Ministerin Irene Alt (5.v.l.) bei der Interkulturellen Freizeit. Ministerin Irene Alt (5.v.l.) bei der Interkulturellen Freizeit.

Kirchenkreis An Nahe und Glan

Warum bekommen meine Eltern und ich keinen Pass?

„Es ist uns eine Ehre, dass Sie uns besuchen“, begrüßte der achtjährige Paul die rheinland-pfälzische Ministerin für Integration, Familie Kinder, Jugend und Frauen, Irene Alt, bei der interkulturellen Freizeit des Kirchenkreises An Nahe und Glan.

21 Kinder, gut die Hälfte von ihnen aus Flüchtlingsfamilien, verbringen derzeit eine Zeltfreizeit in Boos am Ufer der Nahe. Jugendreferat und Ausländerpfarramts des Kirchenkreises laden jedes Jahr eine multikulturelle Gruppe im Alter zwischen acht und 13 Jahren dazu ein. Gerechtigkeit ist in diesem Jahr das Leitthema der Freizeit. Dazu hatten sich die Kinder einige kleine Szenen ausgedacht, die sie der Ministerin vorführten. Ungerechte Benotung in der Schule, Ausgrenzung, weil ein Kind eine andere Sprache spricht, Mädchen, die nicht mit Jungen spielen wollen – lauter Alltagssituationen.

Auch politisch ging es zur Sache, bekam die Ministerin verständliche Fragen: „Warum bekommt meine kleine Schwester, die hier geboren ist, einen deutschen Pass, meine Eltern und ich aber nicht? Das ist doch nicht gerecht“, fragte die zwölfjährige Valia, deren Familie aus dem Irak stammt und bereits seit zehn Jahren in Deutschland Asyl beantragt.

Für doppelte Staatsbürgerschaft gekämpft

Die Ministerin stimmte dem Mädchen zu und berichtete, erst in der vergangenen Woche habe sie im Bundesrat für die doppelte Staatsbürgerschaft von Einwandererfamilien gekämpft. Sie habe diesen Vorschlag im Namen des Landes Rheinland-Pfalz eingebracht. Jetzt müsse die Bundesregierung darüber entscheiden. „Es kann aber sein, dass die Bundesregierung damit nicht einverstanden ist“, erläuterte Irene Alt.

Andere Fragen an die Ministerin betrafen die Abschiebepraxis von jugendlichen Flüchtlingen und die Abhörpraktiken des amerikanischen Geheimdienstes. Beeindruckt zeigte sich Irene Alt von den demokratischen Regeln, nach denen die Tage der Freizeit gestaltet werden. Die Kinder stimmen über die Unternehmungen ab und übernehmen selbst Leitungsaufgaben. Alt: „In dieser Freizeit wird etwas gelebt, was ich selbst immer in meinen Reden fordere: die Teilhabe von jungen Menschen an demokratischen Entscheidungsprozessen.“

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ekir.de / mu / 16.07.2013



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