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Gottes Segen für ihren Friedensdienst im Ausland erhielten die 21 jungen Frauen und Männer bei einem Gottesdienst im Hackhauser Hof in Sollingen. Gottes Segen für ihren Friedensdienst im Ausland erhielten die 21 jungen Frauen und Männer bei einem Gottesdienst im Hackhauser Hof in Sollingen.

Friedensdienst

Teil einer weltweiten Friedensbewegung

Sie gehen nach Israel, Russland, Rumänien, Großbritannien, Frankreich und in die USA: 21 junge Frauen und Männer, die ab Anfang September für ein Jahr lang einen freiwilligen Friedensdienst im Ausland leisten. Fünf von ihnen haben ekir.de erzählt, was sie dazu antreibt und was sie erwarten.

Oliver Schwarz Oliver Schwarz

Oliver Schwarz (19) aus Aachen geht nach St. Petersburg in Russland und arbeitet dort in der Wohn- und Betreuungseinrichtung „Perspektivy“ für Kinder und Erwachsene mit Behinderung. „Bevor ich mich für den Dienst im Ausland entschieden habe, hatte ich keinerlei Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung“, erzählt er.

Als der Bescheid kam, dass er in die Einrichtung nach St. Petersburg geht, hat er noch ein zweiwöchiges Praktikum in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe in Aachen gemacht. „Damit ich das mal kennenlerne. Und ich fand es super!“

Dass der Umgang mit Menschen mit Behinderung in Russland anders ist als in Deutschland, weiß er von seinen Vorgängern. „Sie leben dort eher am Rande der Gesellschaft und oft gibt es abfällige Blicke, wenn man mit ihnen in der Stadt unterwegs ist. Das motiviert mich aber umso mehr, ihnen dort zu helfen und mit ihnen zu arbeiten.“  

Die Freiwilligen arbeiten in ihren Gastländern in kirchlich-diakonischen Einrichtungen. Arbeitsfelder sind neben der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen, die Mitarbeit in Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie die Seniorenarbeit. Die Gastländer und Einsatzstellen nehmen seit 1995 Freiwillige der Evangelischen Kirche im Rheinland auf. Die 21 jungen Frauen und Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren haben im Januar ein Bewerbungsverfahren durchlaufen und werden seit April auf ihren Dienst vorbereitet.

Ein Praktikum zur Vorbereitung auf den Einsatz

Hannah Steinberg Hannah Steinberg

Das Erlebniscamp „Camp Courageous“ in Monticello/Iowa in den USA ist das Ziel von Hanna Steinberg (18) aus Bonn.  In dem Camp verbringen Menschen mit Behinderung jeden Alters ihre Freizeit oder Ferien für rund eine Woche. „Ich habe bereits ein Praktikum in einer Bonner Förderschule gemacht und gemerkt, dass mir diese Arbeit liegt“; sagt sie.

Außerdem war Hannah Steinberg ehrenamtlich beim Blindensport aktiv. Und da ihr Sport liegt, freut sie sich darüber, mit den Teilnehmenden im Camp Angebote wie Klettern, Schwimmen oder Bogenschießen durchzuführen. Auch in der Pflege wird Hannah Steinberg tätig sein. Wie das geht, bekommt sie im Camp gezeigt.

Wohnen wird Hanna Steinberg  in einer WG mit 20 anderen jungen Leuten aus der ganzen Welt – und auch darauf freut sie sich sehr. Ihre Schwester war schon beim Auslandsdienst in Indien und kam begeistert zurück. Daher hat sie selbst nun auch keine Angst und keine Bedenken. Höchstens diese: „Ich lebe dort richtig mitten auf dem Land, wenn ich Bonn verlasse, wird das vielleicht eine Umstellung für mich sein.“

Eine andere Kultur kennenlernen und sich sozial engagieren

Verena Keul Verena Keul

Verena Keul (18) aus Essen wird ebenfalls in die  USA reisen und in Alamosa/Colorado bei der Organisation „La Puente Home“ mitarbeiten, einem Projekt für Bedürftige und Obdachlose. Dort gibt es unter anderem eine Kleiderkammer, eine Essensausgabe und Beratungsangebote. „Mir war schon immer klar, dass ich nach dem Abitur erst einmal ins Ausland gehe und nicht direkt weitermache mit Studium oder Ausbildung“, sagt sie. „Ich bin sehr sprachbegeistert und freue mich auf ein anderes Land und eine andere Kultur. Gleichzeitig kann ich mich sozial engagieren. Es wird für mich eine wichtige Lebenserfahrung werden.“ Zudem soll ihr das Jahr auch zu ihrer beruflichen Orientierung dienen.

„Der Freiwillige Friedensdienst versteht sich im Rahmen praktischer Mitarbeit in den Projekten als Lerndienst. Als Lernende bringen die jungen Menschen ihre eignen Fähigkeiten ein, lernen die Menschen und Kultur ihres Gastlandes kennen und teilen die Lebenswirklichkeiten und Arbeitsalltagserfahrungen der Menschen in den Projekten“, erläutert Thomas Franke von der Arbeitsstelle für Auslandsfreiwilligendienste der rheinischen Kirche. Bereits Anfang August ist eine erste 20-köpfige Gruppe von Freiwilligen nach Süd- und Mittelamerika ausgereist.

In Krisen bekommen die Freiwilligen Unterstützung

Niklas Gerselmeyer Niklas Gerselmeyer

In einem Kinderheim für Vier- bis Siebzehnjährige des „Verein des Barmherzigen Samariters“ in der Nähe des rumänischen Brașov (früher Kronstadt in Siebenbürgen) wird Niklas Gerselmeyer (18) aus Hamm arbeiten. Vormittags soll er dort dem Hausmeister bei handwerklichen und technischen Dingen am Haus helfen, nachmittags Fahrdienste für die Kinder durchführen und ihnen bei den Hausaufgaben helfen.

„Ich freue mich auf die Aufgabe, auch wenn ich weiß, dass es vielleicht nicht einfach wird, die Armut oder das Leid mancher Kinder mitzuerleben,“ erzählt er. Und es sei auch gut zu wissen, dass er sich jederzeit an die Mitarbeitenden im Hackhauser Hof wenden könne, wenn etwas mal schwer zu verkraften ist.

Max Hirner Max Hirner

Max Hirner (24) kommt aus Freiburg und studiert in Leipzig. Von einem Freund, der schon mit der rheinischen Kirche im Auslandsdienst war, hat er von dieser Möglichkeit erfahren und sich beworben. Er geht nun nach Alut in Israel in der Nähe von Tel Aviv und arbeitet dort in der staatlichen Einrichtung „Kfar Ofarim“ für Menschen mit Autismus. „Ich habe Erfahrungen in diesem Bereich und daher keine Scheu vor dem Dienst“, sagt Max Hirner, der ein bereits Freiwilliges Soziales Jahr in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gemacht hat.

„Dass ich nach Israel gehe, hat meinem Vater erst einmal Sorgen bereitet. Und auch meine Freund sagen: Pass bloß auf dich auf! Aber ich habe keine Angst,“ erzählt Max Hirner. „Tel Aviv ist kein akuter Krisenherd, und außerdem leben die Menschen doch auch dort und sind mit ihrem Leben zufrieden.“ Zudem möchte er gerne Hebräisch lernen und wird in Israel an einem Sprachkurs teilnehmen.

„Sie werden zu Akteuren der Veränderung“

In einem Entsendungsgottesdienst in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof in Solingen bekamen die jungen Leute am Samstag Gottes Segen für ihren Dienst zugesprochen. Die Predigt hielt der rheinische Präses Manfred Rekowski.

Er äußerte seine Wertschätzung für den Einsatz der Friedensdienstlerinnen und -dienstler: „Mit Ihrem Friedensdienst nehmen Sie Anteil an einer weltweiten Friedensbewegung. Sie hat ihren Ursprung in der Zusage Gottes, seine Gedanken des Friedens und der Gerechtigkeit niemals aufzugeben. Mit Ihrem Friedensdienst setzen Sie Gottes Gedanken des Friedens und der Gerechtigkeit an einem konkreten Ort um. Sie werden selbst zu Akteuren der Veränderung.“

Im Anschluss an den Gottesdienst kam der Präses auf einem Podium mit Freiwilligen, Eltern und ehemaligen Freiwilligen ins Gespräch.

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ekir.de / red/eis, Fotos: Gerhardt Bartsch / 27.08.2017



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