Chance dabei zu sein?

Das haben sie, denn bei den Einsätzen spielt vor allem das soziale Engagement und weniger die formale Bildung eine Rolle. Eine junge Frau hat zum Beispiel bei ihrem Freiwilligendienst in einem Altenheim in Argentinien mitgearbeitet. Sie hatte die Förderschule absolviert und eine Ausbildung als Friseurin, sie war aufgeweckt, sozial eingestellt und sehr kontaktfreudig. Im Seniorenheim übte sie unter anderem ihr Handwerk aus, und ihr Dienst war für alle Seiten ein großer Gewinn.

Welchen Gewinn haben die jungen Menschen durch ihren Dienst?

Beim Freiwilligendienst können sich junge Menschen wirksam engagieren und dabei selbst lernen und wachsen. Sie können soziale und interkulturelle Kompetenzen entwickeln und erweitern, sie lernen andere Kulturen kennen und können Neues entdecken und eingefahrene Denkmuster auch mal auf den Prüfstand stellen. „Ich habe viel über die Hintergründe unterschiedlicher politischer Positionen gelernt und erfahren, wie stark sie von historischer und kultureller Interpretation abhängen“, das hat uns zum Beispiel ein junger Mann nach seiner Rückkehr aus Israel erzählt.

Kann der Einsatz etwa in Krisengebieten gefährlich werden?

Die jungen Menschen werden generell nicht in Gebiete geschickt, die vom Auswärtigen Amt als gefährlich eingestuft werden. Die Lage in den Ländern kann sich natürlich jederzeit ändern. So gab es in diesem Jahr Situationen in Israel, die uns brenzlig erschienen. Von dort erhielten wir jedoch die Rückmeldung: „Macht Euch keine Sorgen, wir sind hier gut begleitet.“ Wenn es wirklich gefährlich wird, dulden wir jedoch kein Märtyrertum. Wenn der Betreffende sagt „Ich bleibe hier, meine einheimischen Freunde müssen die Situation doch auch aushalten“, dann sind wir trotzdem in der Verantwortung gegebenenfalls die Rückreise zu veranlassen.

Gibt es junge Menschen, die den Dienst nicht aushalten?

Das passiert selten, ist aber überhaupt nicht schlimm – im Gegenteil. Es kam einmal vor, dass ein junger Mensch es nicht verkraften konnte, dass die von ihm mitbetreuten Kinder in Argentinien tiefer Armut und häufiger Gewalt ausgesetzt waren. Es gehört auch zum „Lernen an sich selbst“, dass ich solche Grenzen bei mir selbst entdecke, sie respektiere und danach handele. Dieser junge Freiwillige hat dann seine Arbeit in dem Armenviertel beendet.
Generell bereiten wir die Freiwilligen bei Seminaren vor, außerdem gibt es Zwischenseminare und eine Abschlusstagung. Der Auslandsaufenthalt wird außerdem von Ansprechpartnern bei uns, durch die Projektpartner vor Ort sowie von Mentoren begleitet.

Wie gehen die Eltern mit der Trennung durch den Auslandseinsatz um?

Oft müssen sich die Eltern in die neue Rolle einfinden. Für sie geht das gewohnte Leben weiter, doch ein Platz darin ist leer. Letztendlich müssen die Eltern loslassen, damit die jungen Erwachsenen in ihrem Leben etwas Neues erfahren können. Gerade in der Eingewöhnungsphase raten wir von all zu häufigen Kontakten ab. Vielmehr sagen wir den jungen Menschen: „Gebt Bescheid, dass Ihr gut angekommen seid. Und ab dann ist es Euer Jahr: Macht was draus!“ 

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ekir.de / Interview: Sabine Eisenhauer, Foto: Freiwilliger Friedensdienst / 21.12.2015



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