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Fremdsprachige Patienten Mounir Abdalla und Dolmetscherin Ibtehal Al Jundi mit einem Patienten und begleitendem Onkel aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Internationale Patienten

Froh in der eigenen Sprache Gehör zu finden

Kliniken mit fremdsprachigen Patienten kommen nicht ohne fachlich versierte Übersetzer und geschultes Begleitpersonal aus, denn auch kulturelle Unterschiede müssen häufig ausgeglichen werden. In einer Bonner Klinik hilft ein internationales Büro.

Doch, es gehe ihrem Sohn heute gut, sagt die Frau aus den Vereinigten Arabischen Emiraten der Dolmetscherin Ibtehal Al Jundi. Gleich wird die ärztliche Visite ins Zimmer ihres Sohnes kommen. Al Jundi hört sich das Anliegen der Mutter an, während der behinderte Sohn von seinem Bett aus herüberschaut. Der 26-Jährige ist körperlich und sprachlich eingeschränkt. “Seit zwei Jahren ist es viel schlimmer geworden, dass wir unbedingt in die Klinik kommen wollten”, lässt die aufgeregte Mutter übersetzen.

Der Onkel des jungen Mannes nickt. Er kann sich hier im Bonner Neurologischen Rehabilitationszentrum Godeshöhe auf Englisch verständigen. Seine Schwester, die seit Monaten Tag und Nacht an der Seite ihres Sohnes bleibt, kann das nicht. “Ich bin unheimlich froh, dass ich hier Gehör finde. Sonst hätten wir meinen Sohn nicht hierher gebracht”, sagt die Mutter.

Es dürfen keine Missverständnisse entstehen

Inzwischen spricht Mounir Abdalla beruhigend auf den jungen Mann ein. Der Mitarbeiter mit palästinensischen Wurzeln leitet das extra für ausländische Patienten eingerichtete internationale Büro des Zentrums. “Ich begleite mit meinem Team internationale Patienten der Klinik, die kein Deutsch können, über ihren gesamten Klinikaufenthalt hinweg”, erklärt Abdalla. Bevor die Gäste anreisen, hat er die medizinischen Berichte und die finanzielle Abwicklung über die entsprechende Botschaft abgecheckt. Wenn die Patienten da sind, managt Abdalla mit zwei Mitarbeiterinnen die Kommunikation.

“Es geht ja nicht nur darum zu verstehen, ob jemand etwas trinken will, sondern um die gesamte medizinisch therapeutische Aufarbeitung”, erläutert der geschäftsführende Klinikvorstand Dr. Eric Liebich. Da sei es enorm wichtig, dass keine Missverständnisse entstünden und der Patient wie auch seine ihn begleitenden Angehörigen genau wüssten, wie die Behandlung genau erfolgt. Deshalb sei das internationale Büro die Schnittstelle zwischen den ausländischen Patienten und den Klinikmitarbeitern. 350 Betten habe das Reha-Zentrum. Um die 30 seien ständig mit internationalen Gästen belegt.

Besser nicht eins zu eins übersetzen

Wobei ein einziges falsch übersetztes Wort schon enorme Folgen haben kann. Und zwar nicht nur auf medizinischer Ebene. Abdalla kann verzwickte Situationen schildern. Da habe eine Krankenschwester auf eigene Faust einem sich selbstlos um den Vater kümmernden Sohn in wohl holprigem Englisch für seinen Einsatz danken wollen. „Treu wie einen Wachhund“ habe sie den jungen Mann lobend genannt – der daraufhin in Tränen der Wut ausbrach. Im arabischen Kulturkreis gilt der Hund nicht unbedingt als Wesen, mit dem man verglichen werden wolle. Abdalla musste einige Wogen glätten.

„Wir übersetzten bei unterschiedlichen Kulturkreisen ohnehin besser nicht wirklich eins zu eins“, erklärt er. Arabische Ärzte würden ihren Patienten nie wie ihre deutschen Kollegen sofort harte Diagnosen zumuten. „Ich übersetze einem Unfallopfer also nicht sofort, dass es nie wieder laufen kann“, erläutert Abdalla. Und einem Querschnittgelähmten könne er auch nicht mit einem Mal beibringen, dass der nie mehr Kinder zeugen werde. „Ich sage dann meist, dass wir einen Gott haben, der alles lenkt.“

Alles liegt in Gottes Hand

Jede Klinik sei eine eigene Welt. Die Umstellung mitsamt ihren Rhythmen und Abläufen falle keinem leicht, berichtet der evangelische Klinikseelsorger Dietrich Jeltsch. Viele Kranke machten sich Sorgen um die Zukunft oder erlebten Schmerz, Angst, Wut und Zweifel. Oft wechselten auch Hoffen und Bangen einander ab. Da biete er Begleitung an. Ohne sprachliche Hilfe ist dies in einer internationalen Einrichtung kaum möglich.

Inzwischen ist die ärztliche Visite im Krankenzimmer des jungen Mannes aus den Emiraten angelangt. Die Dolmetscherin schildert, welche Beschwerden ihn plagen. Fragen der Ärzte leitet sie an die Mutter weiter. Ein Gespräch über die nächsten Schritte entspinnt sich. “Wann beginnt denn die Sprachtherapie?” lässt die Mutter fragen. Ihr breche das Herz, dass ihr Junge nicht spreche. Viele ausländische Gäste erwarteten in Deutschland zügig eintretende Genesungserfolge, wird Mounir Abdalla später schulterzuckend sagen. Aber es liege eben alles in der Hand Gottes.

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ekir.de / Text und Foto: Ebba Hagenberg-Miliu / 19.05.2015



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